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Mietendeckel
Berliner Mieten stagnieren, Deutsche Wohnen baut vermehrt außerhalb Berlins

Seit Februar gilt in Berlin der Mietendeckel, es sind nur noch geringe Mieterhöhungen möglich. Die Deutsche Wohnen blickt stärker auf andere Sädte.
Seit Februar gilt in Berlin der Mietendeckel, es sind nur noch geringe Mieterhöhungen möglich. Die Deutsche Wohnen blickt stärker auf andere Sädte. © Foto: Frank May/dpa
dpa / 25.03.2020, 14:23 Uhr - Aktualisiert 25.03.2020, 16:27
Berlin (dpa) Bei dem jahrelangen starken Anstieg der Mieten in Berlin zeichnet sich einer Studie zufolge ein Ende ab.

Bei Neuverträgen haben Vermieter im vergangenen Jahr im Mittel 10,45 Euro kalt je Quadratmeter verlangt, 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus dem Immobilienmarktbericht der Investitionsbank Berlin (IBB) hervorgeht. Das ist der geringste Anstieg seit Jahren. Es wurden auch wieder etwas mehr Wohnungen für weniger als 7 Euro angeboten. In der Innenstadt aber werden nahezu flächendeckend 12 Euro verlangt.

"Berlin braucht weiter zusätzliche Wohnungen", sagte IBB-Chef Jürgen Allerkamp. Er äußerte jedoch die Sorge, dass der Mietendeckel Investoren vom Bauen abhält. Mit dem Gesetz hat der Senat die Mieten im Februar für fünf Jahre eingefroren. Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) sieht sich jedoch durch die Studie bestätigt.

Deutsche Wohnen will vermehrt außerhalb von Berlin bauen

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen will den Bau neuer Wohnungen auch außerhalb Berlins deutlich vorantreiben. Der Konzern kauft deshalb für rund 600 Millionen Euro eine Plattform für Projektentwicklung sowie wesentliche Immobilienobjekte vom Münchner Unternehmen Isaria Wohnbau AG, wie Deutsche Wohnen am Mittwoch mitteilte. Der Münchner Projektentwickler ist eine Beteiligungsfirma des Finanzinvestors Lone Star. Der Abschluss des Kaufs soll in diesem Jahr erfolgen. Insgesamt sollen 2700 Wohn- und Gewerbeeinheiten entstehen.

Die Hälfte der Projekte befinde sich in München, der Rest in Großstädten wie Hamburg, Stuttgart und Frankfurt. Insgesamt will der Konzern in den kommenden Jahren mehr als drei Milliarden Euro in den Neubau von Wohn-, Pflege- und Büroimmobilien investieren.

Die Deutsche Wohnen hält bundesweit knapp 170.000 Wohnungen, davon rund 116.000 im Großraum Berlin. Doch bauen wird teurer und die Flächen in Berlin sind knapp. Andere Städte böten ebenfalls attraktive Investitionsmöglichkeiten, sagte ein Sprecher.

Der Mietendeckel bekämpft zudem die Wohnungs- und Bauindustrie. In der Hauptstadt tobt seit Jahren eine Debatte um stetig steigende Mieten und Verdrängung. Der Konzern hatte daher bereits im vergangenen Jahr angekündigt, auf Mieterhöhungen zu verzichten, wenn dadurch ein Bewohner mehr als 30 Prozent seines Einkommens für Miete ausgeben müsste.

Der Mietendeckel wurde damit aber nicht verhindert. Mietsteigerungen, die Deutsche Wohnen nach dem 18. Juni vorgenommen hat, musste der Konzern ab Februar daher wieder zurücknehmen. Rückzahlungen für diese Zeit würden aber nicht fällig, betonte Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn am Mittwoch bei der Präsentation der Zahlen. Der Aktienkurs der Deutschen Wohnen liegt heute ein Drittel niedriger als vor Beginn der Mietendeckel-Debatte in Berlin.

"Auch wenn wir die Berliner Regulierungen erfüllen, bleiben wir grundlegend davon überzeugt, dass sie verfassungswidrig sind", sagte Zahn am Mittwoch mit Blick auf den Mietendeckel. Die Kritiker argumentieren, dass sich die Bautätigkeit in der Hauptstadt aufgrund des Mietendeckels deutlich verringern wird.

Deutliche Belastungen für das eigene Geschäft sieht Zahn indes kaum. Dafür sorge auch der weiter hohe Bedarf an Wohnraum. "In 30 Jahren werden rund 84 Prozent der deutschen Bevölkerung in Städten leben", schätzte Zahn. In den deutschen Großstädten müssten derzeit jährlich bis zu 400.000 Wohnungen gebaut werden.

