Ich weiß gar nicht, wie ich die vielen neuen Eindrücke in Worte fassen soll. Ich denke zu Beginn ist es wichtig zu sagen, dass all das, was ich hier schreiben und berichten werde, subjektiv ist und auf meinen Erfahrungen beruht. Es ist also das Bild, was ich von Kolumbien habe und das ist natürlich nicht vollständig.
Es ist nun schon ein paar Tage her, als ich mich mit überwiegend positiven Gefühlen von meiner Familie am Flughafen verabschiedete und in den Flieger nach Frankfurt stieg. Von dort aus ging es gemeinsam mit den anderen 13 Freiwilligen, die wie ich mit der Organisation Icja für ein Jahr nach Kolumbien gehen, nach Bogotà. Im Flugzeug war die Atmosphäre sehr entspannt. Wir nutzten die Zeit, um noch ein paar der wichtigsten spanischen Wörter zu lernen.
Die elf Stunden Flug merkte ich kaum, gegen Ende des Fluges stieg jedoch die Anspannung, weil wir schon am Flughafen auf unsere zukünftigen Familien treffen sollten.
Als wir dann in tiefster Dunkelheit aus dem Flugzeug stiegen, es war etwa 19.30 Uhr Ortszeit, erwartete mich und die anderen Freiwilligen eine Traube von Menschen. Erst als ich mich durch die Menge gewühlt hatte, hörte ich, wie jemand meinen Namen rief. Meine Gastfamilie erwartete mich mit einem Blumenstrauß. Die erste Hürde war genommen. Nach einer Fahrt quer durch die Stadt gab es in meinem neuen Zuhause kolumbianisches Rührei und Maisfladen. Rührei wird hier mit Zwiebeln, Tomaten und anderem Gemüse zubereitet. Anschließend bin ich todmüde ins Bett gefallen. Es folgte mein erster richtiger Tag in Kolumbien. Zum Mittagessen gab es Kartoffeln, Nudeln, Reis und Juko, eine kartoffelähnliche Knolle, mit Soße. Ich habe schon oft gelesen, dass man hier viel Kohlenhydrate isst. Das ist tatsächlich so. Vor allem der selbst gemachte Saft aus einer Frucht, die sich "Lulu" nennt, schmeckt mir richtig gut.
Am Nachmittag ging es dann mit dem Auto durch die Stadt Bogotà. Da wir in den Bergen etwas außerhalb wohnen, hatte ich zu Beginn der Fahrt einen herrlichen Blick auf den nördlichen Teil der Stadt. Sie ist wirklich riesig. Am Rand dieser Panoramastraße gibt es viele Bars, die gegen Abend gut besucht sind.
Bogotà hat schon auf den ersten Blick viele Gesichter. Im Zentrum, hier Downtown genannt, gibt es moderne Apartments, Hochhäuser und Einkaufszentren, sogar den Laden "Mango", den ich aus Deutschland kenne, habe ich entdeckt. Die Menschen sitzen in Cafés und Restaurants. In anderen Teilen der Stadt gibt es Märkte, flachere Häuser und eher kleine Verkaufsstände.
So eine Fahrt durch die acht Millionen Einwohner Stadt ist jedoch nicht ganz einfach. Der Verkehr ist nicht so geordnet wie in Deutschland. So etwas wie Fahrbahnen gibt es nur in der Theorie. Man fährt zwischen den Spuren oder einfach kreuz und quer. Trotzdem funktioniert alles erstaunlich gut, auch wenn es aufgrund der vielen Autos lange dauert, bis man durchkommt.
Am Abend gab es bei meinen Gasteltern die erste Party. Kurz vor Beginn bekam ich einen Crashkurs im Tanzen mit Salsa und Merengue. Ein Verwandter meiner Gastfamilie, der Tanzlehrer war, brachte mir ein paar Schritte bei. Später lernte ich die Freunde meiner Gastschwester kennen, die fließend Englisch sprachen. Das hat die Kommunikation natürlich erheblich erleichtert. Die Landessprache Spanisch spreche ich bislang kaum. In der Nacht gab es dann eine typische Suppe, die sich "Sancocho" nennt. Sie beinhaltet Fleisch, Fisch, Kartoffeln, Mais und Linsen. Um Mitternacht erwartete mich eine große Überraschung. Meine Gastfamilie hatte eine kolumbianische Band bestellt, die traditionelle Musik spielte. Die Musik war echt klasse und ich wurde von der riesigen Familie gut aufgenommen, auch wenn ich oft hörte, wie wichtig es sei, Spanisch zu lernen. An diesem Abend trank ich auch mein erstes kolumbianisches Cerveza, Bier, was gar nicht mal so anders schmeckt.
Es wurde viel und ausgelassen getanzt, was ich von "Familienfeiern" in Deutschland so eher nicht kenne. Lateinamerikanische Tänze sind sowieso viel schneller, schwungvoller und mit viel Hüftarbeit verbunden.
Neben dem Tanzen ging mein Gastvater ab und zu mit einem Schnapsglas und einer Flasche "Aguardiente" herum. Jeder bekam einen kleinen Schluck, etwa ein cl, aus dem Glas. Aguardiente ist sozusagen das Nationalgetränk. Es ist eine Art Anisschnaps. Insgesamt wurde jedoch an diesem Abend deutlich weniger getrunken, als es wahrscheinlich in Deutschland der Fall gewesen wäre. Meine ersten Tage in Kolumbien haben mir gut gefallen. Ich bin sehr gespannt, was noch alles passieren wird und kann es kaum erwarten.