So sind rund um den Markt wieder Gitterkörbe mit Sandsäcken, Poller und mobile Lkw-Sperren zu sehen. Die etwas ansehnlicheren Barrikaden, die in einem Sicherheits-Pilotprojekt extra für die City-West entwickelt werden, kommen frühestens 2020 zum Einsatz. Auch in diesem Jahr wird es ein Info-Mobil der Polizei auf dem Breitscheidplatz geben. Während der Weihnachtsmarktzeit vom 25. November bis zum 5. Januar schickt die Polizei verstärkt Streifen auf den Kurfürstendamm, den Tauentzien und zum Bahnhof Zoo. Viele Beamte werden in Zivil unterwegs sein. "Natürlich werden auch Maschinenpistolen zu sehen sein, aber wir planen eine Mischung aus verschiedenen Kräften."
Auch der Polizeibeamte wünscht sich, dass Angst und Trauer in den Hintergrund rücken und die Weihnachtsatmosphäre auch trotz großer Sicherheitsvorkehrungen so wenig wie möglich leidet. Das Gedenken scheint dabei immer weiter in den Hintergrund zu rücken. So soll am 19. Dezember, dem Jahrestag des Anschlags mit zwölf Toten und über 70 Verletzten, zwar bei einem Gottesdienst in der Gedächtniskirche an die Opfer erinnert werden. Eine Kranzniederlegung am Mahnmal auf dem Breitscheidplatz sei jedoch bisher nicht geplant. "Man hat sich daran gewöhnt, dass es keine Grabstätte sondern eine Gedenkstätte ist", sagte ein Sprecher der Veranstalter.
Wie genau der Tag ablaufen wird, sei aber noch in Abstimmung mit dem Senat und Vertretern der Angehörigen und Opfern. "Wir haben unsere Wünsche den Schaustellern, der Kirche, dem Opferbeauftragten und dem Senat mitgeteilt", sagt Astrid Passion, die bei dem Anschlag ihren Vater verlor. So wünsche man sich neben einer Kranzniederlegung vor allem "gehört" zu werden. Die betroffene israelische Familie möchte an dem Mahnmal nach der abendlichen Gedenkveranstaltung eine kurze Rede halten.
"Und auch von uns wird jemand sprechen", sagt Passion, die hofft, dass sich am Ort auch langfristig eine "Kultur des Gedenkens" etabliert. "Es gibt da verschiedene Wünsche, wir müssen jetzt sehen, was davon am dritten Jahrestag des Anschlags angemessen ist", erklärt Martin Germer, Pfarrer der Gedächtniskirche. Sicher sei, dass es einen Gedenkgottesdienst geben wird und dass wieder zwölf Glockenschläge am Abend an die Toten erinnern werden. "Ich bin mir sicher, dass um 20.02 Uhr dann wieder diese ergriffene Stille herrschen wird, das ist auch den Schaustellern wichtig."
Die meisten arbeiten seit vielen Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten, auf dem Markt und haben den Anschlag selbst erlebt. "Die Gäste fragen uns oft nach diesem Tag, das gehört dazu und ist auch ok so", sagt Bettina Roden, die mit ihrem Mann in den Hirschstuben, einem beheizten Edel-Zelt, Flammkuchen und Gänsekeulen servieren wird. Auf ein neu designtes Glühweinglas hat sie ein Peace-Zeichen mit zwölf Sternen aufdrucken lassen. "Das ist unsere Art zu gedenken", sagt die 58-Jährige.
Wie die meisten anderen großen Berliner Adventsmärkte öffnet der Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz am Montag um 10 Uhr und hat bis einschließlich 5. Januar geöffnet.

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