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Das Quartier 206 an der Friedrichstraße soll zwangsversteigert werden / Trotzdem ziehen neue Mieter ein

Edelquartier
Erst Luxus, jetzt Not

Elegant bis mondän: Das Quartier 206 wurde in den 90er-Jahren als Teil der Friedrichstadt-Passagen zwischen Friedrichstraße und Gendarmenmarkt im Art-déco-Stil errichtet. Seit es unter Zwangsverwaltung steht, sind viele Luxusmarken wieder ausgezogen.
Elegant bis mondän: Das Quartier 206 wurde in den 90er-Jahren als Teil der Friedrichstadt-Passagen zwischen Friedrichstraße und Gendarmenmarkt im Art-déco-Stil errichtet. Seit es unter Zwangsverwaltung steht, sind viele Luxusmarken wieder ausgezogen. © Foto: MOZ/Maria Neuendorff
Maria Neuendorff / 12.01.2018, 19:31 Uhr
Berlin (MOZ) Vor 20 Jahren eröffnete das Quartier 206 als erstes Luxuskaufhaus im Osten Berlins. Nach jahrelangen Finanzstreitigkeiten ist nun ein Termin zur Zwangsversteigerung anberaumt. Doch trotz Leerstand und Unsicherheiten  eröffnen auch immer wieder neue Geschäfte.

Wer den Block mit der Nummer 206 an der Friedrichstraße betritt, ist erst einmal beeindruckt. Der schöne Marmorboden, der vor über 20 Jahren wie ein Schachbrettmuster verlegt wurde, glänzt immer noch wie neu. Die beigefarbenen Mosaike im Art-déco-Stil wirken elegant bis mondän.

Doch über die geschwungenen Treppen unter dem gläsernen Atrium sieht man nur selten Kunden flanieren. Sie können noch Herrenanzüge, Brillen und Edelkosmetik kaufen, doch dazwischen sind viele der Schaufenster abgeklebt. Auch die Ledersessel auf der Galerie bleiben meistens leer. Statt einer Speisekarte finden Besucher auf den Tischen Kladden mit folgendem Gruß: „Herzlich Willkommen im Quartier 206 Art & Fashion House – einer der schönsten und exklusivsten Shopping Destinations weltweit.“

Doch Louis Vuitton, Gucci und Yves Saint Laurent sind längst wieder zurück an den Kudamm gezogen. Auch Sternekoch Tim Raue ist wieder weg. Seit 2011 befindet sich die Edelpassage unter Zwangsverwaltung. Sie ist mit rund 140 Millionen Euro Schulden belastet. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen Eigentümer und Gläubiger steht nun im Mai erneut ein Termin zur Zwangsversteigerung an. Mit 70 Millionen Euro beziffert der Gutachter den Verkehrswert der Nobel-Passage, durch die  man von der Friedrichstraße trockenen Fußes auf den Gendarmenmarkt gelangen kann.

Der Eigentümer und Erbauer des Hauses ist Anno August Jagdfeld aus dem rheinischen Düren. Er hat auch das Hotel Adlon und das „Grand Hotel Heiligendamm“ wiederaufgebaut. Mit seiner Fonds-Gruppe schrieb der Immobilienentwickler schon häufig Negativ-Schlagzeilen. Gegen die Zwangsversteigerung will man sich aber weiterhin wehren. „Wir sind davon überzeugt, dass der Versteigerungstermin aufgehoben werden wird“, sagt Christian Plöger, Sprecher der Jagdfeld Gruppe. Wie genau man das verhindern will, dazu will er sich nicht äußern. Nur dass der Immobilienunternehmer seinerseits Schadenersatzforderungen in Höhe von 665 Millionen gegen die die Versteigerung betreibende Bank und daran beteiligte Dritte anstrebt. „Dazu werden aktuell mehrere gerichtliche Verfahren geführt“, erklärt Plöger. Denn als sich das Quartier 206 vor der Zwangsverwaltung im Management der Jagdfeld Gruppe befand, sei das Gebäude noch in einem hervorragenden Zustand und an exzellente internationale Mieter vermietet gewesen.

„Dass war hier einmal ein guter seriöser Mix mit hochkarätigen Leuten“, sagt auch Willi Breitenkamp. Seit 47 Jahren verkauft er edle Antiquitäten. Nach einem mehrjährigen Gastspiel in der Jägerstraße sind er und seine Frau erst im November in das Quartier 206 zurückgekehrt. Von den Unsicherheiten durch die Rechtsstreitigkeiten lassen sich beide nicht beirren.

Mit ihren mehrere Jahrhunderte alten Schinkeltischen und Wellenschränken aus Rosenholz und Nussbaum  wollen sie sogar demnächst in einen  größeren Laden mit 15 Schaufenstern gegenüber ziehen. „Am Sonnabend macht hier auch wieder eine Bar auf“, sagt Breitenkamp und zeigt in das Atrium, wo einst ein Piano-Spieler die Kunden unterhielt.

Und auch im Untergeschoss, das das Kaufhaus Galerie Lafayette (Quartier 207) und Rewe (Quartier 205) miteinander verbindet, wird an diesem Sonnabend mit DJ-Musik eine Neueröffnung gefeiert. Dort wo einst Marlboro Cowboystiefel feilbot, hängen nun bunte Fotokollagen mit David Bowie und Muhammad Ali. Die Galerie habe als Pop-Up-Store zur Zwischennutzung für ein paar Monate zu geringeren Konditionen einziehen können, berichtet ein Mitarbeiter. Eine Ansicht vom Kottbusser Tor habe er schon verkauft, freut er sich.

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