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Wohnungsgesellschaften der Gropiusstadt zeigen am Tag der offenen Tür Attraktionen

Ein Problemviertel mausert sich

Maria Neuendorff / 19.09.2013, 20:17 Uhr
Berlin (MOZ) Lange Zeit als Betonwüste verschrien, hat die Gropiusstadt gerade für ältere Menschen inzwischen einiges zu bieten. Am Sonnabend sind Senioren zum Tag der offenen Tür eingeladen. Mit Rikschas werden sie durch das Viertel gefahren und sollen unter anderem die Skylounge im 26. Stock kennenlernen.

Die Sonne wirft rote Streifen auf den Horizont. Monika hat ihr Fernglas mitgebracht. "Ich wollte den Müggelsee sehen", sagt 70-Jährige. Sie ist schon das dritte Mal in der Skylounge im 26. Stock des sonst so unscheinbaren Hochhauses am U-Bahnhof Wutzkyallee. Die Decke des Raumes wurde mit Tuch abgehängt, die Korbbänke sind mit Kissen ausgelegt. An der Bar gibt es Bier, Cocktails, Ingwertee oder Toast Hawai. Wer rauchen oder den Sound der Satellitenstadt hören will, kann raus auf die Terrasse mit den roten Liegestühlen treten und von dort die Aussicht über Berlin genießen. Drinnen wie draußen kommt man schnell ins Gespräch. Monica hat auf der Suche nach dem Müggelsee Joachim kennengelernt. Der 53-Jährige lebt seit seiner Kindheit in der Gropiusstadt. Die Möglichkeit, sein Viertel mal von hier oben zu sehen, will auch er sich nicht nehmen lassen. "Wo hat man schon solch einen kostenlosen Aussichtsturm", sagt der Berliner.

Die Skylounge ist eine Bar auf Zeit. Für sieben Wochen hat sie die Wohnungsbaugesellschaft degewo eröffnet. "Wir erfüllen damit einen vielfach geäußerten Wunsch der Mieter, die Räumlichkeiten für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen und einen Ort für entspannte Begegnung und Freizeit zu schaffen", erklärt degewo-Sprecher Lutz Ackermann. Neben Live-Musik, Filmvorführungen und einem Kneipenquiz gibt es auch Fußball und Tatort-Abende. Wer hoch will, muss unten den Pförtner ansprechen und wird von diesem zu einem speziellen Fahrstuhl geführt, der die Gäste bis in die 23. Etage bringt. Die restlichen drei Stockwerke müssen zu Fuß zurückgelegt werden.

Die Skylounge soll auch der Höhepunkt beim Tag der offenen Türen für Senioren sein, den drei ansässige Wohnungsunternehmen am Sonnabend in der Gropiusstadt veranstalten. Die in den 60er- und 70er-Jahren entstandene Großwohnsiedlung mit ihren rund 36 000 Einwohnern hat zwar jetzt schon ein höheres Durchschnittsalter als viele andere Quartiere in Berlin. "Mit der Veranstaltung wollen wir aber gezielt diese Altersgruppen ansprechen und auch zeigen, warum wir so attraktiv für ältere Menschen sind", erklärt Ackermann.

So wird am Sonnabend zum Beispiel das kostenfreie Betreuungsangebot des Netzwerkes Gropiusstadt vorgestellt. Dabei begleiten Schüler im Rahmen des Unterrichts Rentner in ihrem Alltag und helfen beim Einkaufen oder Spazierengehen. "Ziel ist, dass jeder so lange in seiner Wohnung leben kann, wie es geht", erklärt Ackermann. Dabei kann auch das "Sophia-Programm" helfen, bei dem sich Anwohner gegen Gebühr unter anderem den Einkauf nach Hause bringen lassen oder zum Beispiel ein Armband mit Notruf bestellen können.

Auch beim Tag der offenen Tür wird besonders an die gedacht, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Zwei Rikschas fahren von einer Einrichtung zur nächsten. Dazu gehören das Frauencafé, das Nachbarschaftszentrum, der Polizeiabschnitt 56, die Kirchengemeinde Gropiusstadt Süd, die Martin-Luther-King-Gemeinde, der interkulturelle Treffpunkt Impuls e.V., das Familienzentrum Manna und das Waschhaus-Café. Alle Einrichtungen sind von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet und bieten ein spezielles Programm für ältere Besucher. Mit einer Aufführung der Gruppe Friedenauer Trommelwirbel wird der Tag um 14 Uhr auf dem Rotraut-Richter-Platz eingeläutet. Dort präsentiert auch der VCD Verkehrsclub Deutschland sein Projekt "Klimaverträglich mobil 60+" und lädt unter anderem dazu ein, Elektro-Räder zu testen.

Platz zum Radfahren bietet die Gropiusstadt genug. Von der Skylounge aus sieht man, dass die Siedlung im Süden Berlins eigentlich gar keine Betonwüste ist, sondern ein großes grünes Viertel, aus dem vereinzelt Häuserriegel verschiedener Größe ragen. In der Ferne starten Flugzeuge auf dem alten Schönefelder Flughafen. Das Umland ist nicht weit.

Joachim lebt gerne hier. "Es hat sich in den letzten Jahren schon viel getan. Nur kulturell könnte mehr los sein", sagt der Neuköllner und macht ein paar Fotos vom Sonnenuntergang. "Dort in der Kirche gibt es doch fantastische Konzerte", widerspricht ihm Monika und zeigt auf ein Gotteshaus mit drei Spitzen. Regelmäßig besucht die 70-Jährige ihren Sohn in Steglitz. "Dort gibt es für die Älteren nur Sitzveranstaltungen. Hier darf man auch mal tanzen."

Die Skylounge Gropiusstadt, Joachim-Gottschalk-Weg 1, ist bis zum 25. Oktober von dienstags bis sonntags zwischen 15 und 24 Uhr geöffnet. Der Tag der offenen Tür für Senioren findet am Sonnabend von 14 bis 18 Uhr rund um den Rotraut-Richter-Platz statt.

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Peter Pan 13.11.2013 - 14:31:33

Schöner Artikel aber teilweise falsch recherchiert

Hallo, man liest leider immer wieder, dass die degewo die "Skylounge in der Gropiusstadt" eröffnet hat. Das ist so nicht ganz richtig! Die degewo gab den Anstoß dazu und half in der Vorbereitung. Die gesamte konzeptionelle Arbeit, das Einrichten und die Bewirtung der Skylounge führte eine junge Event-Agentur (CAP - corporate and public event GmbH) durch. Schade, dass so etwas gar keine Erwähnung findet!

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