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In Lankwitz sortieren Ehrenamtliche gespendete Geschenke für bedürftige Kinder aus Osteuropa

Gespendete Schuhkartons
Die Helfer des Weihnachtsmannes

Helfen gerne mit: Monika Engel und ihr Mann Mario Reinke aus Neukölln gehören zu über 1000 Freiwilligen, die in der Weihnachtswerkstatt bis zum 15. Dezember die „Geschenke im Schuhkarton“ versandtfertig machen.
Helfen gerne mit: Monika Engel und ihr Mann Mario Reinke aus Neukölln gehören zu über 1000 Freiwilligen, die in der Weihnachtswerkstatt bis zum 15. Dezember die „Geschenke im Schuhkarton“ versandtfertig machen. © Foto: Maria Neuendorff
Maria Neuendorff / 06.12.2018, 07:30 Uhr
Berlin (MOZ) Es gibt Kinder auf der Welt, die haben noch nie ein Geschenk erhalten. Das Projekt „Weihnachten im Schuhkarton“ will das ändern. Die gespendeten Geschenke dafür packen derzeit Ehrenamtliche in Berlin. Ein Besuch in der Weihnachtswerkstatt.

Die Weihnachtsmänner arbeiten in einem Industriegebiet in Lankwitz. In Jeans und Turnschuhen betreten die ersten um 9.30 Uhr den langen Gang eines schmucklosen Flachbaus und melden sich an der Registrierung. Rund 60 Freiwillige sind an diesem Tag zur ersten Schicht gekommen. Monika Engel und ihr Mann sind schon zum zweiten Mal dabei. „Es ist einfach schön, etwas Gutes zu tun und zu sehen, wie liebevoll die Päckchen gepackt sind“, sagt die 55-jährige Bankkauffrau aus Buckow und zeigt einen Schuhkarton. Der Spender hat ihn mit einer Wollmütze, einem Spielzeugflugzeug, Zahnbürste, Schokolade und einer Weihnachtskarte bestückt.

Monika Engels Aufgabe ist es nun, die milden Gaben, die aus Deutschland, der Schweiz und Österreich eintreffen, auf verbotene Gegenstände zu kontrollieren. Zudem müssen die über 100 000 Päckchen nach Alter und Geschlecht gekennzeichnet werden, bevor sie mit Lkws nach  Litauen, Lettland, Montenegro, Polen, Rumänien, Serbien, in die Slowakei und die Ukraine gefahren und dort über Kirchengemeinden an bedürftige Kinder verteilt werden. „Nicht erlaubt sind zum Beispiel verderbliche Lebensmittel, schon gebrauchte Kleidung oder Kriegsspielzeug“, weiß Monika Engel, während sie mit ihrem Mann Mario vorsichtig die bunt gepackten Schuhkartons sichtet.

Neben den Laufbändern stehen zudem Kästen mit Spielzeug und Kosmetikartikeln zum Auffüllen bereit, damit alle Geschenkpakete eine ähnlich sinnvolle Mischung bieten:  Was zum Spielen, was zum Naschen, was zum Anziehen und zum Waschen heißt die Losung. Denn die kleinen Empfänger leben in so prekären Verhältnissen, dass manche von ihnen noch nie im Leben ein Geschenk bekommen haben, erfahren die Ehrenamtlichen in einem kurzen Einführungsvideo.

Um  mitzuhelfen haben viele einen Urlaubstag geopfert. Manche werden auch von ihrem Arbeitgeber zum Sozialtag in die Weihnachtswerkstatt geschickt. Die Schichten dauern viereinhalb Stunden und beginnen jeweils um 9.30, 13, und 17 Uhr. In der Pause kann man sich in der Cafeteria mit Suppe und Crêpes stärken. Während unter der Woche der CD-Player läuft, sorgt sonnabends auch schon mal ein DJ für gute Laune.

Der Lohn ist ohnehin das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben. Die Bilder von lachenden Kindern aus aller Welt mit Geschenken in der Hand motivieren manchen Helfer, gleich eine zweite Schicht dran zu hängen. „Die meisten kommen aus Berlin und dem Umland und melden sich ein paar Tage vorher im Internet an“, erklärt Theresa Werner, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Aber sie hatte auch schon Helfer aus Leipzig.

Der jüngste heute ist 16. „Bei mir waren so viele Lehrer krank, dass die Schule ausgefallen ist“, sagt Michal aus Reinickendorf. Anstatt mit Freunden rumzuhängen, wollte er etwas Sinnvolles tun. „Meine Familie stammt aus Polen und erzählt mir oft, wie schwer für uns die erste Zeit in Deutschland war und wie man uns damals geholfen hat“, erzählt der Schüler. Die Weihnachtszeit ist für ihn der geeignete Moment, etwas zurück zu geben.

„Die Geschenke gehen auch an Minderheiten, die sich von der Gesellschaft ausgestoßen fühlen“, erklärt Martina Pallocks, die für das christliche Hilfswerk schon Päckchen vor Ort verteilt hat. Gerade die persönlichen Briefe, die viele Spender beilegen, seien für die oftmals auch emotional verarmten Kinder das wertvollste Geschenk, sagt Pallocks und berichtet von einem Waisenjungen, der das Foto eines jungen Spenders küsste und diesen gleich als „Bruder“ adoptierte.

Obwohl die Kinder nichts besäßen, seien sie extrem bescheiden. Pallocks erzählt von einem Mädchen, das nicht wusste, ob sie lieber die warme Mütze oder die Puppe nehmen soll. „Sie konnte einfach nicht glauben, dass der gesamte Inhalt für sie war.“ So sei es auch nicht schlimm, wenn mal ein Pulli nicht passt. „Dann wird er sofort an den Bruder weiterverschenkt. Neid wie bei uns, das gibt bei diesen Kindern gar nicht.“

„Hier wird einem schnell bewusst, wie gut es uns geht“, sagt Mario Reinke, während er mit seiner Frau Monika die Kartons mit Klebeband zugeschweißt. Nach der Schicht sind beide geschafft, aber glücklich. „Ich glaube, wir kommen noch ein drittes Mal wieder.“

Die Weihnachtswerkstatt läuft noch bis zum 15. Dezember. Anmeldung unter www.weihnachtswerkstatt.de oder Tel: 030 76 883 883.

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