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Verkehrsbetriebe schicken ihre ersten Busse mit Elektroantrieb auf die Straße / Aufladen funktioniert kabellos

Strom tanken in sieben Minuten

E-Bus Berlin: Ab Sommer fährt die Linie 204 mit kabelloser Ladetechnik sauber durch die deutsche Hauptstadt
E-Bus Berlin: Ab Sommer fährt die Linie 204 mit kabelloser Ladetechnik sauber durch die deutsche Hauptstadt © Foto: Bombadier Transport/BVG
Maria Neuendorff / 18.03.2015, 19:30 Uhr
Berlin (MOZ) Sie haben keinen stinkenden Auspuff und sind hörbar leiser: Ab Sommer sollen erstmals vier Elektrobusse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) durch die Innenstadt rollen. Strom erhalten sie kabellos von einer unsichtbaren Ladeplatte unter der Fahrbahn.

Die technische Revolution könnte nicht unscheinbarer sein. Eine fünf Meter lange, zwei Meter breite und 25 Zentimeter dicke graue Platte ragt aus einem Bauloch. Sie soll auf dem Busbetriebshof im Schatten des Bahnhofs Zoo ein neues Zeitalter einläuten. Doch erst wenn die Ladeplatte unter Beton verschwunden ist, werden vier E-Busse der Linie 204 ab Sommer dieses Jahres regelmäßig über sie ihren Strom ziehen können. Ganz ohne Kabel.

Für die BVG ist es ein einjähriger Test und ein Startschuss zugleich. "Wenn solch eine technische Entwicklung erst einmal im Pilotprojekt umgesetzt wurde, ist sie nicht mehr aufzuhalten", glaubt Rainer Bomba (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, das die Innovation mit 4,1 Millionen Euro fördert.

Mit der ersten kabellosen Ladestation an der Herztallee soll das Projekt "E-Bus Berlin" Fahrt aufnehmen. Der Standort wurde deshalb gewählt, weil gleich neben der Endhaltestelle die Technische Universität ihre Räume hat. Ihre Forscher werden das Modellprojekt wissenschaftlich begleiten und erforderliche Ladezeiten sowie den Energiebedarf von Heizung und Klimaanlage im Bus während des Betriebs ermitteln und gegebenenfalls nachbessern. Sie müssen auch schauen, ob alles glatt geht, wenn zum Beispiel Regen, Eis oder Laub die Ladestation bedeckt.

Ähnlich wie bei einer elektrischen Zahnbürste erfolgt das Laden der E-Busse, die Ende April geliefert werden sollen, ohne Kabelkontakt. Sobald das Fahrzeug auf der unterirdischen Ladeplatte parkt, senkt sich an der Unterseite eine Aufnahmespule ab und die Energieübertragung beginnt. Sie soll maximal sieben Minuten dauern. "Dafür wird ein elektromagnetisches Feld erzeugt, ähnlich wie bei einem Induktionsherd", erklärt Jérémie Desjardins von Bombardier Transportation. Das Prozedere sei somit für Fahrer, Fahrgäste und selbst für Passanten mit Herzschrittmachern völlig ungefährlich, versichert er. Durch eine ausgeklügelte Abschirmung unterschreite das Ladesystem die sehr strengen europäischen Grenzwerte deutlich.

Optimiert wurde für den Linienverkehr auch das Gewicht der Hochleistungsbatterien. "Die Busse sollen ja in erster Linie Menschen befördern und nicht Batterien", sagt Desjardins. Die Modelle im Dach der neuen Solaris-Busse lassen genauso viel Platz für Passagiere wie in herkömmlichen Fahrzeugen, erklärt der Mitarbeiter von Bombardier. Der weltweit führende Bahntechnikanbieter mit Dependance in Hennigsdorf (Oberhavel) hat auch schon Braunschweig mit Ladestationen versorgt. Dort fahren seit März 2014 Elektro-Busse im Stadtverkehr.

Berlin ist die erste europäische Hauptstadt, die auf einer kompletten Innenstadtlinie E-Busse mit dem kabellosen Ladesystem testet. Nach dem Start am Bahnhof Zoo kreuzen die Busse auf der 6,1 Kilometer langen Strecke unter anderem den Ku'damm, bevor es durch zum Teil quirlige Schöneberger Wohnviertel geht. Endstation ist nach 24 Minuten und 18 Haltestellen der Bahnhof Südkreuz. Auch dort wird eine Ladestation installiert. Auf dem Omnibus-Betriebshof an der Indira-Gandhi-Straße in Weißensee werden die vier E-Busse dann über Nacht mit Kabelkontakt vollständig aufgeladen.

Mit ihrem Einsatz können ab Sommer laut BVG jährlich rund 260 Tonnen CO2 eingespart werden. Um diesen Effekt zu erreichen, müssten rund 250 Autos bei durchschnittlichem Fahrverhalten elektrifiziert werden, heißt es zum Vergleich. Noch sei ein Elektro-Bus aber dreimal so teuer wie ein Diesel. "Das wird in zehn Jahren wohl anders sein", hofft BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta. Wenn dann die umweltfreundliche Technologie nicht mehr die Ausnahme auf den Berliner Straßen sei, könnte sich die Umstellung langsam rechnen.

Junior-Campus


■ Im Technikmuseum können sich ab sofort Schüler der Klassen 7 und 8 in kostenlosen Workshops mit Elektromobilität auseinandersetzen. Sie erfahren etwas über die umweltfreundliche Erzeugung von Strom, dessen Speicherung sowie über die Vernetzung im urbanen Raum. Im Junior Campus können sich aber auch schon Kita-Kinder auf "Spurensuche" zum Thema Verkehr und Umwelt begeben. Anmeldung unter www.sdtb.de/Junior-Campus

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