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Entscheidung gegen die Angst

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07.07.2011, 19:15 Uhr
(In House) Selten war eine Debatte im Bundestag so emotional wie die um Verbot oder Zulassung der PID. Emotionen weckte allein schon, dass es um Kinder geht – und vorbelastete Begriffe wie „Selektion“ und „lebensunwert“. Verhandelt wurden grundlegende ethische Fragen.

Der Bundestag hat sich nun zu Recht für eine begrenzte Zulassung der PID entschieden. Die Abgeordneten stimmten für das Leben. Die Argumente der Gegner waren vor allem von Ängsten geprägt: der Angst, dass Behinderte und Kranke diskriminiert werden; der Angst, dass eine Entscheidung für PID einen „Dammbruch“ nach sich ziehen wird, der zu „Designer-Babys“ führt. Die Ängste sind berechtigt und wichtig. Ernst genommen führen sie zu vertiefter Debatte, Erkenntnis und Sensibilität – und verhindern damit genau das, was sie umtreibt; hoffentlich.

Der zweite Komplex an Argumenten gegen die PID ist noch grundlegenderer weltanschaulicher Natur. Er umfasst Fragen wie: Darf ein Mensch auswählen, aus welcher Eizelle ein Kind werden darf, welche Eizelle es „wert“ ist, eingepflanzt zu werden? Und welche nicht? Es gibt keine allgemeingültige Antwort darauf.

Betrachtet man die wenigen Fälle, die nach der gestern beschlossenen Gesetzeslage überhaupt für eine PID in Frage kommen, fällt die Antwort klarer aus. Soll der Zufall – oder Gott – entscheiden, ob gesunde Embryonen eingepflanzt und kranke aussortiert werden? Oder steht einem Team aus Eltern, Ärzten und Psychologen die Entscheidung zu? Wobei ein Teil der Embryonen sowieso nicht eingesetzt wird. Die Alternativen für Eltern mit schlimmsten Erbkrankheiten sind, entweder auf Kinder zu verzichten, das Risiko auf sich zu nehmen, ein todkrankes, nicht lebensfähiges Kind zur Welt zu bringen – oder nach einer Untersuchung des weit entwickelten Embryos im Mutterleib unter Umständen abzutreiben. Man kann diesen Eltern nun viel Leid ersparen.

Wichtig ist, bei diesem Thema sensibel und diskussionsbereit zu bleiben, aufmerksam auf weitere Entwicklungen zu achten. Garantie für gesunde Kinder gibt es weiterhin nicht und wird es nie geben. Aber so werden die Chancen in besonderen Fällen erhöht.

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