Mit dem Namen hatten sicher auch bei den Grünen nicht alle gerechnet: Bettina Jarasch soll Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl 2021 werden, wie die Partei am Montag in Berlin bekannt gab. In den Diskussionen darüber, wer bei den Grünen dafür infrage kommt, Nachfolgerin des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) zu werden, waren in den vergangenen Monaten meist Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und die Fraktionsvorsitzende Antje Kapek genannt worden. Seit langem hieß es, es wird eine Frau. Nun haben Pop und Kapek zugunsten der früheren Landesvorsitzenden Jarasch verzichtet.
Die 51-jährige Grünen-Politikerin will sich beim Parteitag am
28. November zur Wahl stellen. „Ich will diese Stadt in die Zukunft führen“, kündigte sie am Montagnachmittag an, als die Grünen-Landesvorsitzenden Nina Stahr und Werner Graf sie als Bewerberin für die Spitzenkandidatur vorstellten.
Regierungserfahrung hat Jarasch zwar nicht, aber die Berliner Grünen kennen sie seit Langem: Ab 2009 war sie Mitglied des Landesvorstands, von 2011 bis 2016 Landesvorsitzende; seitdem ist sie Mitglied im Abgeordnetenhau, Sprecherin für Integration und Flucht und Sprecherin für Religionspolitik.
Die Grünen-Vorsitzende Stahr nannte sie „eine Frau, die Brücken bauen kann“. Jarasch, die in Berlin Politikwissenschaften und Philosophie studiert hat, sagte auch selbst über sich: „Ich bin als Brückenbauerin bekannt.“ Und sie wies darauf hin, dass sie so manche Gegensätze vereint: Sie ist Bayerin in Berlin - in Augsburg geboren, seit vielen Jahren in Kreuzberg lebend und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.
Fraktionschefin Antje Kapek sagte, es sei ein aufregender, historischer Moment. „Wir haben uns seit Monaten der Frage gestellt.“ Den Grünen sei das Kunststück gelungen, Individualinteressen zurückzustellen. Auch Wirtschaftssenatorin Pop erklärte: „Wir haben gemeinsam entschieden, was das Beste für die Partei und für diesen Wahlkampf ist.“ Und mit Bettina Jarasch sei die beste Lösung gefunden worden.
Mit der Überraschung vom Montag sind die Grünen der politischen Konkurrenz zuvorgekommen: Sie sind die erste der Berliner Parteien, die mit ihrem Vorschlag für das Amt der Regierenden Bürgermeisters an die Öffentlichkeit gegangen ist. Das dürfte den Druck auf die anderen erhöhen, bald nachzuziehen.