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Corona-Schutz
HTW-Studenten entwickeln Messgeräte, Apotheke Adlershof stellt sie aus

Jacqueline Westermann / 17.07.2020, 03:30 Uhr - Aktualisiert 17.07.2020, 07:25
Berlin (MOZ) Covid-19 verbreitete sich anfangs rasend schnell, nur nach und nach gab es Erkenntnisse, wie Infektionsketten unterbrochen werden konnten. Auch Studierende der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) überlegten im Rahmen eines Projektes, wie innovative Produkte zur Eindämmung der Pandemie beitragen könnten. Die entwickelten Messgeräte sind derzeit im Schaufenster der Apotheke Adlershof ausgestellt.

Sybille Witte wurde durch das Aktive Zentrum Dörpfeldstraße, das sich für die Belebung des Kiezes einsetzt, kontaktiert. "Die haben mich gefragt, ob ich Interesse hätte an einer Ausstellung der Messgeräte", erzählt die Apothekeninhaberin. Sie sei gleich begeistert gewesen von der Idee: Das Covid-Thema ist aktuell, knüpft an den Gesundheitsbereich an und sei sehr relevant für Apotheken. "Ich war total neugierig, was die jungen Leute so entwerfen", sagt Witte.

Masken und Messgeräte

Seit knapp zwei Wochen sind die Objekte im Schaufenster zu sehen. Sie beobachte hin und wieder Passanten, die mit einem Eis in der Hand von der Eisdiele nebenan vor dem Schaufenster stehen bleiben und die Ausstellungsstücke betrachten, erzählt die Apothekerin. Zum einen verschiedene Masken und Visiere, zum anderen kleine Geräte mit Sensoren. Alle haben gemeinsam, dass sie Teile des Internet of Things (IoT, siehe Infokasten) sind. Die IoT-Gesichtsmaske wurde aus Alltagsgegenständen hergestellt und mit kleinen Sensoren und Leuchtmitteln erweitert – Ziel: Hygieneregeln einhalten vereinfachen. Mit weiteren IoT-Bausteinen wie einem Abstandssensor oder einem Temperaturmesser könne die Maske zum Beispiel Mitarbeitende im Einzelhandel schützen.

Am Verkaufstresen der Apotheke sieht nur, wer genau hinsieht, eine kleine regenbogenfarbene Box angebracht. Ein Abstandssensor – tritt eine Kundin oder ein Kunde zu nah an die Kasse heran, ertönt ein Warnsignal. So kann der Mindestabstand eingehalten werden, die Box ist ein kleiner Helfer, um die Hygieneregeln umzusetzen. Auch der Pax-Counter kann helfen, Personenaufkommen einzuschätzen, indem Mobiltelefone mit eingeschaltetem Wlan oder Bluetooth erfasst werden – ohne personenbezogene Daten zu sammeln.

Witte finde es gut, Sachen im Kiez zu unterstützen. "Ich will den Kiezgedanken fördern", sagt sie – und die HTW sei eben Teil des Kiezes. Ähnlich argumentiert Olga Willner. "Mir ist es sehr wichtig, zur Stadtentwicklung beizutragen", sagt die Professorin für Wirtschaftsinformatik mit dem Schwerpunkt intelligente Systeme und IoT. Die HTW wolle mit dem Bezirk arbeiten, um IoT-Lösungen umzusetzen, die den Kiez weiterentwickeln können. "Wir wollen als Hochschule mit unserer Arbeit zum Wissenstransfer in die Gesellschaft beitragen", erklärt sie. "Wir haben die Ausstellung im Rahmen des Projektes EdgeCity umgesetzt" – die Kontakte zwischen HTW und Apotheke wurden dann durch das Aktive Zentrum hergestellt. Willner leitet das EdgeCity-Projekt, das die nächsten zwei Jahre die technologischen Voraussetzungen optimieren soll, um großflächige Datenerfassung im städtischen Raum zu ermöglichen – und das Ganze durch kostengünstige und energieautarke Geräte, wie es auf der EdgeCity-Projektseite heißt.

Die Ausstellung ermögliche die Information im öffentlichen Raum. "So wird es anschaulicher", sagt Willner. Vielleicht motiviere es Bürger sich selbst im Nachbau der Geräte zu versuchen. Auch deswegen wird derzeit an einer Homepage gebastelt, die die Ausstellung und das Projekt langfristig begleiten soll. Dort sollen die Codes und Daten der Exponate in Form von OpenSource und OpenData offen zugänglich sein. Das heißt, es wird auch Anleitungen geben, wie zum Beispiel der Pax-Counter mit einfachen Materialien und wenig Geld nachgebaut werden kann. "Die Idee ist, dass jeder mitmachen kann", erklärt die Wirtschaftsinformatikerin.

Für Digitales sensibilisieren

Die Ausstellung selbst wurde durch die Master-Studentinnen und -Studenten der Wirtschaftsinformatik kuratiert. Vor allem, dass sie die Prototypen nicht nur für die Lehre bauten, sondern für die Öffentlichkeit und so direkten Einfluss auf den Bezirk haben könnten, sei besonders motivierend gewesen, erzählt Willner. Bisher habe sie nur positive Resonanz auf die ausgestellten Projekte erhalten.

"Da wollen wir definitiv drauf aufbauen", erzählt sie. Parallel entwickeln sie momentan weitere Konzepte für die Digitalisierung in der Dörpfeldstraße, zum Beispiel ein DörpfeldHub mit einem IoT-Showroom, um generell das Thema IoT weiter vorantreiben, auch abseits von Corona. Im Großen und Ganzen wolle sie für die Digitalisierung sensiblisieren, zeigen was möglich ist, die Vorteile von Datenerhebung, die auch ohne die Verwertung persönlicher Daten möglich ist. Sie wollen zeigen, wie mit den Technologien der Digitalisierung zu Alltagsthemen beigetragen werden kann.

Noch bis zum 31. August sind die Geräte in der Apotheke in der Marktpassage zu sehen.

IoT – Internet of Things (Internet der Dinge)

Die digitale Transformation wird auch durch das Internet of Things (IoT), das Internet der Dinge, vorangebracht. Es beschreibt die zunehmende Vernetzung von Geräten, Maschinen und intelligenten Systemen sowie dem Internet. Dazu zählen Kleinstgeräte, die mit nur wenig Strom relevante Daten sammeln können, zum Beispiel Armbänder, die Schritte zählen und Herzfrequenzen messen. Andererseits zählen dazu auch Dinge, die virtuell miteinander vernetzt sind. Das kann in der Industrie zu effizienteren Abläufen und frühem Entdecken von Defekten, für Verbraucher zu vernetzten Haushaltsprodukten und SmartHome-Lösungen führen. Auch das Absenden eines Notrufs bei einem Unfall durch das Fahrzeug wäre ein Beispiel für das IoT. ⇥jw

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