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Gegen jede Krankheit wächst ein Kraut

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MTIMMN / 22.08.2009, 07:49 Uhr
Seelow Selbsthilfe trägt dazu bei, die Lebensqualität zu verbessern und neuen Mut zu schöpfen. Manchmal werden die Probleme nicht kleiner. Aber in der Gemeinschaft lassen sie sich leichter ertragen. Der Landkreis Märkisch-Oderland hat mit 55 Gruppen ein starkes Selbsthilfenetz. Wir stellen einige vor. Heute: Selbsthilfegruppe für Hauterkrankungen

Wenn die Haut tatsächlich das Spiegelbild der Seele ist, dann geht es Waltraud Trebbin heute offensichtlich gut. Die Gusowerin scheint ausgeglichen, ist guter Dinge und lächelt viel, wenn sie redet. Das war aber nicht immer so. Als sich die Hauterkrankung das erste Mal bei ihr bemerkbar machte, da war sie alles andere als gut aufgelegt. Die Schuppenflechte, die der Arzt feststellte, raubte ihr den Schlaf. Salben verschafften nur wenige Tage Linderung, wenn überhaupt. Kaum hatte sie eine Tinktur aufgetragen und sich der Körper daran gewöhnt, ging der unerträgliche Juckreiz schon wieder los. "Das war das schlimmste", sagt Waltraud Trebbin. "Manchmal musste ich solange kratzen, bis es blutete."

Vorbei ist die Schuppenflechte noch immer nicht. Sieben Jahre lange leidet Waltraud Trebbin mittlerweile daran. Ob sie die Krankheit jemals wieder los wird, weiß sie nicht. Die Gusowerin lernte, damit umzugehen. Heute weiß sie, dass viele Menschen an Schuppenflechte oder Neurodermitis leiden. Allein in Deutschland sollen etwa sechs Millionen betroffen sein.

2002 hat Waltraud Trebbin eine Selbsthilfegruppe gegründet. Sie ist die einzige in der Region, die sich mit dem Thema Hauterkrankungen beschäftigt. Die nächste soll es erst wieder in Berlin geben. Sechs Frauen gehören zur Seelower Gruppe. Sie sind alle von Anfang an mit dabei. "Viele Leute denken, dass Hauterkrankungen nicht so schlimm sind", sagt Waltraud Trebbin. "Das sind sie aber doch. Kortisonpräparate hinterlassen irgendwann ihre Spuren. Rheuma kann sich verschlimmern. Viele Betroffene empfinden ihre Krankheit - besonders dann, wenn sie große Flächen des Körpers befällt - als entstellend. Das schlägt sich im Laufe der Zeit auf die Psyche nieder." Die Treffen helfen den Betroffenen, Erfahrungen auszutauschen, von einander zu lernen und sich zu ermutigen. Das allein mildert zwar nicht die Symptome, tut aber der Seele gut.

Jeden zweiten Dienstag im Monat treffen sich die Frauen. Ihr Motto lautet "Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen". Das Thema ist sozusagen Programm. Denn ein universelles Heilmittel gegen Schuppenflechte oder Neurodermitis gibt es nicht. Also helfen sich die Betroffenen selbst. "Wir können eine Menge für die Linderung der Hauterkrankungen tun", ist Waltraud Trebbin mittlerweile überzeugt. Sich ausgeglichen und vollwertig zu ernähren, gehöre zum Beispiel dazu. Seit einigen Jahren beschäftigen sich die Frauen überwiegend mit Kräuterheilkunde.

Wenn sie nicht gerade wieder bei einer Kräuterexpertin zu Besuch sind, um sich Tipps zu holen, dann kommen bei den Treffen meistens frische Kräuter auf den Tisch oder Blumen. "Wir machen alles Mögliche selbst. Aus rein ökologischen Pflanzen. Marmeladen gehören dazu oder Kräuterbutter, Tees. Wir backen auch selbst Brot. Das schmeckt nicht nur, sondern hilft uns tatsächlich." Salben aus Ringelblumen gehören auch dazu.

Was Waltraud Trebbin durch die Selbsthilfegruppe gesehen und gelernt habe, dass hätte sie sonst wohl nie erfahren, sagt sie. Ihr ganzes Wohlbefinden hat sich positiv verändert. Diese Erfahrungen gibt sie gern an andere weiter.

Kontakt: Waltraud Trebbin, Telefon 03346 844628

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