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"Parks sind keine Müllhalden" - Initiative stellt Park-Knigge in Berlin vor

Nachhaltigkeit soll angeblich ein Trend sein. In einigen Berliner Parks zeigt sich aber eher die Wegwerfgesellschaft.
Nachhaltigkeit soll angeblich ein Trend sein. In einigen Berliner Parks zeigt sich aber eher die Wegwerfgesellschaft. © Foto: Fabian Sommer/dpa
dpa / 08.07.2020, 09:52 Uhr - Aktualisiert 08.07.2020, 16:36
Berlin (dpa) Müll quillt aus großen offenen Abfallbehältern. Tüten und Pizzakartons liegen daneben auf der Erde, umringt von leeren Sekt- und Bierflaschen.

Ein kräftiger Wind, unterstützt von Krähen auf Nahrungssuche, verteilt an diesem Morgen Plastiktüten, Pappteller und weiteren Unrat in Gebüsche und auf Wiesen. Zwischen zwei Bäumen weht noch eine Partygirlande. All dies sind Überbleibsel eines Sommerwochenendes in Corona-Zeiten im Volkspark Hasenheide in Berlin-Neukölln. Nicht nur dort, sondern auch in anderen Grünanlagen der Hauptstadt mehren sich die Müllprobleme, wie einige dicht besiedelte Innenstadtbezirke auf Anfrage berichten. Eine Initiative bringt nun einen Park-Knigge heraus, in der Hoffnung auf Besserung.

Der Knigge, der am Mittwochabend in der Hasenheide mit Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) vorgestellt werden soll, enthält acht Regeln in sechs Sprachen, wie die Parks sauber gehalten werden können: "Parks und Ufer sind keine Müllhalden, sondern Erholungsorte für uns ALLE. Hinterlasse sie so, dass sich die Nächsten auch wohlfühlen!", heißt es darin. Grill-Verbot, Recycling und die Bedeutung von vermeintlichem Klein-Müll kommen zum Beispiel zur Sprache: "Kippen & Kronkorken sind giftig und gefährlich."

Die Initiative möchte die Flyer in den Berliner Parks verteilen. Erst einmal 5000 Stück seien im Hosentaschenformat gedruckt worden, sagte Projektleiter Sebastian Weise von der Initiative "wirBerlin", die sich für eine nachhaltige Stadtentwicklung engagiert. Immer wieder ruft sie zu gemeinsamen Müllsammel- und Aufräumaktionen auf.

Mehr Müll in Neukölln

Insbesondere Neukölln sieht in diesem Jahr eine starke Zunahme an Abfällen: "Im Vergleich zum Vorjahr haben wir im ersten Halbjahr 2020 ungefähr die doppelte Menge an Müll in den Grünanlagen zu verzeichnen", teilte der Bezirk auf dpa-Anfrage mit. Es gehe um circa 150 Kubikmeter Müll pro Woche.

Normalerweise reiche es in den Grünanlagen, dass die Mülleimer einmal pro Woche gereinigt werden, bei intensiv genutzten Flächen wie in der Hasenheide zweimal. "Aktuell sind wir aber bereits im Durchschnitt bei drei Reinigungsdurchgängen in der Woche. Aufgrund des hohen Müllaufkommens wäre eine tägliche Säuberung sicherlich notwendig und angebracht." Dafür fehlten jedoch die Kapazitäten bei den bereits beauftragten Firmen beziehungsweise die Mittel für weitere Aufträge.

Neben Neukölln berichten auch Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg, dass sich in diesem Frühjahr und Sommer nicht nur die Müllmenge, sondern auch die Art des zurückgelassenen Mülls verändert hat. Genannt werden etwa: mehr Umverpackungen von Fastfood-Händlern, Getränkedosen, Plastikflaschen, Einwegbecher, Pizzaschachteln, Grill-Reste, Warmhalteverpackungen, Sushi-Schalen, Dönerreste.

Auf die Frage nach ihren Müll-Hotspots schicken mehrere Bezirke eine Liste. Vom Lietzenseepark über den Tiergarten und das Spreeufer und Urbanhafen bis zum Volkspark Friedrichshain. "Sämtliche Spiel- und Bolzplätze", zählt Friedrichshain-Kreuzberg auf. Neukölln schreibt: "Betroffen sind eigentlich alle Grünanlagen, die eine gewisse Aufenthaltsqualität haben." Und Pankow: "Besonders betroffen sind alle größeren und stark frequentierten Parks, insbesondere auch, wenn dort Spielplätze vor Ort sind."

Der Müll ist nicht nur unansehnlich und wenig umweltfreundlich - jemand muss ihn auch beseitigen. Während das Straßen- und Grünflächenamt von Mitte für besonders belastete Grünanlagen eine Fachfirma mit einer Wochenendreinigung beauftragt hat, überlegt Pankow derzeit, weitere Anlagen durch die Berliner Stadtreinigung (BSR) reinigen zu lassen.

Die BSR übernimmt dies im Rahmen eines Pilotprojekts in knapp 50 Berliner Grün- und Erholungsanlagen sowie Waldflächen (von insgesamt weit mehr als 2000). Bei den Abfallmengen in diesen Parks sehe man "keine wesentlichen Veränderungen" im Vergleich zum Vorjahr, teilte eine BSR-Sprecherin mit. Generell gelte: "Je schöner das Wetter, desto mehr Besucher, desto mehr Müll."

Anstieg bei Einwegverpackungen

Allerdings habe die BSR im Zuge der ersten Lockerungen beobachtet, dass besonders viele Menschen ihre Speisen und Getränke im Freien verzehrten - "zumeist im Umfeld von Restaurants, Kneipen und Cafés sowie in Grünanlagen", hieß es. Hierdurch sei es in einigen Schwerpunktgebieten zu einem massiven Anstieg an sperrigen Einwegverpackungen gekommen. Diese hätten teils Straßenpapierkörbe verstopft, seien darunter abgelegt oder achtlos weggeworfen worden. "Nach Wiedereröffnung der Innen- und Außenbereiche vieler Gastronomiebetriebe hat sich die Situation etwas entspannt."

Die BSR-Sprecherin hob hervor, es sei wichtig, auf Einwegverpackungen weitestgehend zu verzichten. Wo dies zum Beispiel aus Infektionsschutzgründen nicht machbar sei - manche Betriebe befüllen derzeit keine von Kunden mitgebrachten Boxen oder Mehrwegbecher -, sollten die Verpackungen verdichtet in Papierkörben oder zu Hause in die entsprechenden Abfalltonnen geworfen werden. "Teilweise ist es sicher auch möglich, die Verpackungen bei den jeweiligen Gastronomiebetrieben zu entsorgen." Vor allem aber solle jeder den Park so verlassen, wie man ihn anzutreffen wünscht.

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf teilte mit, man sehe seit Jahren eine sichtbare Müll-Zunahme durch To-Go-Verpackungen - nicht erst seit der Corona-Zeit. Ein Umdenken möglichst aller Parknutzer sei wünschenswert und notwendig, "denn mit dem Geld für die Grünflächenpflege soll Grün gepflegt und nicht Müll entsorgt werden".

Die Umweltverwaltung erklärte, dass Haushaltsmittel für die Unterhaltung der Grünanlagen für die Bezirke aufgestockt worden seien - um mehr als sieben Millionen Euro in diesem Jahr und 14 Millionen Euro 2021. So sollen die Anlagen "angesichts von aktuellen Anforderungen durch das Wachstum der Stadt und eine intensivierte Nutzung der Grünflächen und die klimawandelbedingten Schädigungen des Stadtgrüns" besser gepflegt werden können.

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