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Warum die 
Irland-Hilfe 
unumgänglich ist

Günther Marx
Günther Marx © Foto: MOZ
Günther Marx / 22.11.2010, 18:21 Uhr
Um nur eine Größenordnung zu nennen (In House) Als der EU-Ratspräsident Herman van Rompuy kürzlich warnte, wenn die Euro-Zone nicht überlebe, werde auch die EU nicht überleben, mögen das manche als Schwarzmalerei eines Berufseuropäers betrachtet haben. Insbesondere jene, denen seit langem die „Zahlmeisterrolle“ Deutschlands ein Dorn im Auge ist und die sich dagegen wehren, dass die EU zur „Transferunion“ verkommt; als ob sie das nicht von Anfang gewesen wäre.

Warum auch, so geht diese Denkschule weiter, sollte man Staaten, die finanz- und haushaltspolitisch geschludert oder – wie Griechenland – sogar falsch gespielt haben, nicht einfach in die Pleite laufen lassen? Die Antwort darauf ist relativ einfach: Weil die Euro-Staaten inzwischen so eng verflochten sind, dass der Kollaps des einen unweigerlich Folgen auch für die anderen hat. Nicht nur für die Kleinen und Schwachen, sondern auch für Schwergewichte wie Frankreich und Deutschland.

Das marode Griechenland steht bei französischen Banken mit mehr als 100 Milliarden Euro in der Kreide, das kleine Irland mit einer ähnlichen Summe bei deutschen Banken.

Wer also meint, der Crash sei für die Sünder die richtige Strafe, hat denselben anderntags bei sich zu Hause. Zu befürchten wäre eine Kettenreaktion, die über die reine Finanzpolitik weit hinausginge. Die Konsequenz: So wie es keine andere Möglichkeit gab, als Griechenland unter die Arme zu greifen, so muss jetzt Irland geholfen werden. Die Frage ist nur: Was lernt die EU daraus?

Die Antwort ist auch hier zumindest theoretisch einfach, politisch aber wegen vielerlei Egoismen schwer umzusetzen. Über den in höchster Not gestrickten Krisenmechanismus hinaus bedarf es künftig einer abgestimmten und für die Partner transparenten Wirtschafts- und Finanzpolitik. Das es diese bis jetzt nicht gibt bzw. in Ansätzen erst in der Krise ist der eigentliche Geburtsfehler des Euro. Jetzt geht es darum, mit großem Mitteleinsatz Zeit zu gewinnen, um kontrolliert sanieren zu können – unter Mithaftung der Banken, bitte schön! Eine bittere, aber unumgängliche Medizin.

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Frankura 23.11.2010 - 09:23:58

Die Insolvenz des Systems hinausgeschoben

Da im Zinssystem die Gesamtschulden stetig steigen müssen gibt es immer wieder Insolvenzen. Verschulden können sich Staaten. Unternehmen, Privathaushalte. Verschulden sich Unternehmen und Privathaushalte zu wenig, so muss der Staat als Schuldner einspringen - sonst bräche die Konjunktur zu stark ein. Irgendwann landen wir in eine Überschuldungskrise - die sich langsam zuspitzt. Nun müssten Griechenland und Irland Insolvenz anmelden. Die Hilfen die nun geleistet werden, verschieben die Insolvenz dieser Staaten auf Kosten der finanziellen Ressourcen der helfenden Staaten. Diese werden dadurch geschwächt. Es ist als würde in einer Familie die Verwandten einspringen weil ein Familienmitglied überschuldet ist. Das geht solange, wie die anderen zahlen können. Da aber die Gesamtschulden stetig steigen müssen, ist es nur eine Frage der Zeit, wann ein Staat nach dem anderen im Dominoeffekt umfällt. Zahlen muss es der Steuerzahler der immer dadurch mehr geschwächt wird. Das belastet wiederum die Unternehmen die weniger Umsatz machen. Unser System ist viel vernetzter als dargestellt. Der Crash ist unausweichlich.

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