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Digitalisierung
Roboter im Reisezentrum

Sorgt für Aufsehen: Kinder versuchen im Hauptbahnhof, mit "Semmi", dem neuen Roboter vom Kundenservice, auf Spanisch zu sprechen. Die Computerdame kann mehrere Sprachen.
Sorgt für Aufsehen: Kinder versuchen im Hauptbahnhof, mit "Semmi", dem neuen Roboter vom Kundenservice, auf Spanisch zu sprechen. Die Computerdame kann mehrere Sprachen. © Foto: dpa/Lisa Ducret
Maria Neuendorff / 13.06.2019, 06:00 Uhr
Berlin (MOZ) Die neue Mitarbeiterin im Reisezentrum trägt ein rotes DB-Halstuch und hat keine Haare.

Wenn sich jemand vor ihren Wäschetrockner-artigen Bauch stellt, dreht sie den Kopf hin und her, rollt mit den Augen und sagt: "Guten Morgen. Wie kann ich Dir weiterhelfen?" Zugreisende können am Berliner Hauptbahnhof nun auch die Roboter-Dame um Auskünfte bitten. Ob sie erhellende Antworten bekommen, hängt aber von der Internetverbindung ab.

Beim ersten Testlauf am Mittwochmorgen braucht "Semmi" noch sehr lange, um zu überlegen und wirkt manchmal abwesend. "Das liegt hier an den Glasfaserleitung. Das Problem ist zwar absolut real, aber wird mit der Zeit verschwinden", versichert Sabina Jeschke, DB-Vorstand für Digitalisierung und Technik.

Die Bahn will die Interaktion zwischen Mensch und Maschine sechs Wochen lang an Deutschlands größtem Kreuzungsbahnhof testen. "Semmi" soll dabei durch die Unterhaltungen von Tag zu Tag dazulernen. Sie kann in mehreren Sprachen wie Englisch, Französisch, Polnisch, Spanisch und Italienisch kommunizieren, käme aber auch mit einem schwäbischen Akzent zurecht", versichert Jeschke.

Zwar kann man bei der Roboter-Kollegin weder Zugtickets bestellen noch sich beschweren, aber man kann sie zum Beispiel nach der nächsten Verbindung nach München fragen. Nach dem holprigen Beginn und einem Neustart kommt die Computerdame dann auch langsam in Fahrt und gibt die voraussichtliche Ankunftszeit und einen Hinweis auf eine aktuelle Verspätung an. Auf die Frage, wo es die nächste Pizza gibt, muss sie noch passen. Auf die Frage nach Kaffee, zählt sie die einschlägigen Ketten im Bahnhof auf und bittet ihr Gegenüber, auf ihr Display zu schauen, auf dem ein Lageplan aufleuchtet.

Die Deutsche Bahn hat das künstlich intelligente Sprachdialogsystem nach eigenen Angaben aber vor allem entwickelt, um Kunden zum Beispiel über Unwetter und ihre Auswirkungen in "Echtzeit" informieren zu können.  Die DB-Technologie wurde schon am Flughafen in Frankfurt am Main sowie auf einem Bahnhof in Tokio getestet.  Das langfristige Ziel sei, eine App zu entwickeln, die auch unabhängig von Robotern genutzt werden kann. "Das Personal an den Schaltern hat so mehr Zeit für die intensive Beratung", erklärt Sabina Jeschke.  "So können Wartezeiten in den Stoßzeiten reduziert werden."

Semmi ist nur ein Teil der Digitalisierungsoffensive der Bahn.  Getüftelt wird unter anderem auch an intelligenten Gleisen, mit denen man den Reparaturbedarf an Weichen erkennen kann. Oder Bordcomputer, die errechnen, wann der Zug abbremsen muss, um nicht zu dicht auf den nächsten Zug aufzufahren. "Durch die Maßnahmen könnten 20 Prozent mehr Kapazitäten herausgeholt werden", erklärt Jeschke.

Die neue Roboter-Mitarbeiterin erinnert in ihren Reaktionen an die Sprachassistentin Alexa. Semmi steht dabei für "Sozio-Emphatische Mensch-Maschine-Interaktion". Neben Informationen zur Reise kann die Roboter-Dame auch Small Talk. Allerdings wirkt sie dabei neugierig und auf Datenfang: Wenn man sie fragt: "Wie geht es Dir?", antwortet Semmi: "Gut, wenn Du mir Deine Zugnummer verrätst, wird es mir deutlich besser gehen."

Für Erheiterung sorgt sie dagegen ganz ohne Gegenleistung. "Was passiert, wenn man Cola mit Bier mischt? Man kollabiert.", sagt Semmi, wenn man sie bittet, einen Witz zu erzählen.

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