SOFIA - hinter diesem Kürzel steht das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie, ein Projekt der US-Raumfahrtagentur NASA, an dem auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt ist. Über diese Schiene wiederum sind mehrere Schulen partnerschaftlich angebunden. Olaf Hofschulz war einer von vier deutschen Lehrern, die jetzt in der Luft ganz unmittelbar dabei sein durften.
Denn das Besondere bei SOFIA ist, dass das Observatorium keine stationäre Anlage ist, sondern ein mit Messgeräten und sonstiger Spezialausrüstung bestücktes Großraumflugzeug der NASA. Das liegt in der Natur der Sache, wie Olaf Hofschulz erklärt: "Die Messungen können nicht vom Boden aus durchgeführt werden, weil durch den Wasserdampf in der Atmosphäre die infrarote Strahlung dort gar nicht ankommt." 14 Kilometer steigt das Flugzeug deshalb auf.
Infrarotstrahlung als Medium sei aber unabhängig davon für Untersuchungen in der Astrophysik bestens geeignet: "Sie geht auch durch kosmische Staub- und Gaswolken durch, man kann also auf diese Weise ungehindert auf Ziele in der Milchstraße blicken." Ein zweiter Vorteil sei, dass auch Objekte mit dieser Methode untersucht werden können, die sehr kalt sind - zum Beispiel Gasnebel. "Auch wenn ihre Temperatur nur bei 100 oder 200 Kelvin liegen mag, so senden sie doch Infrarotstrahlung aus." Eine Strahlung, die mit den Messgeräten an Bord des SOFIA-Flugzeugs erfasst und später genau analysiert werden kann.
Das spezielle Teleskop mit etwa zweieinhalb Metern Durchmesser ist in der umgebauten Boeing 747SP in der Mitte axial installiert, eine geöffnete Tür hinter der linken Tragfläche gibt den Blick für die Instrumente ins Weltall frei. Allerdings muss das Flugzeug entsprechend seitlich zum zu beobachtenden Projekt ausgerichtet sein: "Deswegen haben wir uns bei dem Missionsflug, bei dem wir dabei waren, auch auf einem Zickzackkurs über die USA und Kanada hinwegbewegt", wie Hofschulz erläutert. Mit dem Ferninfrarotspektroskop GREAT (German Receiver for Astronomy at Terahertz Frequencies) lassen sich auf diese Weise unter anderem Nebelregionen kartieren. Im Laufe der zehn Stunden, die ein Flug durchschnittlich dauert, stünden in der Regel mehrere verschiedene Objekte im Visier der beteiligten Wissenschaftler.
Für den begeisterten Astronomielehrer aus Neuenhagen war vom Eintreffen auf dem NASA-Flugplatz im kalifornischen Palmdale über die ersten Einführungen bis hin zum Flug selbst alles ein höchst beeindruckendes Erlebnis. Er und seine drei Berufskollegen als Gäste an Bord hatten sogar ihre eigene Konsole, um alles ganz direkt verfolgen zu können.
Das Einstein-Gymnasium ist schon seit mehreren Jahren SOFIA-Partnerschule. 2011 hatte sich Olaf Hofschulz erstmals um die Mitflugmöglichkeit beworben, vergangenen Dezember erreichte ihn die Nachricht, dass er diesmal dabei wäre. Bei einem Vorbereitungstreffen in Stuttgart gab es dann den ersten Kontakt zu den beteiligten deutschen Wissenschaftlern, die gemäß dem Anteil des DLR am Gesamtprojekt rund 20 Prozent der Forschungszeit für sich beanspruchen dürfen.
Seine Impressionen und neuen direkten Erkenntnisse behält Hofschulz keineswegs für sich, sondern stachelt damit auch weiter die Begeisterung seiner Schüler an. Am Einstein-Gymnasium gibt es in Klassenstufe 11 und 12 Astrophysik-Seminarkurse, in der 9. und 10. Klasse Schwerpunktunterricht im Fach Astronomie, außerdem eine Arbeitsgemeinschaft, an der schon Siebtklässler mitwirken.
Mehrfach haben sich die Schülerteams mit seiner fachkundigen Betreuung an einschlägigen Bundeswettbewerben beteiligt und Preise geholt, waren vor zwei Jahren zur Anerkennung auch in Südafrika. Zudem haben die Jugendlichen für eine Seminararbeit die Lichtverschmutzung über Neuenhagen untersucht, Aufnahmen von Sonnenprotuberanzen oder dem Venustransit an der Sonne 2012 gemacht.
Für Hofschulz, der sich selbst seit Kindesbeinen für Astronomie begeistert und Mitglied im Bildungsrat der Deutschen Astronomischen Gesellschaft ist, ist der Aufbau einer kleinen Schulsternwarte das nächste große Ziel. Die technische Ausrüstung dafür hat er mit diversen Sachspenden schon zum guten Teil zusammen.
Auch Hofschulz verfolgt die aktuelle Debatte um die Zukunft von SOFIA. NASA-Chef Charles Bolden hatte angekündigt, den Betriebskostenzuschuss von 84 auf zwölf Millionen Dollar zu senken - und das bereits für das Jahr 2015.
Über seine SOFIA-Erlebnisse hat Hofschulz einen Blog verfasst: http://ohmilkyway.wordpress.com/, direkte Informationen zudem unter http://dlr.de/rd/sofia und http://www.sofia.usra.edu/