Der erste Schnee ist gefallen und wieder verschwunden. In der Mall of Berlin merkt man nichts davon. Hier spürt man aber auch nichts von den Turbulenzen, in die das zweitgrößte Berliner Einkaufszentrum geraten ist. Die Mall ist an diesem frühen Mittwochnachmittag mäßig besucht. Auf einem Karussell dreht sich ein einziges Kind. Noch einsamer sieht der italienische Eisverkäufer aus. Ansonsten ist gemächliches Shopping angesagt, bevor irgendwann die Feierabendeinkäufer kommen.
Und doch hat gerade der sogenannte Generalübernehmer der Mall, die Firma Fettchenhauer Controlling & Logistic (FCL), Insolvenz angemeldet. Möglicherweise zu spät. Zumindest gibt es eine Anzeige wegen Insolvenzverschleppung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. "Wir prüfen die Vorwürfe", sagte ein Sprecher der Anklagebehörde.
In jedem Fall bringt die Insolvenz der FCL des Andreas Fettchenhauer Schwierigkeiten für die Mall of Berlin mit sich. Denn das Projekt befindet sich immer noch im Bau. Zumindest ein Hotel und Wohnungen gilt es noch zu vollenden. Auch wenn schon mehr als eine Milliarde Euro ausgegeben wurden und obwohl das Zentrum mit seinen 270 Geschäften Ende September eröffnet wurde, dreht sich immer noch alles um Baukosten.
An denen entzündet sich auch der Streit darüber, wer an der aktuellen Pleite schuld ist. Der Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Knut Rebholz, teilt mit: "Nach Angaben der Geschäftsführung von Fettchenhauer Controlling & Logistic sei der Insolvenzantrag notwendig geworden, da der Auftraggeber des Generalübernehmers unerwartet die Zahlungen eingestellt hat." Bei dem Auftraggeber handelt es sich um die Firma HGHI unter Führung von Harald Huth. Der lässt vorerst Presseanfragen unbeantwortet, sorgt aber dafür, dass sein Umfeld die Botschaft verbreitet: HGHI hat immer pünktlich und auch alles bezahlt. Mehr noch: Huth habe die Rechnungen seines Generalübernehmers zu 100 Prozent beglichen, obwohl erst 90 Prozent der Leistungen erbracht worden seien.
Mindestens vier Millionen Euro aber sollen laut Informationen des RBB bei neun ausführenden Baufirmen nicht angekommen sein. Darüber hinaus tobt ein Streit darüber, ob rumänischen Arbeitern der Lohn vorenthalten wurde. Immer wieder organisiert die "unabhängige Basisgewerkschaft" FAU Proteste vor der Mall. Unter anderem im Internet verbreitet sie, Subunternehmen hätten "Arbeiter aus Rumänien für schlappe fünf Euro Stundenlohn zehn Stunden am Tag schuften lassen und am Ende nicht einmal diesen niedrigen Lohn vollständig an die Arbeiter bezahlt."
Es ist übrigens nicht die erste Insolvenz beim Mall-Bau. Im vergangenen Jahr wurde schon einmal ein Generalübernehmer zahlungsunfähig. Es handelte sich um die Berliner Firma BSS. Das Management hat dann komplett ein anderer Partner der "Arbeitsgemeinschaft Leipziger Platz" übernommen: die derzeit in Rede stehende Firma des Andreas Fettchenhauer.
Vor einer Schließung scheint die Mall of Berlin nicht zu stehen. Die kürzlich monierten Brandschutzmängel werden wohl bis zum Stichtag 17. Dezember behoben werden können. Die restlichen Bauarbeiten werden neu vergeben.