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Kennedy-Museum am Brandenburger Tor zieht um

Katrin Röper / 06.04.2012, 21:43 Uhr - Aktualisiert 06.04.2012, 22:00
Berlin (MOZ) Bei der großen Zahl staatlicher Museen in Berlin gehen die privaten manchmal ein bisschen unter. Das Kennedy-Museum ist eines davon. Bei Touristen ist es aber so beliebt, dass es jetzt sogar umzieht. Die neue Ausstellungsfläche ist mit 500 Quadratmetern doppelt so groß.

John Fitzgerald Kennedy sitzt zurück gelehnt in einem Lederstuhl. Hinter ihm steht ein Bücherregal, unter ihm liegt ein akkurat gepflegter Teppich. Nachdenklich guckt er zur Seite, das Haar auf seinem Kopf ist perfekt gescheitelt, das Licht im Raum könnte nicht besser sein.

Die Aufnahme hängt noch im Kennedy-Museum am Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Es ist vermutlich eine der Fotografien, die der ehemalige amerikanische Präsident gezielt genutzt hat, um ein Bild von sich zu konstruieren: Das des gebildeten und äußerst bedachten Staatsoberhauptes. Fotos, auf denen er mit Brille oder gar mit Krücken zu sehen war, hat die Familie nicht freigegeben. Früh waren sie sich der Vorteile des Mediums für die politische Inszenierung bewusst.

Die Ausstellung über die Kennedy-Familie zieht jetzt um. Ab August ist sie - um einige Elemente erweitert - in den Räumen der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule zu Hause. "Der Grundstamm der Ausstellung wird übernommen und nur in Kerngebieten, zum Beispiel dem berühmten Berlin-Besuch, erweitert", sagt Alexander Golya, Pressesprecher des Museums.

Leider erfährt man in dem Museum aber nicht, was sich hinter der gutbürgerlichen, makellosen Fassade der Familie verbirgt. Andeutungen der zahlreichen Affären, die John F. Kennedy nachgesagt wurden - zum Beispiel mit Marilyn Monroe oder Marlene Dietrich - sucht man vergeblich. Selbst das Attentat in Dallas bleibt eine Randnotiz "Wir sind bewusst nicht auf diesen Aspekt eingegangen", erklärt Alexander Golya. "Die Besucher sollen sich auf das Leben und Wirken der Familie Kennedy konzentrieren."Das gelingt gut. Man erfährt einiges über die erfolgreiche Geschichte der irischen Einwandererfamilien Kennedy und Fitzgerald. Recht schnell wurden sie erfolgreich. Vor allem die Hochzeit zwischen Kennedys Vater John und Rose Fitzgerald brachte die Familien in der amerikanischen High Society voran. "In dieser Familie wollen wir nur Gewinner" wurde Kennedys Vater einst zitiert.

Dass er mit Sohn John einen solchen großgezogen hat, zeigen die 300 Fotos, Objekte und Dokumente der Ausstellung. Zum Beispiel der Titel des "TIME-Magazins" aus dem November 1958. "Die Hoffnungsträger der Demokraten" steht neben einem Bild, auf dem John in einem Kreis aufstrebender Politiker sitzt, ja eigentlich von ihnen umringt wird. Auch das LIFE-Magazin hat Kennedy und die Familie unzählige Male auf ihrem Cover gehabt, strahlend vor Glück gemeinsam auf dem Segelboot oder am Strand.

Dennoch, könnte man meinen, gehört das Attentat zum Leben der Familie dazu. Im Museum sieht man das anders: "Es gibt so viele Verschwörungstheorien denen wollen wir nicht noch Futter geben", sagt Alexander Golya. Das FBI jedenfalls will im Jahr 2016 sämtliche Akten zu diesem Thema veröffentlichen.

Wenn auch der letzte Tag des Präsidenten nicht dabei ist - in der Ausstellung gibt es zahlreiche Fotos. Die Kennedys waren schließlich die erste Präsidentenfamilie, die einen eigenen Fotografen im Weißen Haus beschäftigte. Es gibt zum Beispiel ein Foto, auf dem die Kinder fröhlich lachend durch das Oval Office hüpfen, während Papa Kennedy daneben sitzt und in die Hände klatscht. Die Ausstellung erweckt den Eindruck, man solle die Familie als strahlend-weißen Punkt der deutsch-amerikanischen Geschichte im Kopf behalten.

Gerade in Berlin sollte das kein Problem sein. Es gibt vermutlich keine andere Stadt, die den ehemaligen Präsidenten so verehrt. Schon im Treppenaufgang des Museums prangen die Worte, die der Politiker 1963 vor dem Schöneberger Rathaus verkündet und damit die Solidarität mit West-Berlin demonstriert hat wie kein anderer. "Ich bin ein Berliner". Eine Kopie der Karteikarte, die dem Präsidenten damals als Spickzettel diente, liegt in einem der Glaskästen aus. Mit amerikanischen Lauten hat er notiert, wie die deutsche Aussprache klingen könnte. Darauf steht: "Ish bin ein Bearleener".

Das Museum bleibt noch bis zum 31. Mai am Pariser Platz 4a geöffnet. Ab August 2012 findet man es in der Auguststraße 11-13.

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