Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Konferenz widmet sich dem Nachtleben Berlins

Die Musik- und Partyszene ist prägend für die Stadt und zieht massenweise Touristen an.
Die Musik- und Partyszene ist prägend für die Stadt und zieht massenweise Touristen an. © Foto: dpa
Inga Dreyer / 25.11.2016, 19:43 Uhr
Berlin (MOZ) Clubs und Techno-Partys: Was manche Menschen als nervige Subkultur abtun, ist für andere ein Grund, nach Berlin zu kommen. Die Partyszene mit ihrem Wunsch nach Freiräumen, ihren Problemen und ihrer Bedeutung für die Stadtentwicklung steht bei einer Konferenz im Mittelpunkt.

Durch schummrige Gänge laufen Menschen mit schwarzen Kongressbeuteln. Dort, wo nachts getanzt wird, sitzen auf mit rotem Stoff bezogenen Stühlen Kongressteilnehmer und machen Notizen - beleuchtet von einem Gitter aus orangefarbenen Neonröhren. Experten statt DJs, PowerPoint statt Mischpult.

Es passt, dass eine Konferenz zur Nacht am Ort des Geschehens stattfindet - in diesem Fall in den Clubs "Watergate" und "Musik und Frieden" an der Oberbaumbrücke sowie in der Wilden Renate. Dort treffen aufeinander: Tag und Nacht, Licht und Dunkelheit, Underground und Stadtverwaltung. Bei der Konferenz "Nights 2016 Berlin - Stadt nach Acht", die am Donnerstag begonnen hat, wird klar: Die scheinbaren Gegensätze brauchen einander. Partykultur ist ein Tourismus-Magnet.

Dieses Phänomen sei eng mit der "Generation Easy Jet" verknüpft, sagt Mario Husten von der Holzmarkt-Gesellschaft, die das gleichnamige Gelände an der Spree gepachtet hat und dort ein Areal für Kreative baut - inklusive Theater und Kita.

Früher stand an dieser Stelle die legendäre Bar 25. Anfangs sei es dabei nur ums Feiern gegangen, berichtet Husten. Ein paar Leute, die über einen Zaun geklettert sind, um Spaß zu haben. Später wurden sie zur Anlaufstelle einer ganzen Generation an jungen, feierlustigen Europäern. "Die meisten Leute kommen nicht, um in die Oper zu gehen", betont Husten. Etwa 30 Prozent der Touristen kämen wegen des Nachtlebens, sagt Falk Walter vom Restaurant Freischwimmer bei einer Diskussionsrunde. "Ich glaube, dass generell die elektronische Musik in Berlin unglaublich viel bewegt hat" - sei es für die Integration von Ost und West oder bei der Emanzipation der Schwulen-Szene.

Dabei ist das Ganze ein ständiger Balanceakt zwischen Kunst und Kommerz, zwischen Interessen von Touristen und Anwohnern. Burkhard Kieker von Visit Berlin, der Berliner Tourismus GmbH, bringt dabei den Begriff der "Akzeptanzerhaltung" ins Spiel. Das bedeutet: Alles darf nur so weit gehen, dass die Bewohner eines Kiezes die Entwicklungen noch tolerieren. In Städten wie Barcelona und Madrid könne man beobachten, was Tourismus anrichten könne, sagt Kieker. In Berlin solle es nicht so weit kommen.

Trotzdem: In Gegenden wie rund um die Warschauer Straße und den Simon-Dach-Kiez in Friedrichshain ist die Grenze der Akzeptanz teilweise überschritten. Die Berichte über die Drogenszene und kriminelle Vorfälle an der Revaler Straße wirkten sich auch auf die Szene aus. Falk Walter warnt dabei vor einer Vermischung dessen, was vor und in den Clubs passiere.

Drogenpolitik und Prävention sind auch auf der Konferenz ein großes Thema - genauso wie die Suche nach neuen Freiräumen, nachdem viele Clubs Investorenprojekten weichen mussten. Von einem Erfolg allerdings berichtet Thomas Scheele, der sich unter anderem in der Clubcommission, dem Sprachrohr der Musik- und Partyszene, engagiert: Nach jahrelanger Lobbyarbeit sei die Forderung, öffentliche Räume für nichtkommerzielle Veranstaltungen zu schaffen, in den Berliner Koalitionsvertrag aufgenommen worden.

Organisiert wird die Konferenz unter anderem von der europäischen Plattform NewNet und von der Clubcommission Berlin. Am Sonnabend öffnet sich das Programm fürs Publikum - natürlich mit anschließender Party.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG