Eine alte Frau klammert sich mit einer Hand an ihrem Rollator fest, mit der anderen an der Haltestange des Busses. Mit Mühe erklimmt sie die Plattform. Doch wie kommt nun der Rollator hinein? Ein Mitfahrer greift zu. Solche Bilder gehören zur Tagesordnung in öffentlichen Bussen und Bahnen. Obwohl immer mehr Menschen auf Rollstühle, Hilfsmittel und Rollatoren angewiesen sind, bestehen für viele Betroffene erhebliche Probleme. Gerade auf dem Lande liegen Bushaltestellen oft noch ebenerdig. Der Abstand zwischen Fahrbahn und Einstieg ist hoch.
Sehbehinderte finden wenige Orientierungspunkte, um sicher ans Ziel zu gelangen. Rollatoren und Rollstühle müssen Kanten, Borde und Treppen überwinden. Am Bahnhof Wilmersdorf ist die große Treppenüberführung für einen Rollstuhlfahrer uneinnehmbar. Und Personal gibt es kaum noch an kleinen Stationen.
Die Probleme sind bekannt. In der Uckermark arbeiten Städte, Ämter und auch der Landkreis seit Jahren intensiv daran, die Barrieren im öffentlichen Nahverkehr abzuschaffen oder zu mildern. Das kostet viel Geld. Jedes Jahr gibt der Kreis 100 000 Euro für solche Umbauten aus, stellt sie als Förderung für die Gemeinden zur Verfügung. Hinzu kommen rund 120 000 Euro vom brandenburgischen Infrastrukturministerium. Und natürlich greifen die Kommunen selbst in die Tasche.
Es reicht trotzdem nicht. Um ein einziges Wartehäuschen mit Spezialborden und gepflasterten höheren Rampen umzurüsten, sind rund 12 000 Euro nötig. Bei Parkplatzanlagen wie zum Beispiel in Warnitz handelt es sich gleich um ein Vielfaches mehr. In diesem Jahr werden in Schwedt, Warnitz, Templin, Casekow und Meyenburg solche Projekte an Schwerpunkten umgesetzt. "Es besteht trotzdem großer Nachholebedarf", sagt Frank Czeslick von der Kreisverwaltung. Schon bei den Anträgen aus den Kommunen für nächstes Jahr zeichnet sich ab, dass wieder nicht alles bedient werden kann.
Behindertenverbände helfen
Doch die Städte und Ämter sind inzwischen sensibilisiert. "Wenn heute gebaut wird, dann achtet man schon darauf, dass der neue Papierkorb eben nicht ausgerechnet vor der zweiten Bustür steht", sagt Lars Boehme, Geschäftsführer der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft. Sein Unternehmen arbeitet eng mit Behindertenverbänden zusammen, um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln. Denn was für den Rollstuhlfahrer gut ist, kann unter Umständen für den Sehbehinderten schlecht sein. "Manchmal sind es schon Kleinigkeiten, die man schnell umsetzen kann, die aber helfen", sagt Boehme. Das große Problem: Es gibt keine Definition für barrierefreie Ausstattungen. Die Kreisverwaltung versucht deshalb, ein Register aufzustellen, um den genauen Zustand aller Bushaltestellen zu ermitteln. Die befinden sich aber in Verantwortung der Kommunen. Und auch nicht an jedem Halteschild im Grünen ist ein erhöhter Bordstein nötig, wenn dort sowieso nur wenige Menschen einsteigen.