Im Fußball gibt es ja herrlich formulierte Weisheiten. Etwa den Satz des ehemaligen Stürmers des FC Bayern, Jürgen Wegmann, der die Situation bei Hertha BSC ziemlich gut wiedergibt. „Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.“ In der Partie am Sonnabend 0:2 verlorenen Partie gegen die Wolfsburger traf dies etwa auf Lukas Klünter zu. Der Verteidiger lenkte den Ball zum 1:0 für den VfL in den eigenen Kasten. Und dass die Berliner vor dem gegnerischen Tor momentan eine kapitale Ladehemmung besitzen, ließ sich erneut beobachten. Deyavasio Zeefuik, Jhon Cordoba und Krzysztof Piatek vergaben beste Gelegenheiten zum Ausgleich.

Klünter entschuldigt sich nach der Partie

Pechvogel Klünter gilt eigentlich als einer der Gewinner neben Torwart Rune Jarstein seit dem Trainerwechsel zu Pal Dardai. Der Ungar setzte bisher eher auf Spieler, die er schon von seinem ersten Engagement als Cheftrainer bei der Alten Dame (2015 bis 2019) kannte. Entsprechend nachsichtig zeigte sich der Coach mit seinem Schützling. „Klünti hat sich nach der Partie entschuldigt. Ich habe gesagt: ,Hör auf damit’. Er hat wie zuletzt ein gutes Spiel gemacht.“

Dardais Story vom eigenen Eigentor

Ein Eigentor gehöre zum Fußball dazu, meinte Dardai und schob in unnachahmlicher Manier eine Anekdote aus der eigenen Karriere hinterher. „Ich habe ein Eigentor in meiner Karriere gemacht. Und wo? Im eigenen Stadion in Ungarn, wo die ganze Stadt wegen mir gekommen ist. 16.000 Zuschauer, ein Freundschaftsspiel mit Ungarn gegen Kroatien.“ Er habe so dem Spiel hingefiebert, „alle haben meinen Namen gerufen.“ Und dann: der erste Ballkontakt, gleich ein Eigentor. „So ist das.“ Dardai ist daran nicht zerbrochen, sondern Herthas Rekordspieler geworden. Ob Klünter das schafft, ist eher fraglich. Aber der 24-Jährige hat Rückendeckung. „Natürlich war er angeschlagen.Er ist gut. Wir müssen ihn jetzt aufbauen. müssen ihn jetzt einfach in Ruhe lassen. Wir brauchen ihn.“ Dardais Hoffnung. „Vielleicht macht er nächste Woche ein Kopfballtor und gleicht das wieder aus.“

Cordobas Elfmeter zurückgenommen

Vor allem das Toreschießen ist aber derzeit das größte Problem. Die Charlottenburger sind mit nur sechs Toren die schlechteste Offensive des Kalenderjahres 2021 in der Bundesliga. Die größte Chance dazu wurde neben einem Pfostenschuss in Wolfsburg sogar per Videobeweis unterbunden. Weil Cordoba beim Zweikampf im Wolfsburger Strafraum über die eigenen Füße gestolpert war, revidierte Schiedsrichter Bastian Dankert zu Recht die eigene Entscheidung auf Elfmeter.

Cunha macht sich zu viel Druck

Trainer Dardai flüchtet seit Wochen in Fatalismus. „Im Training treffen sie alle und wir haben ja Torchancen. Das ist der psychologische Druck“, sagt der Ungar. Zu allem Überfluss verletzte ich Topscorer Mateus Cunha und musste zur Pause ausgewechselt werden. Aber auch der Brasilianer hatte zuletzt das Toreschießen eingestellt, sein Verhalten ist aber wohl exemplarisch für den aktuellen Zustand des Hertha-Angriffs „Leute, er ist erst 21. Er setzt sich selbst unter Druck. Er will alles alleine machen. Das soll er gar nicht“, sagte Dardai. Er sieht es als seine Aufgabe an, Cunha, aber auch Piontek und Cordoba, wieder da hinzubringen, mehr Spaß am Spiel zu haben. Dann klappe es auch wieder mit dem Treffen.
„Im Moment funktioniert der letzte Schuss nicht. Irgendwann muss es klingeln“, sagt Dardai, dann ginge es wieder von alleine. Aber dieses Klingeln muss bald kommen, denn die Abstiegsplätze rücken immer näher. „Wir kommen nur raus, wenn  wir das Tor erzwingen, egal wie“. sagt Vizekapitän Niklas Stark. Nur sagen das die Herthaner seit Wochen. Eine Kehrtwende aber ist bisher  nicht eingetreten. Und das ist nicht nur Pech.

Spieltag-Check


Verletzung Er kam als großer Hoffnungsträger, droht nun aber eine Zeit lang auszufallen. Weltmeister Sami Khedira erlitt in der zweiten Hälfte eine Wadenverletzung. „Wenn es ein kleiner Faserriss ist, dann wird er länger fehlen“, orakelt Trainer Pal Dardai.

Statistisches  Nach den Spieldaten war es eine Partie, die durchaus ein anderes Ende hätte nehmen können. Hertha lief mehr Kilometer (113,91:112,55), gewann genauso viele Zweikämpfe wie der Gegner und hatte fast genauso viele Torschüsse wie der Gegner (9:11), die sogar öfter auf das Gehäuse gingen. Nur das Ergebnis stimmte halt wieder für die Blau-Weißen nicht.