Überparteiliche Unterstützung

Vor acht Jahren begann Rosenbaum die Initiative Breitenbachplatz, die sich für einen Rückbau der Brücke einsetzt. Die anfängliche Unterstützung von Seiten der SPD wandelte sich zum überparteilichen Thema, als die CDU 2019 einen Antrag einbrachte, der den Brückenabriss vorsah. Dieser wurde durch die Regierungsfraktion im Abgeordnetenhaus erweitert. Der Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses forderte dann den Senat auf, bis zum 31. Mai 2020 eine Machbarkeitsstudie vorzulegen – aufgrund von Corona käme es hier derzeit zu Verzögerungen, erklärt Rosenbaum. Er sei aber zuversichtlich, dass es bald zu Entscheidungen komme. Wie eine Neugestaltung aussehen und dem Platz wieder Leben einhauchen könnte, zeigt derzeit eine Ausstellung.
Lutz Pietschker steht im "KunstRaum" in der Künstlerkolonie am Breitenbachplatz (siehe Infokasten), umgeben von Entwürfen und zugehörigen Ausstellungsstücken. Pietschker ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Unterstützung der Initiative Breitenbachplatz. Das Wort "Mitstreiter" gefällt ihm nicht. "Die Initiative ist Herr Rosenbaum", sagt der 66-Jährige überzeugt. Seit mehr als zwei Jahren engagiere er sich selbst für einen lebenswerteren Breitenbachplatz, lebe aber schon seit mehr als 15 Jahren in der Gegend. Er kümmere sich vor allem um Grafik und die Zusammenstellung der Chronik, habe auch diese Ausstellung mitorganisiert, erzählt der Ingenieur und Maschinenbauer.

Abstrakte Architektur

Er führt mit Leidenschaft durch den kleinen Raum, in dem sich Architekturobjekte in Miniaturform auf Tischchen aneinanderreihen. "Im Oktober 2019 kam Professor Klaus Schäfer von der Hochschule Bremen mit Bachelor-Studierenden", erzählt Pietschker. Der Architektur-Professor mit dem Lehrgebiet "Städtebau und Entwerfen" brachte neben den Bremern noch eine Gruppe aus Bordeaux, die im Master Stadtplanung studierten, im Herbst nach Berlin. Die Initiative organisierte einen Rundgang, es folgte ein Wochenende mit Brainstorming und Modelle bauen. Im Anschluss bekamen die Bachelorstudenten aus Bremen die Aufgabe, theoretische Vorschläge zur Umgestaltung des Gebietes zwischen Breitenbachplatz und nördlicher gelegenem Heidelberger Platz zu entwickeln.
"Hauptzweck dieser Arbeiten waren die Zensuren und das Bestehen des Kurses", sagt Pietschker. Die Arbeiten seien nicht vom Senat beauftragt worden. "Diese Leute hatten den Blick von außen. Die haben gesagt, wir spinnen mal." Es ging um Kreativität, ohne jeglichen Druck zur Realisierung. So entstanden jeweils vier abstrakte Vorschläge für den Breitenbach- und den Rüdesheimer Platz. Dennoch hoffe Pietschker, dass einige ihre Entwürfe bei einer künftigen Ausschreibung des Senates einreichten.
Auch die Anwohner konnten bei einer Veranstaltung im vergangenen Jahr kreativ zeichnen und ihre Vorstellungen aufzeigen. Einige Merkmale traten immer wieder auf: Grünflächen und Wasser. Inwiefern das umsetzbar ist, wird sowohl durch die U-Bahn als auch den Denkmalschutz bestimmt werden. Doch eine Hoffnung, die sich auch in den Vorschlägen der Studierenden zeigte, teilt Lutz Pietschker: weniger autozentriertes Planen als in den 1950ern.

Ausstellung im "KunstRaum"

In den Kolonnaden der Künstlerkolonie am Breitenbachplatz sind die Entwürfe zu möglichen Gestaltungen sowohl des Breitenbachplatzes als auch des Rüdesheimer Platzes zu sehen. Die Ausstellung ist bis zum 18. Juli im "KunstRaum" des Wohnungsunternehmens Vonovia, Breitenbachplatz 1, 14195 Berlin, zu sehen. Aufgrund der Corona-Auflagen kann die Ausstellung jeweils dienstags und samstags von 14 Uhr bis 16 Uhr besucht werden oder nach vorheriger Vereinbarung mit Lutz Pietschker, der über pietschker@breitenbachplatz.de kontaktiert werden kann.

Informationen über die Bürgerinitiative und den zugehörigen Verein sowie ausführliche Details zur Geschichte des Breitenbachplatzes inklusive virtuellem Rundgang sind einzusehen auf: www.breitenbachplatz.de jw