Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

600 Verfahren
Kampf gegen illegale Autorennen

Die Berliner Tauentzienstraße ist nach einem illegalen Autorennen 2016 gesperrt. Riskante Raserei und illegale Autorennen auf Berlins Straßen sollen verstärkt bekämpft werden. Dazu stellt Justizsenator Dirk Behrendt seine Überlegungen vor.
Die Berliner Tauentzienstraße ist nach einem illegalen Autorennen 2016 gesperrt. Riskante Raserei und illegale Autorennen auf Berlins Straßen sollen verstärkt bekämpft werden. Dazu stellt Justizsenator Dirk Behrendt seine Überlegungen vor. © Foto: dpa/ZB/Britta Pedersen
dpa / 15.05.2019, 09:02 Uhr - Aktualisiert 15.05.2019, 15:35
Berlin (dpa) In Berlin wird im Schnitt jeden Tag ein neues Strafverfahren wegen gefährlicher Raserei oder illegaler Autorennen eingeleitet.

Seit Einführung des Paragrafen 315d im Oktober 2017 seien 601 derartige Verfahren registriert worden, sagte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Mittwoch. Die Raser seien zumeist männlich und zwischen 20 und 30 Jahre alt. Die Justiz werde nicht nachlassen, die gefährlichen Rennen zu bekämpfen.

Die Berliner Amtsanwaltschaft bearbeitet diese Delikte. Sie ist neben der Staatsanwaltschaft eine eigenständige Strafverfolgungsbehörde, die es außer in Berlin nur noch in Frankfurt/Main gibt. In Berlin bearbeitet sie außer Vergehen im Straßenverkehr Kleinkriminalität in eigener Zuständigkeit.

Der Erste Oberamtsanwalt Andreas Winkelmann berichtete, 199 Fälle seien seit der Gesetzesänderung angeklagt worden, inzwischen gebe es rund 60 Verurteilungen. Es waren laut Winkelmann zumeist Geldstrafen, daneben gab es Freiheitsstrafen mit und ohne Bewährung. Rund 150 Verfahren seien eingestellt worden.

Täter seien am meisten beeindruckt, wenn sie von der Polizei gestellt und dann Führerschein und Auto sofort beschlagnahmt werden, so Winkelmann. Sie müssten dann zu Fuß weiter. In den Verfahren erlebe er Verdächtige von arrogant über renitent bis betroffen. Die zumeist deutschen Männer hießen aber selten Müller, Meyer oder Schulze.

Allein in diesem Jahr wurden laut Oberamtsanwalt bis zum 7. Mai 184 neue Verfahren eingeleitet. Die Fälle könnten zunehmen, denn die diesjährige "Rasersaison" habe erst begonnen, so Winkelmann. Auffällig seien derzeit "Geschicklichkeitsfahrten" zu großen Hochzeitsfeiern, bei denen Autos um 360 Grad gedreht werden - das sei im Jargon ein "Donut".

Mit der Gesetzesänderung wurde im Strafgesetzbuch illegales Autorennen von einer Ordnungswidrigkeit zur Straftat hochgestuft. Seitdem kann nun schon die Teilnahme an illegalen Autorennen mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden. Der neue Paragraf 315d sieht zudem bis zu zehn Jahre Gefängnis vor, wenn durch ein "verbotenes Kraftfahrzeugrennen" der Tod eines anderen Menschen verursacht wird.

Durch immer bessere technische Möglichkeiten in den Fahrzeugen könnten zunehmend Daten ausgelesen werden, die als Beweise verwendet werden können, hieß es. Dabei gebe es Kooperationen mit Verleih-Firmen. In rund 90 Prozent aller Fälle wird laut Winkelmann in Mietfahrzeugen gerast. Hier lasse sich der Fahrer nicht immer zweifelsfrei ermitteln. Problematisch sind laut Winkelmann "Einzelraser" ohne einen Konkurrenten. Hier müsse leichtfertiges Handeln nachgewiesen werden.

Die Beschlagnahme von Fahrzeugen als Tatobjekt ist laut Angaben meist nicht von Dauer. Erst in einem einzigen Fall sei das bislang rechtskräftig gelungen. Die Durchschnitts-PS-Zahl bei Autozulassungen sei auf 150 gestiegen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG