Urs Fischer ist ein Mensch, der sich einfach nicht in die Karten schauen lassen will. Dass wurde vor der Partie am Sonntag gegen die TSG Hoffenheim mal wieder deutlich. Alle, die es mit dem Fußball-Bundesligisten 1. FC Union Berlin, gut meinen hoffen, dass im Heimspiel gegen die Kraichgauer Max Kruse wieder von Beginn an gegen den Ball treten kann. Der Schweizer dagegen lapidar: „Er hat im Training einen guten Eindruck hinterlassen, er ist eine Option.“

Kruse mit launigem Internet-Interview

Ganz mussten die Fans in den vergangenen Tagen nicht auf ihren Max verzichten. Der 32-jährige Ex-Nationalspieler gab im vereinseigenen Internet-Fernsehen einen Einblick in zahlreiche private Dinge. Etwa, dass er in der Schule nicht so akribisch gearbeitet habe und besorgten Lehrern antwortete: „Macht euch keine Sorgen. Ich werde sowieso Fußball-Profi.“ Hat geklappt.
Abseits des Fußballplatzes ist er gerne schnell mit dem Auto unterwegs, und er unterhält ein Motorsport-Rennteam, will selbst mal ein 24-Stunden-Rennen fahren. Auch über Schweine-Bisse in den Hintern, seine größte Enttäuschung, die verpasste WM-Nominierung 2014 und kleine Selbstzweifel, nach dem Abstieg mit dem FC St. Pauli, als keine Erstliga-Angebote kamen, ist etwas zu erfahren.

Hoffenheim ist Kruses Lieblingsgegner

Aber eigentlich interessiert die Fans der Eisernen eben nur eines. Wann steht Kruse nach seiner dreimonatigen Verletzungspause wieder im Union-Trikot auf dem Rasen. Und der Gegner Hoffenheim wäre dafür prädestiniert. „Hoffenheim ist zum Glück einer meiner Lieblingsgegner in meiner Karriere. Von daher: Versuchen wir es auch am Sonnabend“, sagte Kruse, trotz des langen Ausfalls wegen eines Muskelbündelrisses mit sechs Treffern weiter Top-Torjäger der Eisernen, optimistisch. Acht Treffer hat er schon gegen die TSG erzielt. Beim 3:1-Sieg im Hinspiel dieser Saison war der Angreifer an allen drei Toren der Unioner direkt beteiligt.

Christopher Lenz droht auszufallen

Während Trainer Fischer in der Offensive mit dem sich gut entwickelnden Dänen Marcus Ingvartsen, dem Finnen Joel Pohjanpalo und dem Kroaten Petar Musa weitere Alternativen zu Kruse besitzt, ist die Situation auf der linken Außenverteidiger-Position prekärer. Platzhirsch Christopher Lenz sprang zwar nach seiner Rückkehr nach Verletzung beim Spiel in Freiburg bis Mittwoch im Training wie ein junges Reh umher. Doch dann folgte ein Rückschlag. „Die Reaktion ist logisch. Das Spiel in Freiburg hat viel Kraft gekostet. Er hat muskuläre Probleme und trainierte zuletzt individuell“, sagt Fischer.
Heißt, der Einsatz des 26-jährigen gebürtigen Berliners gegen Hoffenheim ist fraglich. Ausgeschlossen ist sogar der von Lenz-Vertreter Niko Gießelmann, der nach einer Schulter-Fraktur wochenlang ausfallen wird. Und weil auch der Norweger Julian Ryerson zuletzt fehlte, droht eine Vakanz auf der Postion, die Trainer Fischer aber in gewohnt stoischer Ruhe weglächelte. „Ich habe da noch einen Gedanken im Kopf, aber den sage ich nicht.“ Max Kruse wird es wohl nicht gewesen sein.