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Forscher bezweifeln Sicherheit und Effizienz der CCS-Technik

Experiment: Blick auf das Vattenfall-Versuchskraftwerk in Spremberg. Hier wird das CCS-Verfahren getestet.
Experiment: Blick auf das Vattenfall-Versuchskraftwerk in Spremberg. Hier wird das CCS-Verfahren getestet. © Foto:
Ina Matthes / 04.06.2010, 18:34 Uhr
Berlin (In House) Deutschland hat viel Platz für CO2-Verstecke. Vor allem im Norddeutschen Tiefland, zu dem auch Brandenburg gehört. Was Kraftwerke in den nächsten 40 Jahren an Kohlendioxid ausscheiden, ließe sich im Untergrund vergraben, besagen Erhebungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften. Um diese Potentiale und die Risiken der umstrittenen Verpressung des Treibhausgases ging es in dieser Woche beim Berliner Zukunftsgespräch. Veranstalter waren das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung IZT, die Friedrich-Ebert-Stiftung und der „Tagesspiegel“.

Das Thema CO2-Lagerung ist ein Dauerbrenner. Die Bundesregierung bereitet im zweiten Anlauf gerade ein CCS-Gesetz vor, nachdem der erste Versuch am Widerstand Schleswig-Holsteins gescheitert war.

CCS steht für Carbon Capture and Storage – das Abscheiden und Verpressen von CO2. „Die Speicherung ist für Brandenburg eine Option“, sagte Carsten Enneper, Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium. Nicht nur für Kohlekraftwerke, auch für die Zementindustrie in Rüdersdorf oder die Raffinerien in Schwedt ist die Technik interessant. Das Landesbergbauamt hat die Erkundung zweier Lagerstätten um Neutrebbin (Märkisch-Oderland) und bei Beeskow (Oder-Spree) erlaubt. Letztlich entschieden sei über den Einsatz der Technik aber nicht, sagte er.

Doch es gibt wirtschaftliche Einwände und Sicherheitsbedenken gegen unterirdische Kohlendioxid-Lager. Das Berliner Institut IZT hat Studien angestellt, wonach Kraftwerksbetreiber derzeit mindestens 33 Prozent mehr Energie einsetzen müssen, um zwischen 65 und 80 Prozent des Klimakillers aus ihren Abgasen zu filtern. Vor allem aber bezweifelt ITZ-Direktor Rolf Kreibich, dass sich Gas über Jahrtausende sicher bunkern lässt. „Kohlendioxid ist aggressiv.“ Es könnte Gestein angreifen, sich über weite Strecken im Untergrund ausbreiten.

Was dort unten passiert, macht auch Ernst Kern vom Wasserverband Nord aus Flensburg Sorgen. Das Gas wird mit hohem Druck in poröses Gestein gepresst, das mit salzhaltigem Wasser gefüllt ist. Diese Sole ist etwa hundert Mal salziger als Nordseewasser. „Wir haben Sorge, dass die Sole nach oben gedrückt wird und unser Wasser ungenießbar macht.“

Wie sich das Gas im Untergrund verhält ist auch ein Streitthema unter Fachleuten, wie eine Geowissenschaftlerin im Publikum deutlich machte. Doch den Vorwurf, dass Techniker unkalkulierbare Risiken eingehen, wollte Johannes Peter Gerling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften nicht stehen lassen. „Wir wissen eine Menge über CO2.“ Manche Erdgasvorkommen bestünden zur Hälfte aus CO2. Die Erdgastechnologie werde jedoch seit 60 Jahren sicher beherrscht.

Vertreter von Bürgerinitiativen, die aus der Altmark und dem Oderbruch nach Berlin gekommen waren, überzeugte das nicht. Sie zweifeln an der Sicherheit der Lagerung und am Vorgehen der Behörden.

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Friese 07.06.2010 - 15:42:04

CCS ist Wahnsinn

Mit dem CO2 werden auch 2 bis 7 % sogenannte "Beimengungen" in die Erde gepreßt, u. a. Quecksilber, Blei, Arsen, Dioxine. Das sind zigtausende Tonnen/Jahr. Das nennt man dann "Klimaschutz". Das CCS-Gesetz (oder auch Kohlendioxid-Speicher-Gesetz) soll noch vor der Sommerpause von der Regierung vorgelegt werden. Leute, sprecht Eure Bundestagsabgeodneten an. Es sind Endlager in der ganzen Bundesrepublik vorgesehen, u. a. in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, M.-Vorpo., Bayern, im Oberrheingraben etc., und zwar nicht in ferner Zukunft. Konzessionen wurden u. a. für 17 Kreise in Bremen und Niedersachsen und für 1/3 der Fläche Mecklenburg-Vorpommerns erteilt. Die Endlager müssen Jahrhunderte lang überwacht werden. Die Haftung der Konzerne soll auf höchstens 30 Jahre nach Schließung begrenzt werden. Auch vorher wird der Steuerzahler bzw. Stromkunde zur Kasse gebeten: Der Strompreis soll sich durch CCS verdoppeln, die EU läßt sich CCS insgesamt 10 Milliarden Euro kosten.

thomas 07.06.2010 - 14:08:56

Unanständige Idee

Die Idee CO2 in saline Aquifere zu verpressen ist menschenverachtend und unanständig. Von langer Hand geplant, gefördert durch eine von den Energieersorgern initierte EU-Richtlinie, soll hier die Politik mit Hilfe willfähriger Wissenschaftler mal wieder auf`s Glatteis geführt werden. Wenn schiefgeht wird später wieder soeiner wie Herr Gabriel da stehen und behaupten "Wir fühlen uns von der WIssenschaft betrogen".

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