Wer die Prenzlauer Promenade Richtung Innenstadt fährt, kann die kreisrunde Ruine nicht übersehen. Der stillgelegte Rundlokschuppen zwischen dem S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf und dem Autobahnzubringer ist eigentlich ein architektonischer Hingucker. Deutschlandweit gibt es nur noch ein zweites Exemplar in Rummelsburg. Doch der Anblick ist traurig bis erschreckend. Die Scheiben sind geborsten oder zugekleistert, das Eisen verrostet. Man wähnt sich in einer Geisterstadt und nicht am Eingangstor eines der boomendsten Bezirke Berlins.
Wenn es nach Pankows Baustadtrat Jens-Holger Kirchner geht, könnte in das Industriedenkmal von 1893 künftig eine Schule einziehen. Auch eine Mehrzweckhalle mit einer gemischten Nutzung aus Sport und Kultur wäre denkbar. "Doch das wird nicht preiswert", weiß der Grünen-Politiker.
Der verfallende Rundlockschuppen bildet nur die Spitze einer 2,5 Kilometer langen Brachfläche, die sich bis zum S- und U-Bahnhof Pankow zieht. Seit 2009 will der Möbel-Mogul Kurt Krieger das 34 Fußballfelder große Gelände mit einem 30 000 Quadratmeter großen Einkaufscenter bebauen. Und seit Jahren wird darüber gestritten, denn der Bezirk befürchtet nicht nur, dass der Einzelhandel am Rathaus Pankow geschwächt werden könnte, sondern, dass ein Baracken-ähnlicher Klotz aus Möbel- und Gartenmärkten einen toten Stadtteil erzeugen würde. "Die Hässlichkeit von Shopping-Malls im 0815-Stil ist ja legendär", sagt Kirchner, der auf Qualität statt Schnellschüsse pocht. "Wir brauchen hier nicht den zigsten Kik-Markt, dafür gibt es auch gar keine Kunden."
So wurde immer wieder neu um die Pläne für das sogenannte Pankower Tor gefeilscht. Inzwischen ist ein Kompromiss in Sicht. "Für uns war wichtig, dass der Einzelhandel von der Autobahn weg an den öffentlichen Nahverkehr zum Bahnhof Pankow rückt." Damit sei auch die einstige Stau-Prognose nicht mehr aktuell. Bezirk und Senat hatten lange den Bau einer Entlastungsstraße gefordert. Ein Verkehrsgutachten sei dazu laut Kirchner zwar noch in Arbeit. "Wenn nachgewiesen wird, dass die Verkehrsbelastung sich nicht verschlechtert, kann davon Abstand genommen werden."
Die beiden 350 Meter langen und 20 Meter hohen Gebäudekomplexe für die Sconto- und Höffner-Möbelmärkte sollen dagegen weiter entlang des Autobahnzubringers zur A114 gebaut werden. Im Mittelteil des insgesamt 40 Hektar großen Geländes sind 1000 Wohnungen sowie zwei bis drei Schulbauten geplant. "Wir bereiten gerade den städtebaulichen Rahmenvertrag vor", erklärt Kirchner. Der Park, den Krieger ursprünglich anlegen wollte, sei allerdings vom Tisch. Dafür soll es einen Stadtplatz geben.
Der Einkaufs-Ketten-Besitzer selbst, der Ende 1967 an der Weddinger Pankstraße das Möbelhaus Höffner neu gründete, will sich derzeit zu den Planungen nicht äußern. Auch die rote Info-Box, die er 2011 am Bahnhof Pankow aufstellen ließ, um die Öffentlichkeit zu informieren, ist geschlossen. "Was sollen wir darin zeigen, wenn die Pläne noch in der Entwicklung sind", sagt David Sommer, Projektmanager von Krieger Bau. Die Internetseite www.pankower-tor.de sei ebenfalls noch nicht aktualisiert.
Bäume und Büsche wurden aber inzwischen schon gerodet. Sandberge türmen sich auf der langgezogenen Wüstenlandschaft zwischen Bahndamm und Granitzstraße. "Der Senat begrüßt, dass es jetzt vorangeht", sagt Derk Ehlert, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die Nachnutzung des Rangierbahnhofs Pankow sei ein Projekt von gesamtstädtischer Bedeutung.
Stadtrat Kirchner glaubt aber, dass frühestens 2018 mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Flächennutzungs- sowie Bebauungsplan bräuchten seine Zeit. Dass es dauert, sei durchaus von Vorteil. "Ein Projekt solcher Größenordnung muss reifen."