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Tödlicher Lkw-Unfall
Fahrer in Berlin weist Vorwurf der Fahrlässigkeit zurück

Der Lkw-Fahrer, der eine Fußgängerin übersehen und daraufhin überfahren haben soll, weist zu Prozessbeginn im Amt Tiergarten den Vorwurf der Fahrlässigkeit zurück (Symbolbild.
Der Lkw-Fahrer, der eine Fußgängerin übersehen und daraufhin überfahren haben soll, weist zu Prozessbeginn im Amt Tiergarten den Vorwurf der Fahrlässigkeit zurück (Symbolbild. © Foto: Sven Braun/dpa
dpa / 26.02.2020, 17:00 Uhr - Aktualisiert 26.02.2020, 18:09
Berlin (dpa) Der Berufskraftfahrer kämpft mit den Tränen, als er die Anklage hört: Zwei Jahre nach einem tödlichen Abbiegeunfall steht ein 40-Jähriger in Berlin vor Gericht. Er hatte eine 63 Jahre alte Fußgängerin angefahren und überrollt, als er mit seinem Sattelzug im Stadtteil Kreuzberg rechts abbog. Den Vorwurf der fahrlässigen Tötung allerdings weist der Angeklagte zurück. Er sei erst angefahren, als der Bereich für Radfahrer und Fußgänger frei und die Ampel für Passanten auf Rot gestanden habe, erklärt er am Mittwoch zu Beginn des Prozesses vor dem Amtsgericht Tiergarten.

Laut Anklage soll der 40-Jährige am 19. Februar 2018 gegen 9.58 Uhr von der Kottbusser Straße rechts in die Skalitzer Straße eingebogen sein, ohne anzuhalten und ohne die Passanten zu beachten, die bei grüner Ampel die Straße queren wollten. Erschwerend für seine Sicht sei hinzugekommen, dass die Windschutzscheibe des Lkw verschmutzt gewesen sei und die heruntergeklappte Sonnenblende den Frontspiegel verdeckt habe. Die Fußgängerin verstarb noch am Unfallort.

In trauriger Regelmäßigkeit, 30 bis 40 Mal pro Jahr, sterben den Angaben zufolge Menschen in Deutschland unter den Rädern von Lastwagen. Um tödlichen Lkw-Abbiegeunfällen vorzubeugen, dringen Interessenvertreter von Radfahrern und Logistik gemeinsam auf zügige Veränderungen. Es gehe unter anderem um den Umbau von Kreuzungen, getrennte Grünphasen für Radler und Rechtsabbieger an Ampeln sowie mehr Lastwagen mit Abbiegeassistenten.

Ein Unfallschwerpunkt ist auch das Kottbusser Tor in Kreuzberg. Die Polizeistatistik für 2018 habe an dem Verkehrsknotenpunkt 24 Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern oder Fußgängern erfasst, heißt es am Rande des Prozesses. Ein Zeuge, der bei dem tödlichen Unfall vor zwei Jahren mit seinem Auto hinter dem Sattelzug fuhr, sagt: „Die Ecke ist die absolute Hölle.“ Er bewege sich dort sehr vorsichtig. Und auch er habe die Fußgängerin nicht wahrgenommen. „Sie war definitiv nicht am Fußgängerüberweg.“

Woher kam die 63-Jährige? Lief sie bei für sie roter Ampel? Viele Fragen sind offen. Ein Unfallanalytiker hat sich mit dem Fall beschäftigt. Drei mögliche Varianten berechnete er. Bei einer davon hätte der Angeklagte die Frau 0,9 Sekunden vor der Kollision sehen können. „Der Anstoß wäre wahrscheinlich nicht vermeidbar gewesen, aber das Überrollen“, so der Experte.

Der Angeklagte folgt dem Prozess mit gesenktem Kopf. Seine Sicht sei damals nicht beeinträchtigt gewesen durch schmutzige Scheiben oder eine Sonnenblende, sagt seine Verteidigerin. Er selbst, ein Mann mit zehnjähriger Berufserfahrung, habe sich nach dem Unfall in psychologische Behandlung begeben müssen. „Das Geschehen belastet ihn bis heute schwer. Er bedauert sehr, was geschehen ist.“

Am 20. März soll ein medizinischer Gutachter vernommen werden. Es gehe um die Frage, ob die Fußgängerin schon beim ersten Anstoß oder durch das Überrollen tödlich verletzt wurde, so der Richter. Das sei entscheidend in diesem Fall.

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