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Ab Freitag leuchten in Berlin Bauwerke und Skulpturen / Erstmals gibt es auch ein leuchtendes Café

Festival
Kunst mit Licht und Laser

Beim Aufbau: Lichtkünstler Malte Kebbel will am Marlene-Dietrich-Platz Mauerteile in Szene setzten.
Beim Aufbau: Lichtkünstler Malte Kebbel will am Marlene-Dietrich-Platz Mauerteile in Szene setzten. © Foto: MOZ
Maria Neuendorff / 27.09.2017, 20:44 Uhr
Berlin (MOZ) Im Oktober beginnt in Berlin die schönste Jahreszeit, zumindest für abendliche Sightseeing-Touren. Bei gleich zwei Festivals bespielen Künstler 80 Sehenswürdigkeiten mit Lichtinstallationen und 3D-Shows.

Die Arbeit als Lichtkünstler kann manchmal schon körperlich anstrengend sein. Seit Stunden ist Malte Kebbel dabei, meterhohe Mauerstücke auf- und abzuladen. Die schweren Beton-Teile aus dem Privatbesitz einer Tegeler Firma drapiert er am Mittwoch auf dem Marlene-Dietrich-Platz zu einer Art Steinkreis. Ab Freitagabend sollen ihn acht Lichtstrahler in ultraviolettem Licht und atmosphärischem Blaulicht erstrahlen lassen. "Da sind kiloweise lichtsensible Pigmente drauf, die sich aufladen wie eine Batterie", erklärt der 36-Jährige, der die Originale in monatelanger Arbeit mit reflektierendem Epoxidharz bedruckt und goldenem Flugzeug-Lack bestrichen hat.

Durch die besondere Beschichtung können ab Freitag auch Besucher mit Taschenlampen auf dem Beton Worte schreiben, die nach ein paar Sekunden wieder wie von Geisterhand verschwinden. So werden die Mauer-Relikte während des 17-tägigen Festivals zur Leinwand, für das derzeit 13 500 Lampen und 35 000 Meter Kabel verlegt werden.

Nach Einbruch der Dunkelheit wird dann unter anderem auch die Chinesische Botschaft an der Jannowitzbrücke zu leben beginnen. Bambussträucher biegen sich auf der Fassade im Wind und geben den Blick frei auf zwei süße Panda-Bären, bevor sich nur Sekunden später eine Schlange durch das Glas der Scheiben zu bohren scheint.

Das diplomatische Haus in Mitte ist wie die Kuppeln der Abhörstation auf dem Teufelsberg in diesem Jahr das erste Mal dabei. Ansonsten finden sich im Programm viele alte Bekannte wie das Konzerthaus, das Kranzler-Eck oder das Brandenburger Tor, auf dem neben kunstvollen Leuchtbildern erstmals auch persönliche Grußnachrichten projiziert werden können.

Auch zur Eröffnung des Lichterfestes am Freitag ab 19 Uhr mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) sind alle eingeladen. Sie findet in diesem Jahr am Schöneberger Gasometer statt. Das denkmalgeschützte, rund 80 Meter hohe, Stahl-Gerippe wird ebenfalls mit zahlreichen Leuchtpunkten in Szene gesetzt. Besucher erwarten auf dem Euref-Gelände, auf dem Start-Ups aus aller Welt zur Energie-Wende forschen, zur Eröffnung auch Tänzer in fantasievollen Leucht-Kleidern und LED-Jongleure.

Bis zum 15. Oktober lassen sich in der ganzen Stadt verteilt rund 80 Installationen entdecken. Zudem sind viele begleitende Programmpunkte wie zum Beispiel Lichterfahrten per Bus und Schiff geplant.

Beim "Festival of Lights", das eine Woche später startet, kommen dann noch einmal 40 Orte dazu. "Ziel ist es, nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten Berlins zu beleuchten, sondern auch besondere Seiten und Ecken Berlins zu zeigen", erklären die Veranstalter auf ihrer Webseite, auf der man alle Orte einsehen kann.

So wird unter anderem sogar eine Baustelle in der Pankower Mendelstraße beleuchtet. Das Märkische Viertel lädt dagegen zum Turnier mit leuchtenden Boule-Kugeln ein. In der Großsiedlung in Reinickendorf können Interessierte ab 6. Oktober an bestimmten Abenden auch wieder selbst zu Künstlern werden. Auf dem Stadtplatz am Wilhelmsruher Damm werden große Glasdias bemalt und direkt auf ein Hochhaus projiziert.

Wie man mit Lichtkunst auch seine Brötchen verdienen kann, erzählen Künstler im "Lichtcafé", das erstmals während des Festivals im Hotel NH Collection am Bahnhof Friedrichstraße eingerichtet wird. Im besonders beleuchteten Foyer wird es neben wechselnden Leucht-skulpturen auch Lichtcocktails mit leuchtenden Eiswürfeln geben.

Malte Kebbel kann man dort am 4. Oktober um 19 Uhr treffen. Der gebürtige Bremer hat in Düsseldorf Kunst studiert und lebt heute als freischaffender Künstler in Berlin. Beim Lichterfest ist er schon zum zweiten Mal dabei. Über Sponsoren, die Projekte finanzieren und die Werke später abkaufen, kann er inzwischen von seiner Kunst leben. "Das Besondere am Potsdamer Platz ist, dass hier ganz reale Objekte aufgebaut werden", erklärt der junge schlanke Mann, während er die Lkw-Gurte von den letzten Mauerteilen löst. Ein paar Meter weiter zwischen Kino und Steakhaus steht schon das Gerüst für die "interaktive Lichtschaukel". "Wenn Du dich draufsetzt, kannst Du den Rhythmus der Musik steuern und selbst Videos auf ein weißes Segel projizieren", erklärt Marjorie Chau.

Jahrelang hat die chilenische Medienkünstlerin mit Programmierern und Industriedesignern an der mit Sensoren und Mini-Computer bestückten Leuchtschaukel getüftelt, mit der sie nun durch die Welt zieht. An den leuchtenden Berliner Abenden will sie meist selbst vor Ort sein, um ihre Kunst den staunenden Passanten zu erläutern.

Das Lichterfest von "Berlin leuchtet e. V." geht vom 29. September bis 15. Oktober. Das 13. Festival of Lights findet vom 6. bis 15. Oktober 2017 statt. Mehr unter http://berlin-leuchtet.com sowie http://festival-of-lights.de

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