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Denkmalschutz
Schinkel-Kirche in Berlin gerettet

In neuem Glanz: Die jahrelang geschlossene Kirche soll ab Sommer 2020 wieder als Skulpturen-Museum eröffnen.
In neuem Glanz: Die jahrelang geschlossene Kirche soll ab Sommer 2020 wieder als Skulpturen-Museum eröffnen. © Foto: Jordan Raza/dpa
Maria Neuendorff / 15.01.2020, 08:00 Uhr
Berlin (MOZ) Viele Jahre lang war es dunkel in der Friedrichswerderschen Kirche. In den mit schwerem Gerüst und Bauplanen abgesicherten  Sakralbau in der Nähe des Schlossplatzes kamen nur Bauleute und Statik-Experten.

Anfangs gaben sie der einzigen Schinkel-Kirche in Berlins Mitte keine gute Prognose. Nachdem ihr Luxusapartments viel zu dicht auf die Pelle gerückt waren, durchzogen tiefe Risse den Backsteinbau. Durch den Bau einer Tiefgarage sackte das Gotteshaus wie nach einem Erdbeben ab. Das Gewölbe drohte einzustürzen. "Es war ein sehr bedrohlicher Zustand für Menschen und Kunstwerke", sagt Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie.

Doch Gott lässt immer wieder Wunder geschehen. Trotz vieler Unkenrufe ist die Kirche nach acht Jahren Zwangsschließung und einer umfangreichen Sanierung gerettet. Licht durchflutet wieder den Innenraum. "Und das, obwohl heute nicht mal ein sonniger Tag ist", freut sich Gleis, der die Pforten  am Dienstag erstmals für Journalisten öffnete. Auch Risse sind nicht mehr zu sehen. Rund acht Millionen Euro kostete die Instandsetzung. Das Geld kam von der Bauwert AG, die einen der Neubauten nebenan errichtetet hatte. Nach einem öffentlichen Aufschrei, vielen Medienberichten und langen Verhandlungen wurde auch ein Teil der Randbebauung etwas zurückgenommen, sodass der Westflügel nicht vollkommen verschattet wurde, berichtet Gleis.

Die Friedrichswerdersche Kirche ist der einzige in der Berliner Innenstadt erhaltene Kirchenbau Karl Friedrich Schinkels (1781-1841), dessen Fassade und Innenraum in der ursprünglichen Erscheinungsform erhalten sind. Wer eine der hölzernen Wendeltreppen hinaufsteigt, kann auf der Empore in die Geschichte der 1830 eröffneten neogotischen Kirche eintauchen. Eine Ausstellung erzählt, dass der Schinkel-Bau schon im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden erlitt. Schon die Sanierung zu DDR-Zeiten war unheimlich aufwendig und dauerte von 1979 bis 1986. Damals baute man auch die im Krieg ausgelagerten farbigen originalen Schinkel-Fensterscheiben wieder ein. Im Rahmen des 750-Jahr-Stadtjubiläums wurde das Gotteshaus als Museumskirche wiedereröffnet.

Die Skulpturen aus der Nationalgalerie, die dort bis zur Sperrung 2012 zu sehen waren,  sollen ab Sommer nun wieder einziehen. Die Sockel unterschiedlicher Größe stehen im Kirchenschiff schon bereit. Besonders bekannt ist unter anderem die "Prinzessinnengruppe" von Gottfried Schadow, ein Doppelstandbild der Prinzessinnen Luise und Friederike von Preußen.  Auch die neu konzipierte Ausstellung, die im kommenden Sommer eröffnen soll, zeigt Werke von bekannten Bildhauern wie Christian Daniel Rauch und Friedrich Tieck.

Die Bandbreite reicht von der Schinkel-Zeit bis zum Kaiserreich. Die Schinkel-Kirche sei als Ausstellungsort perfekt, weil Architektur und Bildhauerei von jeher als Schwesternkünste verstanden wurden, erklärt Kuratorin Yvette Deseyve von der Alten Nationalgalerie. Schinkel, der als Universalgenie galt und auch Maler, Bühnenbildner und Gestalter war, habe zwar nie selbst Hammer, Klöppel und Modelliereisen in die Hand genommen. "Aber er hat immer sehr eng mit Bildhauern zusammengearbeitet."

Und so können Besucher künftig bei sogenannten Schau-Restaurationen zusehen, wie eine lebensgroße Statue von Hugo Hagens restauriert wird, mit der dieser seinem Kollegen Schadow einst ein lebensgroßes Denkmal setzte. Mit zwei Tagen der offenen Tür am kommenden Wochenende wird die Kirche erstmals seit 2012 wieder für das Publikum geöffnet. Danach soll bis zur Eröffnung der Ausstellung im Sommer durch Führungen und Vortragsreihen die Stadtgesellschaft animiert werden, ihre berühmte Kirche nach langem Dornröschenschlaf Stück für Stück wieder in  Beschlag zu nehmen.

Tage der offenen Tür, Friedrichswerdersche Kirche, 18. und 19. Januar von 10 bis 16 Uhr, Werderscher Markt, Eintritt frei. Ab Februar jeden 2. und 4. Sonntag im Monat Führungen angeboten. Infos unter: www.smb.museum/fwk

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