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Am Donnerstag hat das Barbie-Dreamhouse eröffnet / Aktivisten protestierten gegen Sexualisierung der Frau

Rosaroter (Alb)traum

© Foto: dpa
Dorothee Torebko / 16.05.2013, 20:16 Uhr - Aktualisiert 17.05.2013, 11:34
Berlin (MOZ) Cupcakes, Highheels und ganz viel Pink. Am Donnerstag hat das Barbie-Dreamhouse eröffnet. Während Mädchen mit ihren Müttern in die bonbonfarbene Welt eintauchten, demonstrierten vor dem Haus Feministinnen gegen das vermeintliche Idealbild der Frau.

 

"Guck mal, Mausi, das Bett!", ruft Bianka ihrer Freundin Evi zu. "Wow, wow, wow, ich leg' mich als Erste rein", antwortet Evi und stürzt sich auf das pinke Monstrum. Ein Bett wie ein Kunststoff-Brett. Ohne Bezug, ohne Decke, ohne Kissen. Nur Plastik. Evi blickt zur Decke, wo auf einem Bildschirm ein Sternenhimmel an ihr vorbeizieht.

"Wie romantisch", sagt Bianka. "Wie pink", sagt Evi. Die Freundinnen sind zur Eröffnung des Barbie-Traumhauses gekommen, um es schon einmal für ihre Töchter zu testen. Bianka ist 36. Evi ist 31.

Das Himmelbett - es steht im Zentrum des Barbie-Schlafzimmers im ersten Stock. Insgesamt drei Ebenen - vom ersten Stock bis hin zum Penthouse - umfasst der 2500 Quadratmeter große Bungalow. Weltweit gibt es davon nur noch einen - im US-Sonnen-Staat Florida.

Bianka und Evi schlendern durch die Hallen, durch die der Geruch von Ein-Euro-Plastik-Läden wabert. Um ihre Handgelenke haben sie Reifen mit rosa Plastik-Chips geschlungen, die sich in ihr Fleisch einbohren. Mit diesen Chips können sie die Spiele innerhalb des Hauses aktivieren. Da ist zum Beispiel die Barbie-Küche, in der Cupcakes, also bunte Creme-Törtchen, virtuell gebacken werden können. Bianka tippt mit ihren grünen Fingernägeln auf dem Bildschirm herum. Was gehört in einen Cupcake? Sie zieht mit einem Finger Mehl-, Zucker- und Eier-Symbole in einen Topf. Wie sieht die Verzierung aus? Herzchen, Schokostreusel und Erdbeeren. Fertig ist das Törtchen. Zuckersüß und virtuell.

Verzaubert sind die Freundinnen - durch die Sessel, die aussehen wie Pumps, durch die Schminktische, an denen sie sich Glitzer-Nagellack auftragen, durch die Barbie-Büsten, deren blondes Haar sie frisieren können. Deshalb kriegen die Freundinnen auch nichts von den Demonstrantinnen mit, die sich vor dem Haus versammelt haben. "Füttert und befreit Barbie" und "Barbie ist nicht mein Baby" steht auf den Plakaten der Protestlerinnen geschrieben. Eine von ihnen ist die Musikerin und Autorin Sandra Grether. Zusammen mit anderen Aktivistinnen der Initiative Pinkstinks setzt sie sich für ein Frauenbild ein, das selbstbestimmt ist. Und sich nicht an Schönheitsidealen wie dem Mager-Model orientiert.

"Durch Barbies bekommen Mädchen ein unrealistisches Bild einer Frau. Barbie backt Cupcakes, sie isst sie aber nicht", sagt Grether. "Wissenschaftlichen Studien zufolge ist eine Frau mit einer Wespentaille wie Barbie gar nicht überlebensfähig", sprudelt es aus der Aktivistin heraus. Heißt das, dass Mädchen nur mit Bauklötzen spielen sollen? "Ich habe nichts gegen Highheels. Aber es geht im Leben nicht darum, hübsch zu sein", sagt Grether. Ein Fotograf macht einen Schnappschuss der Demonstrantin. "Oh, darf ich das Foto noch einmal sehen? Sitzt mein Haarreif noch richtig?", fragt sie ernsthaft besorgt und rückt sich ihren Haarschmuck, auf dem Teufelshörner befestigt sind, zurecht.

Bianka und Evi hingegen verbinden die Figur Barbie nicht ausschließlich mit einer Wespentaille. "Sie ist für mich auch stark. In den Filmen sieht man ja auch, dass sie anderen hilft", sagt Bianka. Den Protest können die beiden nicht nachvollziehen. Obwohl, doch, an einer Stelle schon. Im Einkleidezimmer der pinken Püppchenwelt laufen die Besucher an einer langen Reihe von Spiegeln entlang. Keine gewöhnlichen Spiegel, die jede Fettrolle und jedes Doppelkinn zeigen. Es sind Spiegel, die strecken, die eine schmale Hüfte machen, den Bauch verschwinden lassen. "Also, wenn jede Frau so aussehen muss, wie in dem Spiegel hier", sagt Bianka, "dann kann ich die Demonstrantinnen verstehen. Das ist ja total unnatürlich."

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