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DDR-Romantik
Fliegende Badezimmer

Vorgefertigt: Über der Baustelle des künftigen „Dogensee-Center“ in Friedrichsfelde fliegt das erste Badezimmer. Die Vorproduktion modularer Bauteile soll Zeit und Kosten sparen.
Vorgefertigt: Über der Baustelle des künftigen „Dogensee-Center“ in Friedrichsfelde fliegt das erste Badezimmer. Die Vorproduktion modularer Bauteile soll Zeit und Kosten sparen. © Foto: Maria Neuendorff
Maria Neuendorff / 18.09.2018, 08:30 Uhr
Berlin (MOZ) Der Senat kommt mit dem Wohnungsbau nicht hinterher. Um schneller zu werden, setzt nun die erste städtische Wohnungsbaugesellschaft in Lichtenberg auf Serienproduktion mit vorgefertigten Bauteilen – wie einst beim Plattenbau zu DDR-Zeiten.

Das Bad, das da einsam vor aufgeschütteten  Sandhügeln steht, ist voll funktionsfähig. Bevor der Kran den Betonquader mit Kloschüssel, Dusche und Waschbecken in die Luft hebt, muss ein Gewobag-Mitarbeiter die Leitungen kappen.

„Das fliegende Badezimmer“ ist am Montagmittag sozusagen der Showakt während der Grundsteinlegung an der Dolgenseestraße in Friedrichsfelde. „Eine jahrzehntelange Brache wird endlich wieder genutzt“, sagt Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke). In den kommenden drei Jahren sollen in dem Plattenbauquartier, rund 15 Fußminuten vom Tierpark entfernt, zwei Zehngeschosser mit insgesamt 678 Wohnungen hochgezogen werden.  Die Hälfte der Wohnungen werden Sozialwohnungen zu Mietpreisen ab 6,50 Euro pro Quadratmeter sein. Ein Drittel wird barrierefrei. 127 Millionen Euro kostet das neue Vorhaben.

Die Gewobag gehört zu den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, die im Senatsauftrag den Neubau bezahlbaren Wohnraums vorantreiben sollen, um die steigenden Mieten abzufedern und die soziale Mischung in der Stadt zu erhalten. Doch von dem nötigen Ziel, bis zum Jahr 2021 rund neue 30 000 städtische Wohnungen zu bauen, ist man weit entfernt.

Um schneller voranzukommen, bedient sich die Gewobag nun einer Methode, die schon in den 70- und 80ziger Jahren im Osten Berlins beim Bau von Plattenbausiedlungen angewandt wurde.  „Wir stehen vor der großen Herausforderung, bezahlbaren Wohnraum in kürzester Zeit zu schaffen. Daher verwenden wir bei diesem Bauprojekt typisierte und modulare Bauteile, wie zum Beispiel diese Badzellen“, erklärt Markus Terboven, Vorstandsmitglied der Gewobag.

Die vier ersten Bäder wurden in Prag vorgefertigt und am Freitag per Lkw angeliefert. „Wir lassen die Tradition der DDR wieder aufleben“, sagt Klaus Off von der gleichnamigen Immobilien-BeteiligungsGmbH aus Schwaben. Schon 1966 war an der Schillingsstraße in Friedrichshain mit dem ersten „WHH 17“ das industrielle Bauzeitalter eingeläutet worden. Die Wohnhochhäuser mit 17 Stockwerken wurden mit komplett vorgefertigten Küchen und Bädern gebaut.

Als „Platte 2.0“ will Off das künftige „Dolgensee-Center“ in der Nähe des Betriebsbahnhofs Rummelsburg aber dennoch nicht bezeichnen lassen. Das Mammutprojekt, bei dem allein 220 Tonnen Stahl verbaut werden, soll sich optisch von den Wohnungsbauten der 1960er- bis 1980er-Jahre in der Gegend abheben. Jede der Ein- bis Vierzimmer-Wohnungen wird eine Loggia bekommen. Für eine kontrastreiche Optik sollen zudem verschiedene Beige-Töne auf den Fassaden sorgen. In das Erdgeschoss ziehen ein Supermarkt, kleinteiliger Einzelhandel, Arztpraxen und eine Kita ein.

Zudem ist zwischen den 31 Meter hohen Neubauten ein Boulevard mit einer begrünten Promenade, Spielflächen und Sitzbereichen geplant. Die ersten der insgesamt  1500 neuen Bewohner sollen schon im dritten Quartal 2019 in die 36 bis 102 Quadratmeter großen Wohnungen einziehen. Der Baustart sollte eigentlich bereits im Mai sein. Doch wegen Grundwasserproblemen kam man nur mit halber Kraft voran, berichtet Klaus Off. Durch den Zeitvorsprung, den man durch die vorgefertigten Fließband-Bäder gewinne, werde man den Zeitplan dennoch einhalten können, glaubt der Firmenchef. „Dann werden wir Ende 2020 hier hoffentlich ein großes Familienfest feiern.“

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