Wilhelm Hartwig, Otto Hartwig, Franz Hartwig - drei Namen einer Familie, die innerhalb weniger Monate dreimal die schreckliche Nachricht vom Tod des Mannes, Vaters, Sohnes verkraften musste. Wilhelm, gefallen am 27. August 1914, Otto, gefallen am 21. Dezember 1914, Franz, gefallen am 2. September 1915, sind drei von 27 Opfern, die der Erste Weltkrieg allein in dem uckermärkischen Dorf Casekow forderte. Männer, die oft in der Blüte ihres Lebens einen zweifelhaften Heldentod sterben mussten und ihre Familien in unendlicher Trauer zurückließen.
100 Jahre später bekommen die Opfer aus Casekow wieder einen Namen und einen Ort des Gedenkens und des Nachdenkens. Am Sonnabend wurde mitten im Dorf auf der Festwiese das wieder neu aufgebaute Mahnmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges eingeweiht. Das ursprüngliche Kriegerdenkmal, das nach 1918 an anderer Stelle des Dorfes errichtet worden war, ist in den 1960er-Jahren auf Anweisung des damaligen Bürgermeisters abgerissen worden. Reichsadler, Eisernes Kreuz und Stahlhelm, mit dem die Stele damals als Zeichen der Heldenverehrung geschmückt worden war, passten als Relikt des deutschen Militarismus nicht mehr in das Bild vom sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat. Die Gedenktafeln mit den Namen der Toten hatten einige Casekower Bürger jedoch versteckt.
Seit einigen Jahren trugen sich nun Gemeindevertretung und Dorfverein mit dem Gedanken, das Kriegerdenkmal wieder nach historischem Vorbild neu zu errichten. Als Zeitpunkt der Einweihung erschien der 100. Jahrestag nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges besonders geeignet. Viele Casekower, der Dorfverein und Unternehmen des Ortes hatten für den Wiederaufbau Geld gespendet.
Die Inschriften der Namenstafeln waren allerdings durch Verwitterung und Zerstörung kaum mehr zu entziffern. Deshalb entschloss man sich, neue Tafeln aus Granit anzufertigen, berichtet Ortsbürgermeister und Dorfvereinsvorsitzender Maik Schablack. Die Namen der gefallenen Soldaten wurden akribisch entziffert bzw. aus historischen Kirchenbüchern recherchiert. 27 Casekowern, gefallen zwischen 1914 und 1918 auf fremder Erde, wird nun mit dem Denkmal wieder gedacht. Für Oliver Breithaupt vom Volksbund der Deutschen Kriegsgräberfürsorge ist die Casekower Initiative außergewöhnlich. "Es gibt gespaltene Meinungen zu Kriegerdenkmalen, die Casekower haben sich entschlossen, diese Erinnerungskultur eigenverantwortlich zu wahren und ihren Toten, die hier gelebt und Familien hatten, einen Namen zurückzugeben als Mahnung, wie sinnlos ihr Tod, wie sinnlos Kriege sind."
Das sieht auch Heiko Rohde so, der wie viele Casekower zur Einweihung gekommen war. "Ich finde es gut, dass durch dieses Denkmal auch junge Menschen zum Nachdenken und Fragen angeregt werden, was damals geschah und warum. Es ist ja auch heute nirgendwo auf der Welt Ruhe." Siegfried Peter sind einige Familiennamen auf dem Gedenkstein noch vertraut. Der Casekower kennt auch das Originaldenkmal noch und findet den Wiederaufbau gut. "Im Alter lebt man ja von der Erinnerung. Jetzt, wo es wieder steht, beschäftigt man sich wieder mehr mit der Geschichte. Das ist auch für junge Leute wichtig. Mein Großvater ist damals zum Glück heil aus dem Krieg nach Hause gekommen. Aber die drei Söhne waren später im Zweiten Weltkrieg Kanonenfutter."
Auch für Pastorin Almut Schimkat soll das wieder eingeweihte Denkmal mitten auf dem Dorfplatz von Casekow heute ein Ort des Gedenkens werden: "Die Zeit der Heldendenkmäler ist vorbei, die Zeit der Mahnung ist da, auch angesichts der vielen Kriegsherde überall auf der Welt. Die Menschen werden nicht klüger!"