Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Kriminalität
Verhafteter Bruder von Berliner Clanchef noch nicht überstellt

Beamte sind oft wegen verfeindeter Clans im Einsatz. Vermummte Einsatzkräfte stehen vor einem Kiosk im Berliner Stadtteil Neukölln.
Beamte sind oft wegen verfeindeter Clans im Einsatz. Vermummte Einsatzkräfte stehen vor einem Kiosk im Berliner Stadtteil Neukölln. © Foto: Paul Zinken/dpa
dpa / 24.01.2019, 17:10 Uhr - Aktualisiert 24.01.2019, 17:21
Berlin (dpa) Der in Dänemark verhaftete Bruder eines arabischstämmigen Berliner Clanchefs ist bislang nicht nach Deutschland überstellt worden. Ein Termin dafür sei noch nicht bekannt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Die Auslieferung des Mannes nach Deutschland wurde von den Berliner Behörden beantragt. Der 37-jährige Mann war am Montagabend festgenommen worden. Er soll an Planungen zur Entführung von Familienmitgliedern des Rappers Bushido beteiligt gewesen sein.

Der Clanchef, ein ehemaliger Freund und Geschäftspartner von Bushido, war in der vergangenen Woche in einem Berliner Gerichtssaal wegen der gleichen Vorwürfe verhaftet worden. Er sitzt seitdem wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft.

Laut Staatsanwaltschaft steht der 42-jährige Clanchef mit deutscher Staatsangehörigkeit unter dem dringenden Verdacht, eine Entführung von Bushidos Kindern oder Frau geplant zu haben. Es sei aber nicht zur Ausführung der Tat gekommen. Nähere Angaben wurden nicht gemacht. Im Büro von Anwalt Hansgeorg Birkhoff hatte es auf Anfrage geheißen, er gebe grundsätzlich keine Auskunft zu Mandantenverhältnissen.

Ende November hatte die Berliner Polizei mit einem größeren Aufgebot in Kleinmachnow südwestlich der Hauptstadt ein Haus durchsucht. Der Einsatz stand im Zusammenhang mit den aktuellen Ermittlungen.

Bushido und seine Frau Anna-Maria Ferchichi hatten im September 2018 in einem Interview des Magazins „Stern“ über die Trennung von ihrem langjährigen Geschäftspartner gesprochen. Dabei sagten sie auch, sie fühlten sich bedroht. Bushido erzählte, er habe die Familie abgesichert. „Falls mir etwas passieren sollte, ist für meine Frau und meine Kinder gesorgt.“ Er führe die Auseinandersetzung nach der Trennung juristisch. „Aber auf der Straße laufen ganz andere Sachen, über die niemand mit der Polizei redet.“ Seine Frau ergänzte: „Natürlich haben wir Angst, dass jemand aus Rache auf mich oder meinen Mann schießt. Eigentlich rechnen wir jeden Tag damit.“

In dem Lied „Mephisto“ aus dem vergangenen Jahr sang Bushido in der dritten Person über eine zerstörerische Beziehung zu einem Freund und Partner. „Ein Teufel und Diktator, nach außen immer höflich. Seine tausende Gesichter zu durchschauen, war nicht möglich. Ein Meister der Intrigen, gespalten seine Zunge.“ Und weiter: „Jeder weiß, der Teufel hat sein eigenes Motiv. Das Leid, das er Menschen zufügt, ist sein Profit. Der Junge hätte lieber seine Finger davon lassen sollen. Doch stattdessen machte er Mephistos Taschen voll.“ Und zum Schluss: „Von jetzt an keine Kompromisse mehr.“

Kriminelle Mitglieder arabischstämmiger Großfamilien stehen derzeit bundesweit verstärkt im Visier der Polizei. In Berlin wurden im vergangenen Jahr 77 Häuser und Wohnungen einer anderen Großfamilie eingezogen. Drei Mitglieder dieser Familie stehen derzeit wegen des Diebstahls einer Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum vor dem Landgericht. In Nordrhein-Westfalen wurden bei einer Razzia gegen Clankriminalität 14 Verdächtige festgenommen. Hunderte Kilogramm von unversteuertem Tabak, verbotene Messer und Schlagstöcke, einige Tausend Euro Bargeld und Drogen wurden sichergestellt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG