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Noch 24 000 Unterschriften fehlen der Bürgerinitiative zum Volksentscheid / Stadt will Rand des früheren Flughafengeländes bebauen

Endspurt im Kampf um die Tempelhofer Freiheit

© Foto: dpa
Katrin Hartmann / 10.01.2014, 20:45 Uhr
Berlin (MOZ) Dass sich Städte äußerlich verändern, ist eine Tatsache. Nur in welche Richtung sich das Erscheinungsbild entwickelt, daran scheiden sich oft die Geister. Einer der bekanntesten Fälle ist derzeit wohl der Interessenkonflikt um die Nutzung des ehemaligen Berliner Flughafengeländes in Tempelhof.

Während der Senat für Stadtentwicklung und Umwelt das Gebiet mit neuen Wohnquartieren für schwächere und mittlere Einkommensschichten bebauen will, wünscht sich die Initiative "100% Tempelhofer Feld" den momentanen Charakter der Freifläche zu erhalten.

Durch landeseigene Wohnungsbaugesellschaften sowie eine Baugenossenschaft will die Stadt 2016 bis zu 1700 Wohnungen entstehen lassen, von denen mindestens 50 Prozent eine Miete von sechs bis acht Euro pro Quadratmeter tragen. Stadtentwicklungsenator Michael Müller (SPD) geht davon aus, dass die Mehrheit der Berliner die Bebauung an den Rändern des Feldes nicht stört. "Ich sehe noch nicht, dass es zu einem Volksentscheid kommt", betont er im Hinblick auf das Volksbegehren für den Erhalt des Feldes als Freifläche. Und auch wenn es dazu käme, wäre es egal. "Wir haben ja gesehen, dass man Volksentscheide nicht automatisch gewinnt", sagt er und verweist auf den Volksentscheid zur Stromversorgung.

Klientelpolitik nennt Julius Dahms, Sprecher der Bürgerinitiative, diese Ansicht. Mit diesem Unterfangen klammere die Politik Bürger und Gemeinwohl aus. In Berlin gebe es auf das Stadtgebiet zusammen gerechnet eine zehn mal größere Fläche als die Tempelhofer Freiheit, die bebaut werden könne. "Dort gibt es sogar Infrastruktur, sodass die Erschließungskosten weitgehend wegfallen würden."

Seit 2011 setzt sich "100% Tempelhof" mit einer Unterschriftensammlung dafür ein, dass das Bauvorhaben durch ein Volksbegehren beim Senat neu infrage gestellt werden kann. "Wir haben bereits 150 000 Unterschriften zusammen. 174 000 brauchen wir bis zum Montag", erklärt Dahms. Deshalb stehen am Wochenende noch einmal alle Türen der Initiative offen, um die restlichen Unterschriftenlisten einzusammeln. Dahms ist zuversichtlich: "Viele unserer Mitglieder haben während der letzten zwei Jahre gesammelt, aber noch nichts eingereicht. Zum Endspurt wird also noch eine beträchtliche Summe zusammenkommen."

Wenn die Unterschriftenzahl erreicht werde, gebe es die Chance, den Volksentscheid parallel zur Europawahl am 25. Mai laufen zu lassen. "Wir hoffen dann auf einen Synergieeffekt mit viel Beteiligung", sagt Dahms.

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