Denn im Gegensatz zur Formel 1, bei der die virtuellen Races noch mit dem Game vom Vorjahr stattfinden, darf man auf zwei Rädern die Saison 20 in Angriff nehmen.
Milestone hat ein recht umfangreiches Paket geschnürt. Dazu gehören die bekannten Modi vom Zeitfahren über die Einzel-Grand-Prix bis hin zur kompletten Saison. Zusätzlich wartet noch ein historischer Modus auf all jene, die mit Helden vergangener Tage über den Asphalt jagen wollen. Im Mittelpunkt steht natürlich die Karriere. Bei der allerdings muss man sich nicht nur aufs Fahren konzentrieren. Denn der Erfolg hat viele Väter und die vereinen die Entwickler im Spieler allein. Der muss nicht nur im Sattel sein Bestes geben, sondern ebenso als Manager des Teams. Das bedeutet, Verträge, Forschung und Entwicklung sowie Personal im Auge behalten.
Anders als bisher gewohnt ist dies jedoch keine Kann-Bestimmung, sondern ein Muss, was sich bereits nach wenigen Rennen der Saison deutlich abzeichnet. Denn wer die Entwicklung vernachlässigt, wird irgendwann hinterherfahren, egal, wie leicht man das Schwierigkeitslevel einstellt. Und da die Verbesserungen nicht mit Credits, sondern nur mit Entwicklungspunkten in Auftrag gegeben werden können, werden auch die Testläufe in den freien Trainings zum festen Bestandteil der Spiels.
Um konkurrenzfähig zu sein ist ebenso das richtige Setup der Maschine unabdingbar. Es gibt von der Reifenwahl bis zur Getriebeübersetzung genügend Möglichkeiten, die Performance des Bikes zu beeinflussen. Nicht zuletzt hilft der Renningenieur, wenn’s nicht rund läuft. Apropos: Deutlicher noch als beim Auto ist ein gewisser Flow auf der Strecke unabdingbar. Wer hier aus dem Rhythmus kommt, hat kaum eine Chance. Dazu ist rechtzeitiges Bremsen, in die Kurve legen, Beschleunigen entscheidend, ob man vorneweg, mittendrin oder hinterher fährt. Die letzten beiden Varianten sind eher nicht zu empfehlen. Hinterher macht einfach keinen Spaß und mittendrin ist auch nicht schön. Zwar soll die KI lernfähig sein, aber insgesamt ist sie vor allem auf Krawall gebürstet. Stürzen kann der Spieler in der Masse fast nicht aus dem Wege gehen. Zwar retten einen immer noch die Rückspulfunktion, aber spätestens da ist man aus genanntem Flow und chancenlos.
Zum Einstieg bietet sich förmlich eine Saison in der Moto3 an. Schnell sind sie zwar hier immer noch, aber alles geht dennoch kontrollierter vonstatten. Und der Spieler lernt ein paar Grundsätze, auch in Sachen Fahrhilfen, Benzinmanagement und Reifenabnutzung. Die Pneus verbrauchen sich nunmehr in drei verschiedenen Kategorien, was allerdings vordergründig grafisch dargestellt wird und sich noch nicht so dramatisch auf der Strecke auswirkt. Dennoch kann man auch hier an der Realitätsschraube drehen. Irgendwann allerdings ist das Game für den Laien kaum noch beherrschbar, geht der Spaß verloren. Und den macht "Moto GP 20" in jedem Fall. Auch, weil grafisch sehr viel sehr gut gemacht wurde. Bikes, Strecken, Fahrer, Animationen, Perspektiven, das ist alles top. Am besten sieht das Geschehen im Regen aus, gleichwohl niemand gern im Nassen Motorrad fährt. Abseits der Strecke ist’s zwar wie schon gewohnt recht leer, aber da die Geschwindigkeiten gut rüber kommen, bleibt ohnehin kaum Zeit, über die Leitplanken hinaus zu schauen. Einziger Wermutstropfen: Auf der XBox geht mitunter die Framerate plötzlich in den Keller, was an unpassenden Stellen spielentscheidend sein kann. Ein weiterer Schwachpunkt ist der sich ständig wiederholende Kommentator im Boxenbereich, der aber zum Glück weggeklickt werden kann.
Für knapp 25 Euro bekommt der Racing- und Bikerfreund viel Spiel fürs Geld. Abwechslungsreiche Modi, eine tolle, komplexe Karriere und nicht zuletzt realistische Ansichten und Fahrverhalten, letzteres sofern gewollt. Dass auch die echten Helden des Moto-GP-Zirkusses zum Spiel greifen, um in der Zeit bis zum realen Start der Saison ihre Kräfte zu messen, sagt eigentlich alles...
Moto GP 20; Milestone für Konsolen und PC
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