Nikolaidis ist einer von fünf neuen Kudamm-Guides, die ab sofort als Ansprechpartner für die Besucher der City-West bereitstehen. Bezahlt werden sie von der  Standortgemeinschaft "BID Ku’damm Tauentzien", die auf Initiative der AG City gegründet wurde. Darin verpflichten sich die Grundstückseigentümer des 1,2 Kilometer langen Abschnitts zu einer jährlichen Geldabgabe, mit der der Standort attraktiver gestaltet wird.
In Berlin noch Modellversuch
"Der Kurfürstendamm ist innerhalb Berlins ein ganz besonderer Standort, aber nun möchten wir uns auch im internationalen Vergleich mit Shoppingboulevards wie Oxford Street oder Champs-Élysées als Vorreiter etablieren", erklärte Peter Ristau, Geschäftsführer des BID, am Mittwoch bei der Vorstellung der neuen Marketingstrategie.
Der BID (Business Improvement District) ist in Berlin ein Modellvorhaben. In Hamburg gibt es schon BIDs-Zusammenschlüsse. Weil eine private Anrainer-Initiative dabei in Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden – in diesem Fall die Bezirksämter Charlottenburg-Wilmers-dorf und Tempelhof-Schöneberg – Aufgaben im öffentlichen Raum wahrnimmt, war sogar ein neues Gesetz nötig. Das Budget für fünf Jahre liegt bei rund acht Millionen Euro.
Auslöser für den neuen Zusammenschluss sei vor allem der enorme gesellschaftliche Wandel und das veränderte Einkaufverhalten der Menschen beispielsweise durch den Online-Handel, erklärt Gottfried Kupsch, Vorstand der AG City.  "Wir vermuten, dass künftig noch viel mehr Kultur und Entertainment nötig sein werden und wir mehr Aufenthaltsqualität bieten müssen, um die Leute hier her zu bringen", so Kupsch.
Dazu gehörten vor allem auch mehr gastronomische Angebote. Eine Idee wäre, den begrünten Mittelstreifen mit Kiosken und Tischen ähnlich wie  auf dem Boulevard Unter den Linden zu bestücken. "Food ist das neue Fashion", sei laut Kupsch die neue Losung in der Branche. Um der Konkurrenz im Internet zu begegnen, könnten die stationären Händler zudem ihren Online-Handel ebenfalls ausbauen. So wird derzeit die Idee eines unterirdischen Logistikcenters diskutiert, von dem aus die Kudamm-Ladenbesitzer die Menschen in der Region beliefern könnten.
Wie schon an vielen anderen Einkaufsstandorten, soll bis Anfang kommenden Jahres auch ein öffentliches WLAN-Netz eingerichtet werden.  Über die Sensoren können dann auch die Besucherströme anonymisiert gemessen, ausgewertet und gewerbliche Schwachstellen identifiziert werden.
Tiny House für Kundenwünsche
Um zu erfahren, was sich die Besucher wirklich wünschen, soll vom 28. Oktober an ein Minihaus auf Rädern auf dem Breitscheidplatz parken. Unter der Überschrift "Träume Deine Stadt" können Interessierte in dem Infomobil Kritik und Anregungen äußern. Das sogenannte "Tiny House" soll nach zehn Tagen zum Wittenbergplatz weiterziehen und auch den Joachimsthaler Platz anfahren. Fragebögen zu Kundenwünschen gibt es aber auch online.
"Sauberkeit ist zum Beispiel ein großes Thema", weiß Georgios Nikolaidis. Zu den Aufgaben des frisch gebackenen Kudamm-Guides gehört es nun auch, Müllecken zu dokumentieren und an das Ordnungsamt weiterzuleiten. Um die Fragen der Passanten beantworten zu können, sind er und seine Mitstreiter einen Monat lang durch die Gegend gestreift und haben Hotels, Lokale, Parkhäuser und öffentliche Toiletten gescheckt. "Das schöne Literaturcafé in der Fasanenstraße kannte ich selbst noch nicht", gesteht der Mann aus Lichtenberg. Er persönlich wünscht sich, dass zu  Sonderveranstaltungen wie dem heute startenden Festival of Lights der Kudamm verkehrsberuhigt wird. "Bei so etwas gehen die Leute doch sowieso lieber zu Fuß."

Die Immobilien- und Standortgemeinschaft


BID steht für Business Improvement District und wird im Deutschen auch Immobilien- und Standortgemeinschaft genannt. BIDs sind Stadtentwicklungsinitiativen zur Attraktivitätssteigerung und Revitalisierung von Innenstädten, Stadtteilzentren oder Gewerbezentren. Finanziert werden  die Projekte über jährliche Abgaben, die von Grundstückseigentümern gezahlt werden. Um Transparenz zu garantieren, müssen den staatlichen Behörden regelmäßig Rechenschaftsberichte über die erbrachten Leistungen vorgelegt werden. neu