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Bargeldloses Bezahlen soll Einzug erhalten / Das wird aber die traditionelle Art der Kollekte-Sammlung nicht abhalten

Bargeldloses Bezahlen
Kirchen testen E-Klingelbeutel

Auch eine spendenfreudige Zeit: Besonders zu Weihnachten haben die Kirchen regen Zulauf, wie hier in der Maria Magdalenen Kirche in Eberswalde. Opferstock, Spendenkörbchen und Klingelbeutel funktionieren bald bargeldlos.
Auch eine spendenfreudige Zeit: Besonders zu Weihnachten haben die Kirchen regen Zulauf, wie hier in der Maria Magdalenen Kirche in Eberswalde. Opferstock, Spendenkörbchen und Klingelbeutel funktionieren bald bargeldlos. © Foto: Sören Tetzlaff
Nina Jeglinski / 19.12.2018, 09:00 Uhr
Berlin (MOZ) In der Weihnachtszeit gehen viele Menschen in die Kirche, die das Jahr über keine Gottesdienste besuchen. Die Kirchen nutzen das auch, um eifrig Spenden zu sammeln. Doch noch geschieht dies meist in altmodischer Form. Das soll sich ändern.

In skandinavischen Ländern und in Großbritannien gehört bargeldloses Zahlen der Kollekte schon zum Alltag. In Frankreich und in Deutschland experimentieren derzeit viele Gemeinden mit Kartenzahlungsmodellen im Gottesdienst. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) testet den E-Klingelbeutel derzeit „in einer stillen Erprobung“, wie Heike Krohn-Bräuer, Pressesprecherin der EKBO verrät. Hintergrund für den neuen Klingelbeutel ist der Trend zum bargeldlosen Bezahlen, sagt Fabian Kraetschmer, Leiter des IT-Referats bei der EKBO. Die meisten Banken verlangen vermehrt Gebühren für die Einzahlung von Münzen. Gerade im ländlichen Bereich gäbe es weitere erhebliche Herausforderungen: Lange Wege zu den Annahmestellen, Fahrkosten, Gebühren, Verwaltung – „all das schmälert jeden Kollektenbetrag empfindlich“.

Allerdings brauchen sich Kirchgänger keine allzu großen Sorgen zu machen, die bargeldlose Kollekte wird in Deutschland aller Voraussicht nach für viele Jahre eine Ergänzung zum herkömmlichen Klingelbeutel sein. Das gehe auch gar nicht anders, heißt es in der Evangelischen Kirdchengemeinde in Frankfurt (Oder). Dort besuchen vor allem ältere Menschen den Gottesdienst, die seien es gewöhnt Bargeld mitzuführen. „Von denen geht keiner mit der Plaste-Karte sonntags oder zu Weihnachten in die Kirche“, sagt ein Kirchenmitarbeiter.

Vor allem die großen Frankfurter Kirchen St. Gertraud sowie St. Georg werden am 24. Dezember nicht nur die Besucher anziehen, die regelmäßig die Kirche besuchen. Besonders beliebt sind die Gottesdienste am Nachmittag. Mit dem Krippenspiel wird die Weihnachtsgeschichte nachgespielt, was auch so manchem märkischen Atheisten in die Kirche lockt. In Brandenburg sind lediglich 20 Prozent der Bevölkerung Mitglied einer der beiden großen christlichen Kirchen.

Auch die Katholische Kirche erprobt den E-Klingelbeutel. Allerdings gebe es keine Testläufe wie bei der Evangelischen Kirche Berlins, teilte Stefan Förner, Sprecher beim Erzbischöflichen Ordinariats Berlin mit. In vielen deutschen Großstädten wird die E-Kollekte derzeit in katholischen Kirchen erprobt. Die katholische Pax-Bank Köln hat mittlerweile einen elektronischen Opferstock im Programm. Damit sollen die großen katholischen Gotteshäuser in Köln und der Umgebung angesprochen werden. Vor allem die dortigen Dom- und Wallfahrtskirchen sind touristische Attraktionen und ziehen jedes Jahr Millionen von Besuchern, vor allem auch aus dem Ausland, an.

Am Beispiel Klingelbeutel zeige sich, wie unterschiedlich die Bereitschaft zur Digitalisierung ist, so die Pax-Bank. Zudem komme der Aspekt der Pietät dazu. „Der Einsatz von Klingelbeuteln wird in den Kirchen schon lange kontrovers diskutiert“, weiß Dr. Klaus Schraudner, Vorstandsvorsitzender der Pax-Bank in Köln. „Manchen stört das Geräusch von klimperndem Münzgeld beim Gottesdienst. Viele haben aber auch ein Störgefühl bei der Spende per Karte. Der digitale Klingelbeutel der Pax-Bank kommt erst einmal als Hybrid-Lösung zum Einsatz. Das bedeutet: An den Rand eines modern gestalteten Klingel-Körbchens wird ein Lesegerät mit NFC-Technologie integriert. Die Bezahlung erfolgt kontaktlos über die Karte oder das Smartphone mit NFC-Kennung – genau wie an jeder Supermarktkasse. Der Kirchenbesucher kann voreingestellte Beträge von zum Beispiel ein bis 25 Euro wählen und braucht keine PIN. Es gelten die gleichen hohen Sicherheitsstandards wie bei anderen NFC-Terminals.

Zu Weihnachten 2019 werden – so viel scheint klar – auch in vielen deutschen Kirchen E-Klingelbeutel, in welcher Form auch immer, zum Einsatz kommen. Wie weit sich die E-Kollekte dann deutschlandweit durchsetzen wird, hängt am Ende von den Kirchenbesuchern ab.

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