Über das vergangene Jahr äußerte sich der Konzern äußerst zufrieden. Der Wert aller Immobilien im Besitz von Deutsche Wohnen ist um 1,4 Milliarden auf rund 22,4 Milliarden Euro gestiegen. Der Umsatz mit Vertragsmieten stieg um 6,6 Prozent auf mehr als 837 Millionen Euro. Beim Gewinn verzeichnete das Unternehmen indes eine Delle: Unterm Strich verdiente Deutsche Wohnen rund 1,48 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 1,89 Milliarden Euro.

Die Coronakrise habe bislang keine nennenswerten Auswirkungen auf das eigene Geschäft, sagte Zahn. Für gewerbliche Mieter - etwa Einzelhändler oder Handwerker - die nun in Zahlungsschwierigkeiten geraten, werde ein Fonds in Höhe von 30 Millionen Euro aufgelegt, kündigte er an. Um den Topf zu füllen, soll der den Aktionären zustehende Anteil am Gewinn gesenkt werden. Auf diese Weise soll bei Bedarf der Verzicht auf die Miete seitens des Konzerns finanziert werden. Schon jetzt können sich Mieter an das Unternehmen wenden, wenn sie aufgrund der Coronakrise in Zahlungsschwierigkeiten stecken.

Um den Topf zu füllen, soll der den Aktionären zustehende Anteil am Gewinn gesenkt werden. Auf diese Weise soll bei Bedarf der Verzicht auf die Miete seitens des Konzerns finanziert werden. Schon jetzt können sich Mieter an das Unternehmen wenden, wenn sie aufgrund der Coronakrise in Zahlungsschwierigkeiten stecken.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

MIETE BELASTET VIELE ÜBERDURCHSCHNITTLICH: Die Wohnkostenbelastung war in den vergangenen Jahren bei vielen Berlinern weiter hoch. 39 Prozent der Haushalte mussten im Jahr 2018 mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Kaltmiete ausgeben. Der Senat steuert unter anderem mit dem Mietendeckel gegen, der seit Februar gilt.

Gleichzeitig ging die durchschnittliche Belastung zurück. Im Schnitt gaben alle Haushalte im selben Jahr rund 28 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Kaltmiete aus, wie die IBB auf Grundlage von Zahlen des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg ermittelte. Das war etwas weniger als 2014 und 2010, was an gestiegenen Einkommen liegen dürfte. Der bundesweite Mittelwert liegt bei rund 27 Prozent.

Bei Geringerverdienern kann die Quote jedoch über 50 Prozent liegen, auch Alleinerziehende sind häufig überdurchschnittlich belastet. Auch wer in den vergangenen Jahren umgezogen ist, muss in der Regel mehr von seinem Einkommen für die Miete einplanen als vorher. Besonders belastet sind Haushalte in Neukölln, am wenigsten die in Pankow.

MEHR EIGENTÜMER: In 301.000 Berliner Haushalten waren die Bewohner 2018 auch die Eigentümer, ein Fünftel mehr als bei der vorigen Erhebung vier Jahre zuvor. Eigentumswohnungen bleiben gefragt: Im Mittel wurden im vergangenen Jahr 4777 Euro je Quadratmeter verlangt, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Ähnlich der Preisanstieg für Eigenheime. Sie schlagen nun mit 550.000 Euro zu Buche.

ES WIRD ENGER: Weil Wohnen teurer geworden ist, begnügen sich die Berliner mit weniger Fläche. 38,1 Quadratmeter waren es 2018 dem Bericht zufolge pro Kopf. Das Amt hatte für 2011 einen Wert von 40,9 Quadratmetern angegeben. Betrachtet man nur die Mieter hatten diese im Jahr 2018 im Schnitt 37,5 Quadratmeter pro Person zur Verfügung. Der bundesweite Durchschnitt liegt laut IBB bei 39,3 Quadratmeter.

STAU AUF DEM BAU: "Das Wachstum Berlins ist immens und wird auf absehbare Zeit anhalten", sagte Lompscher. Es müssten zügig neue Wohnungen gebaut werden. Allerdings dauerte es immer länger von der Genehmigung bis zur Schlüsselübergabe, denn die Bauwirtschaft ist ausgelastet. 64 000 Wohnungen sind inzwischen genehmigt, aber noch nicht fertig.

DER SPECKGÜRTEL BOOMT: Schneller als in Berlin sind die Mieten im Umland gestiegen. Dort wurden Wohnungen im Mittel für 9,47 Euro kalt je Quadratmeter inseriert, 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Über 10 Euro liegen Kommunen wie Wandlitz, Teltow und Potsdam.

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