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Corona-Krise
Zum halben Preis auf den Fernsehturm in Berlin

Maria Neuendorff / 23.05.2020, 03:30 Uhr - Aktualisiert 23.05.2020, 14:03
Berlin (NBR) Acht Wochen nach der coronabedingten Schließung hat nun auch Berlins populärstes Wahrzeichen wieder geöffnet. Obwohl Besucher vorab Zeitfenster im Internet buchen müssen, kam es am Freitagmittag kurz nach der Eröffnung um 11 Uhr zu kleinen Schlangen vor dem Fernsehturm am Alexanderplatz.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Zu den ersten Besuchern gehörte  Leopold Jedina mit seinem Sohn Luis. "Wir sind nach vielen Wochen zu Hause froh über ein wenig Abwechslung", sagt der junge Vater, der mit seinem Sohn seit den Lockerungen in den Berliner Freizeiteinrichtungen auch schon im Zoo und im Naturkundemuseum war. Während beide nun vor der Sicherheitsschleuse von Deutschlands höchstem Bauwerk warten, schauen sie sich die Schwarzweißaufnahmen vom Bau Ende der 60er-Jahre an.  "Ich wohne zwar seit vier Jahren in Berlin, war aber selbst noch nie oben. Wir haben so oft darüber geredet. Nun dachte ich, nutzen wir gleich die Gelegenheit", berichtet der Österreicher.

Es sind die Berliner und Neuberliner, auf die die Betreiber nun erstmals setzen. Mit sonst jährlich mehr als 1,2 Millionen Besuchern ist der bis zur Antennenspitze 368 Meter  hohe Berliner Fernsehturm eine der beliebtesten Touristenattraktion überhaupt. 60 Prozent der Gäste kommen nicht aus Deutschland. "Wir haben erst gedacht, so viele werden momentan gar nicht kommen, und waren überrascht, schon zum Start so einen Zulauf zu haben", sagt Dietmar Jeserich, Sprecher der TV Turm Alexanderplatz Gastronomiegesellschaft mbH. Darunter seien besonders viele Gäste aus Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Bis zur 50 Menschen auf die Plattform

Bei der Online-Buchung müssen die Gäste ihre Adressen hinterlegen, damit im Fall der Fälle die Infektionsketten überwacht werden können. Jeweils 50 Menschen dürfen gleichzeitig auf die Plattform oder in die Gastronomie, ein Wechsel von dort auf die Aussichtsetage oder umgekehrt ist dabei nicht mehr möglich. Vor der Pandemie durften sich bis zu 320 Besucher in der Kugel aufhalten. In die zwei Hochgeschwindigkeits-Fahrstühle, die sonst maximal zehn Personen in 40 Sekunden in den Himmel 207 Meter über Berlin befördern, darf pro Fahrt nur noch ein "Haushalt".

Die Fahrstuhlführer fahren nun nicht mehr mit, sondern drücken nur die Knöpfe, die wie Türklinken und Geländer ständig desinfiziert werden. Überall stehen Spender mit Hygiene-Mitteln bereit. Besucher, die keine Maske dabei haben, bekommen ein blaues Einweg-Modell frei Haus.

Auf der Plattform ist bis auf Bodenabstandsmarkierungen fast alles unverändert. Dafür hat sich die 360-Grad-Aussicht leicht gewandelt. "Man sieht, dass derzeit viel weniger Verkehr ist als sonst", sagt Jeserich. "Dazu haben wir festgestellt, dass unsere Besucher nun fast alle entspannt wirken." 45 Minuten darf man den grandiosen Blick in alle Himmelsrichtungen genießen.

Bis zu zwei Stunden ins Restaurant "Sphere"

Im Restaurant "Sphere", eine Etage höher, ist die Verweildauer auf zwei Stunden begrenzt. Nur noch jeder zweite Tisch darf besetzt werden. An diesem Vormittag sieht man nur wenige Klein-Familien an den nummerierten Tischen, die sich alle halbe Stunde einmal um die Fernsehturm-Achse drehen. In der Kuchentheke stehen Erdbeertorte, Käsekuchen und Cupcakes bereit. "Wir haben das Speiseangebot reduzieren müssen, aber die beliebtesten Gerichte sind natürlich weiterhin zu haben", beton Jeserich.

Marcus Fricke hat "Triologie vom Hering" mit Majes Tatar, Heringsfilet und Brathering bestellt. Der 27-Jährige aus Rangsdorf hat Geburtstag. "Wir hatten uns es eigentlich schon lange vorgenommen, hier mal her zu kommen", erzählt Lisa Igel, die ihren Freund mit der Einladung ins Himmelrestaurant überrascht hat. Während sie in ihren Salat mit Hähnchenbrust beißt, zieht unten wie ein kleines Modell der Reichstag vorbei. "Die Aussicht ist gut. Das Essen ist gut und wir haben auch Glück mit dem Wetter", freut sich das Paar.

Besucher müssen vorab online Tickets für eine feste Zeit reservieren. Zur Wiedereröffnung gibt es in den kommenden Tagen 50 Prozent Rabatt, Erwachsene zahlen 11,25 Euro, Kinder 6,50 Euro.

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Was alles wieder geht

Was Freizeitaktivitäten angeht, so geht in Berlin von Woche zu Woche mehr. Nach den beiden Zoos und dem Botanischen Garten haben nun auch wieder die meisten Museen unter strengen Hygienevorgaben geöffnet. Auch das Wachsfiguren-Kabinett Madame Tussauds und die Modell-Landschaft Little Big City durften genauso wie das Spionagemuseum wieder öffnen, während das Sealife Berlin sowie das Gruselkabinett Berlin Dungeon noch kein grünes Licht haben. Der Kriegsbunker des Story Berlin Museums eröffnet am 26. Mai. Auch Flohmärkte dürfen ab diesem Wochenende wieder stattfinden. ⇥neu

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