Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Berliner Verkehrsbetriebe haben Linienflotte auf Sonnenenergie umgestellt und sind damit weltweit Vorreiter

Für 1,50 Euro auf die Solar-Fähre

© Foto: MOZ
Maria Neuendorff / 31.03.2014, 20:33 Uhr
Berlin (MOZ) Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) lassen ihre Linien-Schiffe nur noch mit Sonnen-Energie fahren. Am Montag wurden an der Oberbaumbrücke die letzten beiden von insgesamt vier neuen Solar-Fähren eingeweiht.

Ein Kurzstrecken-Ticket zu 1,50 Euro reicht für eine Schiffstour in der Frühlingssonne. Die weißblaue Solar-Fähre schaukelt sanft. Die 35 Schalensitze sind gepolstert wie im Bus. An der Wand neben der behindertengerechten Toilette hängt ein Linienplan der BVG. Nur die goldfarbene Glocke scheint nicht so ganz in die neue Zeit zu passen.

Sie wird von Bernd Stoewhase zur Abfahrt geläutet. Der Kapitän steuert die BVG-Flotte in eine umweltfreundliche Zukunft. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit meinem 59 Jahren noch einmal eine neue Technik einführe", sagt er stolz. 1971 hat Stoewhase auf der MS J. G Fichte, dem Fracht- und Ausbildungsschiff des VEB Deutsche Seereederei, in Rostock angefangen. Lange Jahre steuerte er zwischen Wendenschloss und Grünau ältere Modelle. "Da musste man teilweise noch ganz schön kurbeln, um abzulegen."

Nun sitzt der Treptower gemütlich im ledernen Sessel seiner nagelneuen Fahrerkanzel und bedient kleine Hebel vor modernen Monitoren. Rußwolken und dröhnende Dieselmotoren vermisst er nicht. "Frische Luft ist in unserem Beruf nicht selbstverständlich", weiß Stoewhase die Umstellung auf den CO2-freien Personentransport zu schätzen. Am besten aber findet er, dass über die moderne Rampe nun auch endlich Rollstuhlfahrer ohne Hilfe auf seine Fähre kommen. "Auch für die älteren Passagiere mit dem Rollator ist das eine riesige Erleichterung", sagt der Kapitän, der im Berufsverkehr im Zehnminutentakt von Ufer zu Ufer übersetzt.

Jährlich sind auf den Fähren der BVG bis zu einer Million Fahrgäste unterwegs. Dass im Linienverkehr einer Metropole Solar-Fähren eingesetzt werden, ist bisher einmalig. "Das war auch für uns eine technische Herausforderung", sagt Jan Kruse, Chef der Weißen Flotte Stralsund, die die 50-Personen-Schiffe binnen eines Jahres entwickelt und geliefert hat und nun für die BVG betreibt.

Angetrieben werden sie von Elektromotoren. Die Energie kommt aus Solarzellen auf dem Dach. Bei schlechtem Wetter sichern Batterien den Einsatz. An den Anlegestellen befinden sich Steckdosen. Für eine gute Energie- und Umweltbilanz sorgt auch die Bauweise als Katamaran. Die schlanke Wasserlinie spart Antriebsenergie. "Der doppelte Rumpf ist allerdings auch etwas steifer und damit schwieriger zu fahren", gesteht Kapitän Stoewhase.

Umso hilfreicher sind da die Magneten an den Anlegestellen, die ein Andocken nur mit einem Mann ermöglichen. Eine Stunde Fahrbetrieb kostet so bei gutem Wetter weniger als zehn Euro. Das ist billiger, als die Ruder-Fähre F24 in Rahnsdorf weiter zu betreiben, die im vergangenen Herbst eingestellt wurde. "Ich verstehe, dass sie für viele von historischem Wert ist, aber wir können sie zum ÖPNV-Tarif nicht zusätzlich anbieten", erklärt Umweltstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) am Montag bei der Schiffstaufe. Auch, weil sie nicht behindertenfreundlich sei.

Denn seit Januar sind alle BVG-Linienschiffe barrierefrei. Seitdem fahren bereits zwei Elektro-Fähren auf den Linien F11 (Oberschöneweide, Wilhelmstrand bis Baumschulenstraße) und F12 (Wendenschloß, Müggelbergallee-Grünau, Wassersportallee). Die beiden am Montag getauften Schwesternschiffe sollen zum Saisonstart am 5. April die Linien F21 (Schmöckwitz-Krampenburg) und F23 (Müggelwerderweg-Kruggasse) bedienen. Allerdings gibt es an der Steganlage in Schmöckwitz noch Treppenstufen, die es zu beseitigen gilt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG