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Wie Berliner an Kleingärten und Wochenendgrundstücke kommen können

Alexandra Stern kann in ihrem eigenen Garten am Stadtrand Wein ernten. Nun hilft sie anderen, ihr persönliches Kleinod zu suchen.
Alexandra Stern kann in ihrem eigenen Garten am Stadtrand Wein ernten. Nun hilft sie anderen, ihr persönliches Kleinod zu suchen. © Foto: Andrea Bangel
Maria Neuendorff / 14.06.2013, 11:48 Uhr
Berlin (MOZ) Die Sehnsucht der Großstädter nach Grün ist groß. Doch Kleingärten in Berlin werden knapp. Eine Agentur in Prenzlauer Berg vermittelt an Laubenpieper aus der Hauptstadt Parzellen auf dem Land - und ist damit auf eine Marktlücke gestoßen.

Die Idee, Stadtmenschen eine passende Scholle zu suchen, kam Alexandra Stern durch eine persönliche Erfahrung. Ihre Zwillinge waren gerade zwei Jahre alt geworden, da las ihr Mann ein Inserat in der Zeitung vor: "Pachtgrundstück im Grünen mit zwei Häuschen abzugeben". In Urlaubsstimmung und bei strahlendem Sonnenschein besichtigte die Familie aus Prenzlauer Berg das Kleinod an der Stadtgrenze. "Wein überwucherte eines der Häuschen, ein Rosenbaum blühte und duftete", schwärmt Alexandra Stern. Schöne Details, die allerdings auch von der Arbeit ablenkten, die sich einem geschulten Auge sicher offenbart hätten, weiß die 40-Jährige heute.

Viele Dinge, die den frisch gebackenen Laubenpiepern zunächst sinnvoll erschienen, entpuppten sich nach der Unterschrift als "Entsorgungsfälle". "Die Sitzgarnitur beherbergte tote Mäuse. Der Holzboden war durchgefault. Das Dach undicht." Selbst die Akkus der Solaranlage seien gleich im ersten Winter kaputt gefroren gewesen und die Wasserleitung trotz Entlüftung geplatzt.

Auch den administrativen Teil hatte die Familie unterschätzt. Die Feinheiten der Vereinssatzung, verschiedener Gesetze und Verordnungen, die Einigung über Ablösesummen und Eigentumsübertragung. "Das alles zehrte gehörig an den Nerven."

Den Garten im Norden Berlins hat Alexandra Stern immer noch. Doch zusätzlich hat die Berlinerin seit Anfang des Jahres ein Altbau-Büro in der Prenzlauer Allee angemietet. In den hellen Räumen mit grünen Möbeln und Kinderspielecke akquiriert sie Kleingärten und Wochenendgrundstücke vor allem im Umland. Mit der Vermittlungsagentur "Laupi" hat sie eine Nische entdeckt. "Die Nachfrage ist super", freut sich die Frischluftfanatikerin, die vorher als Tourismus-Managerin ihr Geld verdiente. Um sie auch decken zu können, durchforsten sie und ihre Mitarbeiterin nun täglich Zeitungen und das Internet, kontaktieren Anlagen rund um Berlin und bauen Netzwerke auf.

Ob die Parzellen in der Schorfheide im Norden oder am Motzener See im Süden von Berlin liegen, ist dabei eher zweitrangig. Eine der Voraussetzung sei, dass das Grundstück von Berlin aus in maximal einer Stunde zu erreichen ist, erklärt die Vermittlerin. Dazu müsse der Garten genau zu den Vorstellungen des Kunden passen. "Manche wollen sich ins gemachte Nest setzen. Andere ihre persönliche Note einbringen, indem sie möglichst viel selbst machen."

Doch nicht jeder habe auch die Zeit, 30 Prozent des Gartens als Nutzfläche mit Möhren oder anderem zu bepflanzen, wie es in vielen Satzungen vorgeschrieben ist, weiß Alexandra Stern. Manche schrecke auch die Vereinsmeierei als solche. Für diese Kunden suche sie dann ein einsames Gartengrundstück mit freiem Blick, wo es auch nicht gleich auffalle, wenn der Rasen mal vier Wochen lang nicht gemäht wird. Erscheint dem Kunden ein eigenes Wochenendgrundstück noch "eine Nummer zu groß", könne er sich auch auf befristete Zeit einen Garten teilen. "Es gibt für jeden etwas Passendes, man muss nur lange genug suchen", ist sich Alexandra Stern sicher.

Für ihre Dienste nimmt sie eine verhandelbare Aufwandspauschale von 150 bis 300 Euro. Als Provision werden nach Vertragsabschluss noch sieben Prozent des Kaufpreises fällig. Die Interessenten bekommen regelmäßig Exposés von Gärten zugeschickt. Für Arbeiten, die der Kunde nicht selbst erledigen will oder kann, stellt die Agentur Partner zur Seite.

Fachliche Hilfe also, die Alexandra Stern damals auch gerne gehabt hätte. Bis sie ihren eigenen Garten richtig genießen konnte, habe es noch drei Jahre Arbeit benötigt. "Nachdem wir 30 Kubikmeter Müll größtenteils kostenpflichtig entsorgt hatten, waren die Häuschen soweit, dass wir uns um den Garten kümmern konnten." Die Entscheidung Laubenpieper zu werden, habe sie trotzdem nicht bereut. "Unsere Kinder lieben es, mit Matschepampe zu spielen, Blümchen zu gießen, Kröten zu suchen, die Nachbarn von der Arbeit abzuhalten."

Laupi GmbH, Prenzlauer Allee 20, Kontakt: Tel. 030 234611 76 oder E-Mail unter info@laupi.de.

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Holger 07.08.2013 - 07:23:48

Wasserleitung

"...ersten Winter kaputt gefroren gewesen und die Wasserleitung trotz Entlüftung geplatzt." Ich hätte die Wasserleitung besser mal entwässert, statt entlüftet, dann wäre sie ganz sicher nicht geplatzt. Aber das lernen die Berliner über die Jahre bestimmt noch, ich bin mir sicher.

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