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Überforderung
Hochschulen tun sich schwer mit Zahlen zu Studienabbrechern

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Symbolfoto © Foto: dpa/Bodo Marks
dpa / 06.02.2019, 09:08 Uhr
Berlin (dpa) Überforderung, Krankheit, Geldmangel oder Heimweh sind nur einige Gründe, warum junge Menschen ihr Studium abbrechen. Berliner Hochschulen versuchen mit Ankerprofessoren, Schreiblaboren oder stressarmen Studienplänen, ihre Studierenden bei der Stange zu halten, wie eine dpa-Umfrage zeigt. Mit Zahlen zu Abbrecherquoten tun sich die meisten befragten Hochschulen allerdings schwer. Nur die wenigsten nennen Zahlen.

Statistiker melden seit Jahren immer neue Rekorde: Rund 191 000 Studenten waren Ende 2018 an den Hochschulen Berlins eingeschrieben. Doch nicht jeder beendet sein Studium. Wie viele Abbrecher es in Berlin gibt, ist allerdings unklar. „Niemand, der ein Studium nicht fortsetzt, ist verpflichtet, Gründe anzugeben oder Angaben darüber zu machen, welche Tätigkeit im Anschluss aufgenommen wird“, erläutert eine Sprecherin in der Wissenschaftsverwaltung.

Aussagekräftiger seien die vom Statistischen Bundesamt errechneten Erfolgsquoten. „Die aktuellsten Daten von 2016 zeigen, dass bis zu rund 84 Prozent der Studierenden in Berlin in einem bestimmten Zeitraum ihr Studium in grundständigen Studiengängen erfolgreich abgeschlossen haben. Im Ländervergleich ist Berlin damit stets unter den Top 3 der höchsten Erfolgsquoten“, sagt die Sprecherin.

Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) von 2018 lag die Abbrecherquote 2016 über alle Hochschularten und Fächer in Deutschland hinweg bei 28 Prozent - mehr als jeder Vierte beendete also sein Studium ohne Abschluss.

Für die Humboldt-Universität nennt Steffan Baron, Leiter der Studienabteilung, Zahlen: Demnach lag die Abbrecherquote in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt zwischen rund vier und zehn Prozent. Das meiste Durchhaltevermögen haben demnach Studenten der Masterstudiengänge Psychologie, Sonderpädagogik und Chemie mit einer Abbrecherquote von jeweils nur 1,3 bis 1,5 Prozent. Von weniger Erfolg gekrönt sind Italienisch, Polymerwissenschaften, Ungarische Literatur sowie Sozialwissenschaften mit Abbruchquoten von rund 27 Prozent.

Andere befragte Hochschulen gaben an, keine solchen Statistiken zu führen. An der Freien Universität (FU) etwa könne man nur eine „Schwundquote“ für die Fächer berechnen, erläutert Sprecher Goran Krstin, ohne Daten zu nennen. Zum „Schwund“ zählten auch Hochschulwechsler. Die Technische Universität gibt an, die Zahlen „nicht standardmäßig“ zu erheben und verweist auf eine Studie zu ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen, an der sich auch die TU beteiligt habe. Demnach brechen etwa 23 Prozent der Studenten bis zum 7. Semester ab, sechs Prozent wechseln das Fach und neun Prozent die Hochschule.

Von der Sprecherin der Universität der Künste heißt es: „Die Gründe für Studienabbrüche an einer künstlerischen Hochschule sind vielfältig – hierzu erheben wir keine Statistiken, und diese Informationen obliegen auch – so sie uns im Einzelfall vorliegen – dem Datenschutz“.

Um die Zufriedenheit der Studenten bemüht, organisiert die FU regelmäßig Befragungen. Außerdem gibt es laut einem Sprecher ein Mentoringprogramm, bei dem Studenten beratend unterstützt werden.

Eine Vielzahl von Angeboten nennt die Beuth Hochschule für Technik Berlin. Dort werden laut Sprecherin Monika Jansen Studenten bei Krankheit, Behinderung, Spitzensport oder Fluchterfahrung gezielt unterstützt. Es gibt außerdem unter anderem Schreiblabore, Familienzimmer, eine Kita und eine Notfallbetreuung für Kinder. Eine Statistik zum Studienabbruch aber auch hier: Fehlanzeige.

An der privaten Fachhochschule bbw Akademie für Betriebswirtschaftliche Weiterbildung gibt es für alle rund 1200 Studenten feste Ansprechpartner unter den Professoren. Diese „Ankerprofessoren“ sollen laut Sprecherin Heike Mielke bei fachlichen, aber auch anderen Fragen helfen. Darüber hinaus setze die Hochschule auf Offenheit im wahrsten Sinne des Wortes: Die Büros aller Mitarbeiter stehen demnach so oft es geht, offen. „Sie wollen mit den offenen Türen zeigen, dass sie ansprechbar sind“, so Mielke.

Die Hochschule wolle außerdem, dass alle Studenten angstfrei und stressarm studieren können. Klare Strukturen und feste Stundenpläne mit genug Luft zum Arbeiten und Lernen sollen dies laut Mielke ermöglichen. Lange habe die Abbrecherquote an der Hochschule bei drei bis fünf Prozent gelegen. Nach Einführung von Masterstudiengängen für internationale Studenten sei sie auf etwa sieben Prozent gestiegen.

Damit Studenten auch die Abschlussphase überstehen, bietet die Humboldt-Universität unter anderem ein Abschlusscoaching an. Für Studenten, die über einen Abbruch nachdenken, gibt es unter anderem eine Perspektivenberatung. Außerdem bietet die Hochschule gemeinsam mit Arbeitsagentur, Notar-, Handwerks- und Industrie- und Handelskammer (IHK) regelmäßig Veranstaltungen zur beruflichen Neuorientierung an.

Die IHK lädt Studienabbrecher am 10. April zu einer speziellen Messe ein. Im Gegensatz zu den Studierendenzahlen gehen die Ausbildungszahlen nämlich deutlich zurück, Nachwuchs wird händeringend gesucht. Außerdem startet im Februar das Ausbildungsprogramm „YourTurn“ für einige Berufe. Studienabbrecher können ihre Ausbildung in 1,5 Jahren absolvieren.

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