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Versteigerung des Spreeparks abgebrochen

Junge Besucher, die an einer Führung durch den ehemaligen Spreepark teilnehmen, sitzen auf einer umgekippten Dinosaurier-Figur.
Junge Besucher, die an einer Führung durch den ehemaligen Spreepark teilnehmen, sitzen auf einer umgekippten Dinosaurier-Figur. © Foto: dpa
Maria Neuendorff / 04.07.2013, 07:02 Uhr
Berlin (MOZ) Die Zwangsversteigerung des Erbbaurechts für den Spreepark hat am Mittwoch eine überraschende Wende genommen. Nachdem private Investoren fast 2,5 Millionen Euro zahlen wollten und damit das Land Berlin überboten hatten, brach das Finanzamt die Versteigerung kurzerhand einfach ab.

Es ist ein Krimi in Spielfilmlänge, der da am Mittwochvormittag im holzgetäfelten Saal des Amtsgerichts Köpenick läuft. Nach dem Umdrehen der Sanduhr herrscht gespannte Stille. Es ist ein bisschen wie bei Ebay. Die Bieter wollen erst kurz vor Toresschluss ihre Hüte ins Rennen werfen. Eine halbe Stunde haben sie für ein Mindestgebot.

Zahlreiche Besucher drängen sich im überfüllten Zuschauerraum. Unter ihnen ist Rolf Strobel. Am vergangenen Sonntag habe er die letzte Führung über das verwunschene Rummel-Gelände in Treptow organisiert, erzählt er. Viele Fotos haben die 80 Teilnehmer geschossen von den mit Büschen und Moos überwucherten Fahrgeschäften und umgekippten Dinosauriern. Nun will der Stadtführer erfahren, wie es um die Zukunft des 2001 geschlossenen Freizeitparks steht. "Mit der bizarren Kulisse ist es in jedem Fall vorbei."

Und tatsächlich, nach einer Viertelstunde erhebt sich eine blonde Frau und bietet 810000 Euro für den Erbbaurechtsvertrag. Sie tut das im Namen der landeseigenen Liegenschaftsfonds Projektgesellschaft, die schon Eigentümer des 30 Hektar großen Grundstücks an der Neuen Krugallee ist. Zwei Herren im grauen Anzug von der "SP Kultur- und Freizeitpark GmbH" erhöhen das Gebot um 1000 Euro. Nun kommt Bewegung in die Sache. Während sich das Bieterduell fast eine dreiviertel Stunde hinzieht, wird im Zuschauerraum über die privaten Investoren gerätselt. Sie sollen aus der Veranstaltungsbranche stammen. Ihre Gesellschaft haben sie Ende Juni 2013 ins Handelsregister eingetragen lassen.

Schließlich ist man ein gebranntes Kind, was den Spreepark angeht. Nach der Wende übernahm der Hamburger Schausteller Norbert Witte den einstigen VEB Kulturpark und trieb ihn in die Insolvenz. 2002 verschleppte Witte mehrere Fahrgeschäfte nach Peru. Ein Jahr später wurden er und sein Sohn festgenommen, weil sie 170 Kilo Kokain im "Fliegenden Teppich" schmuggeln wollten. Während Norbert Witte seit 2008 wieder auf freiem Fuß ist, sitzt Marcel Witte immer noch im Gefängnis. 32 Millionen Euro bekommt die Deutsche Bank inzwischen von der Spreepark GmbH, das Land Berlin sechs Millionen.

Doch die Schulden werden nicht übertragen. Und so überbieten sich die Duellanten so lange, bis das Gebot weit über dem veranschlagten Verkehrswert von 1,6 Millionen liegt. Bei 2481000 Euro wirft das Land Berlin das Handtuch. Doch die Freude der Anzugmänner währt nur kurz. Statt ihnen den Zuschlag zu erteilen, lässt das Finanzamt Treptow-Köpenick, das die Versteigerung selbst eingeleitet hat, das Verfahren plötzlich stoppen. Als Gläubiger - die Behörde bekam über Jahre keine Grundsteuer vom Betreiber - hat sie dazu das Recht.

"Das ist nachvollziehbar, dass man hier die Reißleine zieht, bevor ein unbekannter Bieter, von dem die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht einzuschätzen ist, den Zuschlag bekommt", findet Jutta Matuschek, wirtschaftspolitische Sprecherin der Linken im Abgeordnetenhaus.

Auch die Grünen hatten gefordert, das Land sollte ersteigern, um den Freizeitpark als solchen später neu ausschreiben zu können. "So kann man auch das Eierhäuschen aus der Masse herauslösen und sanieren", erklärt Matuschek. Das geschichtsträchtige Ausflugslokal sei schon so verfallen. "Noch einen Winter übersteht es nicht mehr."

Auch die Initiative www.plänti.de zeigt sich nach dem Abbruch der Versteigerung erleichtert. Weil die Mitglieder befürchten, dass Luxusimmobilien im Plänterwald gebaut werden, wollen sie über das Internet Geld für einen Bürgerpark sammeln. "Nun haben wir erst einmal Zeit gewonnen", sagt Projektleiter Nils Sauter. Ein nächster Versteigerungs-Versuch wird frühestens in einem halben Jahr erwartet.

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