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Gebürtige Kasachin Elena Schmidt wurde zur neuen Miss Deutschland gekürt

Sechs Tage Lächelmarathon

Elena Schmidt aus Berlin, Miss Deutschland 2013
Elena Schmidt aus Berlin, Miss Deutschland 2013 © Foto: MOZ/Inga Dreyer
Inga Dreyer / 26.06.2013, 19:49 Uhr - Aktualisiert 27.06.2013, 09:35
Berlin (MOZ) Ein Krönchen, ein langes Kleid und eine Schärpe - für viele ist das ein Kindheitstraum. Auch für die 26-jährige Elena Schmidt, die sich nicht mehr nur Miss Berlin, sondern nun auch Miss Deutschland nennen darf. Gut auszusehen findet die gebürtige Kasachin toll. Aber das ist nicht alles.

Mit leuchtend pinker Trainingsjacke kommt Elena Schmidt um zehn Uhr morgens aus dem Fitnessstudio. Danach flitzt sie zum russischen Gemüsehändler, Erdbeeren und Avocados kaufen. Drei Tage hatte die BWL-Studentin Zeit, die Nachricht zu verdauen, doch noch immer ziehen sich ihre Mundwinkel wie von selber zu einem breiten Grinsen auseinander, wenn sie davon redet. Seit Freitag ist sie die neue Miss Deutschland, gekürt im Sternberg Theater der Spielbank Berlin.

Die 26jährige Berlinerin Elena Schmidt ist neue amtierende Miss Deutschland.
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Miss Deutschland 2013

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Sechs Tage lang musste sie die Jury in einem Lächelmarathon überzeugen, von morgens bis abends gut aussehen, stets fit und freundlich bleiben. Die Konkurrenz sei hart gewesen, viele professionelle Models unter den 20 Teilnehmerinnen. "Am Anfang dachte ich, dass ich keine Chance hätte", erzählt sie. Doch die Wirtschaftsstudentin - gestählt durch ihren zackigen Alltag zwischen Uni, Karate und Fitnessstudio - konnte eine Woche Stress nicht zermürben.

"Ich bin das Gesamtpaket. Hübsch, gebildet, kommunikativ." Nicht viele Menschen können solche Sätze sagen, ohne überheblich zu wirken. Elena Schmidt kann es. Sie weiß, was sie an sich hat. Und sie weiß: Sie hat es nicht umsonst bekommen. Außer ihre unendlichen langen Beine, ihre warmen braunen Augen und ihr breites Lächeln vielleicht. Das war alles einfach da.

Als sie 12, 13 war, fingen Leute in ihrer Umgebung an, sie darauf anzusprechen. "Alle haben gesagt: Du hast so tolle lange Beine", erzählt sie. Als Teenager begann die in Kasachstan aufgewachsene Russlanddeutsche zu modeln und an Misswahlen teilzunehmen und lächelte von Titelblättern russischer Magazine.

Als sie 21 war, zog sie mit ihrer Familie nach Deutschland. Dann waren andere Dinge wichtiger. Deutsch lernen, eine kaufmännische Ausbildung absolvieren. "Wenn man die Sprache nicht lernt, schließt man für sich alle Türen", sagt sie.

Heute redet sie ein Wasserfall. Ein charmanter, eloquenter Wasserfall. Dabei sprach sie vor fünf Jahren noch kein Deutsch. In Kasachstan habe sie nur Einsen in der Schule gehabt, während der Ausbildung in Deutschland aber hätten ihre Mitschüler sie anfangs für dumm gehalten. "Dabei konnte ich nur die Sprache nicht richtig."

Deutsche hatten es in Kasachstan früher nicht leicht. Trotzdem hätten ihre Eltern Traditionen bewahrt und den typisch deutschen Namen "Schmidt" behalten. "Meine Eltern haben das durchgezogen. Deswegen ist es mir wichtig, als Deutsche bezeichnet zu werden."

Ihr Miss-Titel sei in der Familie als Zeichen gelungener Integration gefeiert worden, sagt Elena Schmidt und lacht. Für sie selber war die Teilnahme am Wettbewerb die Erfüllung eines Kleinmädchentraums.

Eine Modelkarriere will sie jedoch nicht. Sie weiß, wie hart die Realität in diesem Job ist. Miss-Wahlen passen ganz gut zu ihr, sagt sie. "Dabei kommt es auf Eleganz, Schönheit und guten Geschmack an." Wer an einer solchen Wahl teilnimmt, dürfe beispielsweise keine Nacktbilder veröffentlicht haben - im Gegensatz zum Modelbusiness.

Schmidt hat andere, nicht weniger ehrgeizige Ziele. Nach ihrem BWL-Studium möchte sie Steuerberaterin werden und - wenn es klappt - danach Wirtschaftsprüferin. Zuerst aber wird sie ein Jahr lang für den Veranstalter MGO lächelnd um die Welt touren. Wenn sie das durchhält, bekommt sie unter anderem 20000 Euro. Die Bergheimer Agentur des Unternehmers Detlef Tursies ist einer von mehreren deutschen Miss-Wahl-Veranstaltern. Verwechslungsgefahr besteht zum Beispiel mit der Miss Germany - eine weitere schönste Frau Deutschlands.

Dieser Wettbewerb sei für sie der attraktivste gewesen, erzählt Schmidt. Denn als Miss Deutschland wird sie unter anderem zur Miss-International-Wahl nach Japan reisen. Ein Traum für Elena Schmidt, die seit zehn Jahren Karate übt, den braunen Gürtel hat und Japanisch lernt.

"Das Beste, was Schönheitswettbewerbe mit sich bringen, ist: reisen und neue Leute kennenlernen." Und natürlich Aufmerksamkeit. "Ich liebe Aufmerksamkeit", sagt sie strahlend. Sogar das kasachische Nationalfernsehen habe über die schöne Berlinerin aus Kasachstan berichtet.

Trotz ihrer Freude verliert sich Elena Schmidt nicht in ihrem schillernden Spiegelbild. "Ich bin von Natur aus ganz bodenständig. Bei den Wahlen habe ich viel hübschere Mädchen gesehen." Eifersüchtig sei sie nicht. "Ich fühle mich trotzdem schön. Jeder Mensch ist schön. Vielleicht nicht für den Modelmarkt. Aber trotzdem ist jeder etwas Besonderes."

Wichtiger noch als Aussehen ist ihr Bildung. "Die Uni geht vor", sagt sie. Aus Erdbeeren, Avocado und Shrimps schnippelt sie einen Salat. Gesunder Proviant, für den bevorstehenden Statistikkurs.

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