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Zentral- und Landesbibliothek
Mehr als eine Bücherei

Maria Neuendorff / 20.03.2019, 06:30 Uhr
Berlin (MOZ) Mit dem Neubau der Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) soll am Halleschen Tor ein ganzes Wissenschaftsquartier entstehen. Im Rahmen des Schinkel-Preises haben Nachwuchs-Planer  Entwürfe entwickelt, wie das aussehen könnte. Der Sonderpreis ging dabei an die BTU Cottbus-Senftenberg.

Ein billiger Möbelladen, Taubendreck unter dem Hochbahnviadukt, verwahrloste Grünflächen und eine BVG-Endhaltestelle prägen das heutige Bild des Blücherplatzes am U-Bahnhof Hallesches Tor. Obwohl täglich zig Anwohner, Studenten und Familien in die Amerika-Gedenkbücherei strömen, hat der zentral gelegene Ort an der Grenze von Kreuzberg und Mitte alles andere als Aufenthaltsqualität.

"Neue Kreuzberger Wiese" haben Aleksandra Czaj und Kinga Krawczyk deshalb ihren Entwurf für die neue Zentral- und Landesbibliothek genannt, die wie eine begehbare Terrasse wirkt. Die beiden Studenten der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg haben im Rahmen des Schinkel-Wettbewerbes den Sonderpreis der Karl-Friedrich-Schinkel-Stiftung gewonnen. Insgesamt 357 Nachwuchs-Planer aus mehreren Ländern und verschiedenen Sparten nahmen an dem vom Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin auslobten Nachwuchswettbewerb teil. Die Studenten waren nicht nur aufgerufen, eine "Bibliothek der Zukunft" zu gestalten, sondern "ein urbanes, zukunftsweisendes Stadtquartier unter Einbeziehung des historischen Erbes zu entwickeln", heißt es in der Aufgabenstellung.

So geht es unter anderem auch darum, die "ungeordnete Verkehrssituation" des Areals zu gestalten, auf dem die Amerika-Gedenkbücherei aus den 50er-Jahren schon heute täglich 4000 Besucher anzieht.

Das Hochviadukt für die U-Bahn über dem Landwehrkanal sowie das viel befahrene Nadelöhr Hallesches Ufer zerschneiden das eigentlich sehr zentral gelegene Kreuzberger Areal an der Grenze zu Mitte. So plante  Markus Storch von der TU Dresden, der einen der mit 3000 Euro dotierten Schinkel-Preise gewann, großzügige und fußgängerfreundliche Querungsmöglichkeiten. Allerdings wären diese nur umzusetzen, wenn die Ost-West-Trasse am Landwehrkanal verkehrsberuhigt wird.

Die greifen die Entwürfe auch den ganz realen, derzeit diskutierten Vorschlag auf, unter dem Viadukt einen Radschnellweg zu errichten. Die Wettbewerbs-Teilnehmer der Sparte "Konstruktiver Ingenieurbau" sollten die Radbahn um einen Abzweig entlang des Kanals in Süd-Ost-Richtung und Urbanhafen ergänzen. Studenten der TU haben gemeinsam mit Nachwuchs-Ingenieuren der HCU Hamburg ihren Rad- und Gehweg südlich des Landwehrkanals in die Höhe verlegt und überbrücken die Zossener Straße in einer S-Kurve. Und so sind unter den zwölf prämierten Arbeiten, die derzeit in der Universität der Künste ausgestellt werden, echte futuristische Hingucker dabei.

Leider fungieren die Entwürfe des bundesweit bedeutenden Wettbewerbs nur als eine Ideen-Sammlung. Politik und Verwaltung sind längst nicht soweit. Nach jahrelangen Diskussionen um andere Standorte wie das Tempelhofer Feld oder das Marx-Engels-Forum, hatte der Senat erst im vergangenen Sommer entschieden, Deutschlands größten Bibliotheksstandort an das südliche Ende der Friedrichstraße zu setzen. "Derzeit wird der architektonische Realisierungs-Wettbewerb vorbereitet, der im Jahr 2020 durchgeführt werden soll", erklärt Katrin Dietl, Sprecherin Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Zunächst müssten die Fragen des Verkehrs, des Städtebaus und des Denkmalschutzes geklärt werden.

Die prämierten Entwürfe sind bis 30. März, montags bis freitags von 9 bis 21 Uhr und sonnabends von 11 bis 19 Uhr, in der Quergalerie der Universität der Künste Berlin, Hardenbergstraße 33 in  Charlottenburg, zu sehen.

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