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DGB kritisiert Ausbildung

17.08.2010, 18:37 Uhr
Berlin (In House) Trotz eines aufziehenden Fachkräftemangels liegt bei der Ausbildung in Brandenburg und Berlin nach Gewerkschaftsangaben einiges im Argen. Jeder dritte Lehrling klage über zu viele Überstunden, teilte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Berlin-Brandenburg am Dienstag nach einer Befragung unter knapp 2200 Auszubildenden mit. Jeder vierte Azubi müsse ausbildungsfremde Tätigkeiten miterledigen. Eine Perspektive im Ausbildungsbetrieb sehe ebenfalls ein Viertel. DGB-Landeschefin Doro Zinke fordert von der Wirtschaft, bei ihren Anforderungen an Lehrstellen-Bewerber Abstriche zu machen.

Wie aus dem 5. Ausbildungsreport der DGB-Jugend hervorgehe, bildeten gerade noch 24 Prozent der Firmen in der Region aus. Trotz rückläufiger Zahlen von Schulabgängern bleibe das Angebot an Lehrstellen mangelhaft. Es sei nicht hinnehmbar, dass Arbeitgebervertreter behaupteten, es gäbe keine geeigneten Bewerber, betonte die Gewerkschafterin. „Es ist ein nicht nachvollziehbarer Hohn für die Betroffenen.“ Ein Jugendlicher, der aus der Schule komme, habe noch nicht lernen können, was im Betrieb von ihm verlangt wird, sagte Zinke. Es könne nicht sein, dass die Arbeitgeber sich einerseits über Fachkräftemangel beschwerten und andererseits nicht in junge Leute investierten.

Auch die Qualität der Ausbildung lasse teilweise sehr zu wünschen übrig, kritisierte Zinke. 30 Prozent der Befragten seien generell mit deren Qualität unzufrieden. Überdies sehe die Übernahmesituation „katastrophal“ aus: „Lediglich 26 Prozent der Azubis sehen eine Berufsperspektive in ihrem Ausbildungsbetrieb.“

Das „große Sorgenkind“ auf dem Ausbildungsmarkt der Region ist aus Sicht des DGB das Hotel- und Gaststättengewerbe.Dort müsse jeder zweite Azubi regelmäßig Überstunden leisten.

Zinke warf der Industrie- und Handelskammer Berlin im Gegensatz zu den Kammern in Brandenburg „mangelnde Kooperationsbereitschaft“ bei der Lösung von Problemen vor. Der IHK-Geschäftsführer Berufsbildung, Christoph von Knobelsdorff, zeigte sich darüber „sehr erstaunt“: Die Kooperation zwischen der IHK Berlin und dem DGB sei „sehr gut“.

Nach DGB-Angaben gibt es in der Region 120 000 junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne berufliche Qualifikation. Dazu komme die sogenannte Altnachfrage, die 7000 Jugendliche umfasse, die in den vergangenen Jahren keinen Ausbildungsplatz fanden.

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