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Angriff auf jungen Israeli
Angeklagter gesteht Schläge mit Gürtel

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Symbolfoto © Foto: dpa/Paul Zinken
dpa / 19.06.2018, 11:09 Uhr - Aktualisiert 19.06.2018, 13:27
Berlin (dpa) Rund zwei Monate nach der Attacke gegen einen Israeli mit Kippa in Berlin steht ein 19-Jähriger in der Hauptstadt vor Gericht. Zum Auftakt des Prozesses am Amtsgericht Tiergarten gestand der aus Syrien stammende Angeklagte am Dienstag Schläge mit einem Gürtel. Die Kippa des Mannes habe er erst zum Schluss gesehen. Er bereue die Tat und entschuldige sich. Zugleich betonte der 19-Jährige mehrmals, er habe sich im Recht gefühlt. Er sei zuerst beschimpft und beleidigt worden.

Dem Angeklagten werden gefährliche Körperverletzung mit einem Gürtel und Beleidigung zur Last gelegt. Laut Anklage wurden der Israeli sowie einen Deutsch-Marokkaner, der ebenfalls eine Kippa trug, am 17. April im Stadtteil Prenzlauer Berg antisemitisch beschimpft, der Israeli geschlagen.

Wegen des großen Medienandrangs war der Prozess in den großen Saal 700 des Kriminalgerichts verlegt worden. Im Lauf des Tages sollten noch Zeugen gehört werden. Richter Günter Räcke gab bekannt, dass der Prozess am kommenden Montag fortgesetzt werden soll. Ursprünglich war nur ein Verhandlungstag geplant. Ob am Montag auch das Urteil gesprochen wird, war zunächst unklar.

Der Fall wird in Berlin ungewöhnlich schnell juristisch aufgearbeitet: Bereits einen Monat nach dem Angriff war Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung erhoben worden.

Demnach soll der Täter am 17. April mit einem Gürtel mindestens zehn Mal auf den Mann aus Israel eingeschlagen haben, nachdem sich dieser und der Deutsch-Marokkaner die Beschimpfung verbaten. Die Gürtelschnalle habe den Israeli im Gesicht, am Bauch und an den Beinen getroffen, eine Lippe platzte auf. Dabei soll der Angreifer auf Arabisch „Jude“ geschrien haben.

„Ich bin keiner, der gegen Juden ist“, beteuerte der Flüchtling, der 2015 nach Deutschland kam. Auf etliche Fragen des Richters beantwortete er nicht konkret.

In seiner Befragung - teils auf Deutsch, teils auf arabisch mit Dolmetscherin - erklärte der 19-Jährige: „Es tut mir sehr leid, es war ein Fehler von mir.“ Er fügte hinzu: „Ich wollte ihn nicht schlagen, ich wollte ihm nur Angst machen.“ Er habe zuvor Drogen genommen. „Ich hab gekifft, ich war auf Drogen,... mein Kopf war müde.“ Er habe nicht mit der Gürtelschnalle geschlagen und nur einige Male getroffen.

Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft. Der Mann war einer Flüchtlingsunterkunft in Brandenburg zugewiesen, hielt sich aber in Berlin auf. Sein Leben habe aus Schule und Fußballverein bestanden, sagte der Angeklagte.

Der Israeli hatte den Angriff gefilmt und das Video ins Internet gestellt. In dem Filmausschnitt war zu sehen, wie ein Mann mit einem Gürtel auf den Filmenden einschlägt und auf arabisch „Jude“ ruft.

Der Übergriff hatte bundesweit eine Welle der Empörung ausgelöst. Hochrangige Politiker bis hin zu Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigten sich betroffen. Als Zeichen gegen Antisemitismus waren in mehreren deutschen Städten Menschen mit der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung auf die Straße gegangen. Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, hatte zuvor davor gewarnt, den Judenhass in Deutschland kleinzureden.

Als Vertreter der Jüdischen Gemeinde kam Mike Samuel Delberg ins Gericht - mit Kippa. Er wolle damit ein Zeichen der Solidarität setzen, sagte er vor Prozessbeginn. „Das Positive an dem negativen Fall ist, dass es nicht unter den Teppich gekehrt wird“, sagte er. Er erwarte ein Urteil, das Zeichen gegen den Antisemitismus setzte.

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Paul Müller 20.06.2018 - 07:34:33

Man hätte ihm aber auch Deutschland besser erklären müssen ...

... dann wäre es auch nicht zu der Kippa-Gürtelschnallen-Irritation gekommen. Hier sehe ich noch einen hohen Handlungsbedarf der zuständigen Willkommensinitiative in Königs Wusterhausen ...

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