Nun hat mit Diana Marossek (30) eine weitere Linguistin die "Gettosprache" von Berliner Schülern untersucht und eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Nicht nur Schüler deutscher Abstammung sprechen diese "Mischung aus Berliner Dialekt und türkisch-arabischen Einflüssen", sondern auch Lehrer ohne Einwanderungshintergrund. So steht es jedenfalls in der jetzt von der Hamburger Körber-Stiftung preisgekrönten Doktorarbeit (Titel: "Gehst Du Bahnhof oder bist Du mit Auto?") der Berliner Kinderbuch-Verlegerin.
Diana Marossek hat dazu intensive Feldforschung betrieben - als teilnehmende Beobachterin in 78 achten und zehnten Klassen von Berliner Hauptschulen und Gymnasien. Durchgängiges Merkmal des dort gepflegten Sprachstils: Artikel oder Präpositionen werden gern weggelassen. Also heißt es: "Paul muss Hof putzen." Oder: "Er war gestern Rektor." Und selbst im Lehrerzimmer schnappte die Sprachforscherin einen solchen Satz auf: "Karin, ich geh mal schnell Bäcker, willst Du was?"
Mit Bewertungen hält sich Diana Marossek bewusst zurück. Anders als "Kiezdeutsch"-Erfinderin Heike Wiese, die den oft als "Türkendeutsch" oder "Kanak Sprak" verunglimpften Jugenddialekt ausdrücklich "eine Bereicherung" der deutschen Sprache nennt, spricht die Soziolinguistin von "Ethnolekt", also einer von unterschiedlichen Völkergruppen geprägten Sprachvariante, die nicht etwa auf eine soziale Benachteiligung ihrer Sprecher schließen lässt.
Diana Marossek hat schon so viele Reaktionen auf ihre Studie erhalten, dass sie weiter forschen will. Ihre Probanden - Schüler im pubertären Alter von 13 oder 14 Jahren - wird sie im zeitlichen Abstand wieder treffen und dann nach ihren Sprachgewohnheiten befragen. Außerdem will sich die Berlinerin auch anderen Regionen zuwenden: "Ich habe gehört, dass in Köln ähnliche Beobachtungen über die Jugendsprache gemacht werden. Das will ich genauer wissen."
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