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BVG lässt 2019 auf Linien 2 und 6 bauen / Die Strecken sind jetzt schon überlastet

U-Bahn-Netz
Mit Sperrungen in das neue Jahr

Wachsende Stadt: Fahrgäste stehen gedrängt am U-Bahnhof Alexanderplatz. Viele Linien sind derzeit überlastet.
Wachsende Stadt: Fahrgäste stehen gedrängt am U-Bahnhof Alexanderplatz. Viele Linien sind derzeit überlastet. © Foto: dpa/Paul Zinken
Maria Neuendorff / 19.12.2018, 07:00 Uhr
Berlin (MOZ) Seit Monaten schon haben Fahrgäste in der Berliner U-Bahn mit überfüllten Zügen, Verspätungen und Ausfällen zu kämpfen. Im kommenden Jahr werden nun wegen Bauarbeiten wichtige Linien gesperrt. Insgesamt wollen die Berliner Verkehrsbetriebe in den kommenden Jahren 800 Millionen Euro in Sanierungen investieren.

Wer häufiger auf der Linie 2 zwischen Pankow und Ruhleben unterwegs ist, kann ein Lied davon singen. Und es klingt nicht fröhlich: Regelmäßig im Berufsverkehr oder zu Großveranstaltungen wie Fußballspielen oder Bahnstreiks ist extremes Kuscheln angesagt. Wer nicht aus Angst vor Platz- und Luftnot schon von alleine zurückbleibt, drückt sich die Nase am Mantel des Nachbarn platt. Die für zwei Minuten später angekündigte Bahn ist auch nach acht Minuten noch nicht eingefahren. Die Anzeige blinkt und blinkt, bis eine Lautsprecher-Ansage aufklärt: „Der Zugverkehr auf der Linie 2 ist derzeit unregelmäßig.“

Der Fahrgastverbands IGEB spricht inzwischen schon von der BVG-Krise. Auslöser sind die wachsende Stadt, alte Fahrzeuge und zu wenig Personal. Doch für die Fahrgäste kommt es noch dicker. Ausgerechnet die chronisch überlastete Linie 2 wird gleich Anfang des neuen Jahres mitten in der City West gesperrt.  Grund ist die Erneuerung von Weichen am Wittenbergplatz. Sieben Wochen lang – vom 4. Januar bis 24. Februar – fährt die Linie U2 nicht zwischen Bahnhof Zoologischer Garten und Gleisdreieck. Auch die U3 wird von Spichernstraße bis Warschauer Straße unterbrochen, wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Dienstag mitteilten.

Die Aufgabe des Ersatzverkehrs soll komplett die U1 (Uhlandstraße -Wahrschauer Straße) übernehmen. Die Linie verläuft zwischen Gleisdreieck und Kurfürstendamm teils parallel zur U2- und zur U3-Strecke. Um den Kollaps zu vermeiden, will man dort in der Bauphase den Takt von zehn auf vier Minuten verringern und auf der Linie 1 mit acht statt mit sechs Wagen fahren.

In der zweiten Bauphase vom 25. Februar bis zum 3. März ist die U2 dann wieder planmäßig unterwegs. Dafür müssen die U1 von Uhlandstraße bis Gleisdreieck und die U3 von Spichernstraße bis Warschauer Straße pausieren. In der dritten Bauphase wird dann noch der Tunnel am Wittenbergplatz bis zum 6. Juni saniert. „Um die Auswirkungen für die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten, finden diese Arbeiten ausschließlich in den Abend- und Nachtstunden statt“, erklärt U-Bahn-Bauchef Uwe Kutscher.

„Die Weichen am Wittenbergplatz sind buchstäblich das Herzstück des Kleinprofil-Netzes“, erklärt Kutscher. In der Hauptverkehrszeit passieren pro Richtung und Stunde rund 40 Züge diesen Abschnitt. „Entsprechend groß ist die Belastung der Anlagen. Damit wir auch in Zukunft im dichten Takt fahren können, müssen wir dort jetzt ran.“

Unbedingt ran wollen die Bauleute auch an eine schadstoffbelastete Decke im Tunnel der U7 an der Parchimer Allee. Dort hätte man in den 60er-Jahren mit neuen Materialien experimentiert. Dass diese nicht feuerfest sind, fiel aber erst vor drei Jahren bei einem Schwelbrand auf. Um die brandgefährdeten Faserplatten zu entfernen, wird die U7 vom 4. Januar an zwischen den Bahnhöfen Blaschkoallee und Parchimer Allee für vier Wochen gesperrt. Als Ersatz fahren Busse.

Gleich vier Monate wird im Herbst 2019  an der südlichen U6 gebaut. Ein neuer Gleiswechsel solle den Verkehr im Zusammenspiel mit dem neuen elektronischen Stellwerk am Mehringdamm in Zukunft deutlich flexibler machen, so Kutscher. Außerdem werden die Tunnel saniert und der barrierefreie Ausbau der Bahnhöfe Alt-Tempelhof und Westphalweg vorbereitet.

„Uns ist klar, dass diese Großvorhaben für die Fahrgäste nicht angenehm sind“, sagt Bauchef Uwe Kutscher. „Alle Maßnahmen sind aber notwendig, damit wir in der wachsenden Stadt leistungsfähig sind.“

Der Meinung ist auch Jens Wieseke, stellvertretender Vorsitzender des Berliner Fahrgastverbandes IGEB. Allerdings hätte man viele Bauarbeiten schon vor vielen Jahren in Angriff nehmen müssen. „Seit langem sprechen wir davon, dass mehr in die Infrastruktur, aber vor allem auch in Fahrzeuge und Personal investiert werden muss“, so Wieseke. Aufgrund des Notstandes will die BVG 1500 neue Wagen erwerben. Mit der Lieferung sei aber nicht vor 2020/21 zu rechnen, hieß es am Dienstag.

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