Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Wachstum der Öko-Energie mit Hindernissen

15. 04. 2009, Der MOZ Redakteur Hajo Zenker in Frankfurt (Oder).
15. 04. 2009, Der MOZ Redakteur Hajo Zenker in Frankfurt (Oder). © Foto: MOZ/Dietmar Horn
Hajo Zenker / 30.08.2011, 18:50 Uhr
(MOZ) Jede fünfte Kilowattstunde in Deutschland stammt bereits aus erneuerbarer Energie – im Nordosten ist es sogar jede zweite. Das klingt so, als gehe es mit der Energiewende ganz von allein voran. Doch das ist ein Trugschluss.

Die Netze sind weithin an der Grenze der Aufnahmefähigkeit. Die bald anfallende Menge regenerativ erzeugter Energie können sie nicht aufnehmen. Eine Energie, die zudem so gar nicht in den Ökostrom-Erzeugerhochburgen Osten und Norden gebraucht wird, sondern nach Süden geleitet werden muss. Wo sich die Atommeiler verabschieden. Und es, Windräder sind hier selten, stattdessen Stromknappheit gibt. Gaskraftwerke, die Einbrüche rasch ausgleichen können, lohnen sich wirtschaftlich kaum. Nicht einmal (Atom-)Strom aus Frankreich oder Tschechien lässt sich im Notfall ausreichend importieren – auch die europäische Vernetzung ist unterentwickelt und weit weg von der Vision des EU-Energiekommissars, der aus Effizienzgründen Solarstrom nur am Mittelmeer und Windstrom nur an der Nordsee produzieren lassen will.

Immer neue Windräder und Solarmodule kosten zwar viel Geld, nützen aber wenig, wenn sie wegen Netzüberlastung häufig abgeklemmt werden müssen. Die langen Genehmigungsverfahren sollen immerhin mit dem Beschleunigungsgesetz, über das bald der Bundesrat befindet, kürzer werden. Bleibt abzuwarten, ob es greift. Zumal viele Deutsche, die in Umfragen angeben, Opfer für den Atomausstieg bringen zu wollen, im Zweifelsfall die Begeisterung für die Energiewende vergessen und eine Bürgerinitiative gründen, wenn in Sichtweite eine Freileitung entstehen soll.

Auch die Preisentwicklung verdirbt Verbrauchern die Laune. Und sie gefährdet energieintensive Branchen, also Arbeitsplätze. Zumal, wenn die Stromkunden in wirtschaftlich weniger starken Regionen wie Brandenburg besonders viel zahlen müssen – weil zwar die Ökostrom-Einspeisung, nicht aber der Netzausbau bundesweit umgelegt wird.

Auch wenn das rasante Ökostrom-Wachstum der vergangenen Jahre anderes vermuten lassen könnte: Eine wahre Energiewende ist noch längst nicht gelungen. Und wenn jetzt nicht schnell reagiert wird, stehen wir bald häufiger im Dunkeln.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG