Herr Boehlke, Sie bringen seit 25 Jahren die Stadt zum Leuchten. Was ist das Besondere am Botanischen Garten?
Dass der Park von sich aus kein Grundlicht hat. Wenn Sie dort normalerweise nach Sonnenuntergang ohne Taschenlampe unterwegs sind, haben Sie ein Problem. Es ist schön, die Pflanzen, Anlagen, Hügel und Teiche in eine große leuchtende Landschaft zu verwandeln und den Besucher auf einen Weg zu schicken, der wirklich zum Träumen anregt.
Was erwartet die Besucher?
Wir haben in diesem Jahr noch mehr Vielfalt. Die Attraktionen reichen von sinnlichen Inszenierungen  bis zu aufregenden Shows. So haben wir zum Beispiel neun Meter hohe Bäume als Feuerwerk inszeniert. Da werden mithilfe von Lichtstrahlen und Musik regelrechte Raketen gezündet. Dazu gibt es eine große Lasershow. Dazu haben wir einen großartigen Sounddesigner, der Musik extra zu den Bewegungen der Installationen komponiert hat.
Was war die größte Herausforderung?
Die Lichtkunst auf die Wasserflächen zu bauen. Wir haben in diesem Jahr ein besonderes Fabelwesen aus England bekommen. Bei den leuchtenden Seerosen sind wir auf die Idee gekommen, sie einfach auf die Schläuche von alten Autoreifen zu setzen. Die sind ja schwarz und für den Betrachter nicht sichtbar.
Sie gestalten auch das neue Lichterfest ab kommendem Donnerstag im Tierpark. Was ist dort anders?
Ja, die Anlage in Friedrichsfelde ist ebenfalls ein wunderschöner Park. Allerdings stehen dort die Tiere im Mittelpunkt. So wird es unter anderem Giraffen- und Känguru-Skulpturen aus Tausenden Lichtpunkten geben. Natürlich muss man im Tierpark besonders darauf achten, die Nachtruhe der Tiere nicht aus dem Rhythmus zu bringen. Aber da arbeiten wir eng mit Zoo-Experten zusammen.
Sie gelten in Berlin als Pionier der Lichtshows. Wie wurden sie Lichtdesigner?
Ich habe als 14-Jähriger im Unternehmen meines Großvaters angefangen. Anfangs habe ich als Elektroinstallateur  Messestände verkabelt. Mir wurde schnell klar: Das Thema Licht kann inszeniert werden. Vor 26 Jahren fing ich an, den Kudamm zu Weihnachten zu beleuchten. 2004 kam dann das Festival of Lights. Die LED-Technik hat viel verändert und bewegt.
Was möchten Sie selbst mit Ihren Installationen bewegen?
Der Alltag ist heute so stressig. Die Menschen machen sich viele Gedanken, oft keine guten. Ich möchte, dass sie mal innehalten und ihre Sorgen vergessen können. Das Licht soll ihre Herzen öffnen, wärmen und spüren lassen, dass das Leben ein Geschenk ist und wir es genießen sollten.
Christmas Garden bis 5. Januar im Botanischen Garten, Königin-Luise-Straße 6-8, täglich von 16.30 bis 22 Uhr geöffnet. Tickets unter: www.christmas-garden.de

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