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Bewährungsstrafe: Rentner hortet Waffenarsenal im Keller

Henning Kraudzun / 17.07.2013, 21:09 Uhr - Aktualisiert 17.07.2013, 21:49
Berlin (MOZ) Polizisten fanden im Februar bei einem 81-jährigen Berliner über 70 Waffen, zudem einen illegalen Schießstand im Heizungskeller. Am Mittwoch verurteilte das Amtsgericht Tiergarten den Rentner zu einer Bewährungsstrafe.

Die Richterin spricht klar und deutlich, wiederholt viele Sätze. Günter W. blickt dennoch immer wieder hilflos zu seinem Anwalt. Der betagte Angeklagte hört schwer. Seine Haare sind grau, die Stimme ist brüchig. Den Vorwurf, illegale Waffen besessen zu haben, versteht er sehr wohl: "Das stimmt alles, mehr gibt es gar nicht zu sagen."

Das sieht der Staatsanwalt anders, der sich im Tagesgeschäft mit Organisierter Kriminalität beschäftigt. So viele Schusswaffen finde man selten in Privathaushalten, sagt Jörn Kamstra. Drei besonders gefährliche Gewehre wurden nur angeklagt, darunter ein Maschinengewehr, das die Wehrmacht einst "Hitlersäge" taufte.

Im Gericht gibt sich Günter W. wortkarg. Gründe für diese äußerst fragwürdige Sammelleidenschaft nennt er nicht. Er habe ja mit den Waffen "nie etwas angestellt", lautet seine Rechtfertigung. Über 50 Jahre, so ist vom Staatsanwalt zu erfahren, war der 81-Jährige Mitglied in einem Polizeischießverein. Für eine Handvoll Waffen besaß er nur eine Erlaubnis.

W. wohnt auf einem Firmengelände in Lankwitz, das er teilweise verpachtet hat. Dort hatte er im Heizungskeller eines Anbaus einen 25 Meter langen Schießstand eingebaut. Die Waffen meist älteren Baujahrs waren gut versteckt, hinter einer Stahltür, die wiederum hinter einer Werkzeugwand verborgen war. Zudem hortete er 7500 Patronen.

Was wäre denn passiert, wenn Fremde das Versteck gefunden hätten, fragt Kamstra. Welche Vorsorge habe er für dieses gefährliche Erbe nach seinem Tod getroffen? Günter W. liefert keine Antworten. Nur auf dem Flur, vor der Kamera, verteidigt er sich: Die Waffen hätten das Grundstück nie verlassen. Sie seien schon lange sein Hobby. "Wenn ich Waffen sehe, kriege ich feuchte Hände."

Damit ist es nun vorbei. Der Lankwitzer Rentner akzeptierte schon kurz nach der polizeilichen Durchsuchung, dass die Gewehre, Pistolen und Revolver dauerhaft eingezogen bleiben. Er darf keine Waffen mehr besitzen. Die Richterin verurteilt ihn zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe. Er habe ein ganzes Arsenal besessen, das zudem verbarrikadiert war, sagt sie zur Begründung. "Sie wussten auf jeden Fall, dass dies verboten war."

Staatsanwalt Kamstra verrät nach dem Ende der einstündigen Verhandlung, dass ein Tippgeber die Polizei alarmiert habe. Nachbarn seien es nicht gewesen, sagt er, die hätten die Schießübungen im Keller nicht gehört. Den Schwarzmarktwert der Waffen beziffert er auf über 100000 Euro. Das Hobby des Seniors, der die Waffen von Bekannten geschenkt bekam oder auf Börsen kaufte, war "absolut gefährlich, weil Waffen irgendwann immer in falsche Hände geraten."

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